Multicard, Twincard & Co: Optimal für den Business-Einsatz

Angebote der Netzbetreiber, die mehrere SIM-Karten für eine Rufnummer offerieren, machen Schluss mit dem ständigen Kartenwechsel zwischen Handy, Datenkarte im Notebook und Autotelefon. Was leisten die unterschiedlichen Angebote?

Ein Handy in der Tasche, ein Mobiltelefon im Auto und eine Datenkarte im Notebook: Viele Mobiltelefonierer nutzen mittlerweile mehrere Handys oder Datenkarten. Die Folge: Mehrmals täglich heißt es Karte raus aus dem einen Mobiltelefon, Karte rein ins andere. Das Wechselspiel mit der SIM-Karte wird zur lästigen Fingerakrobatik. Das haben die Netzbetreiber erkannt und versuchen Abhilfe zu schaffen. TwinCard, FlexiCard oder Multicard heißen die Angebote, die die Nutzer mit mehreren Karten versorgen.

Dabei erhalten die Kunden je nach Netzbetreiber pro Rufnummer zwei bis sechs Karten; mit Ausnahme von E-Plus ohne zusätzliche monatliche Kosten. Lediglich eine einmalige Freischaltungsgebühr pro Karte fällt an.

Twin-, Flexi- oder Multicard-Kunden sind immer über die gleiche Rufnummer erreichbar, obwohl sie zwei Handys mit zwei Karten nutzen. Allerdings können sie bei allen Angeboten immer nur eine Sprachverbindung gleichzeitig aufbauen. Damit möchten die Netzbetreiber verhindern, dass TwinCard und Co. als Ersatz für andere, mit monatlichen Grundgebühren behaftete Telefonkarten dienen.

Zwei, drei, oder sechs Karten?

Erstaunlich wie sich die meisten Produkte trotz Wettbewerb ähneln. Nicht einmal am Namen kann man sie immer unterscheiden, obwohl sie von verschiedenen Netzbetreibern stammen. So nennen T-Mobile und Vodafone ihre Mehrkartenangebote TwinCard. Neben der Namensgleichheit teilen sie auch die Zahl der zusätzlichen Karten pro Rufnummer: eine! Sind beide Karten gleichzeitig eingebucht, dann ist diejenige aktiv, die sich zuletzt im Netz anmeldete. An sie leitet das Mobilnetz eingehende Rufe oder Kurznachrichten weiter. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass auch immer nur eine Verbindung möglich ist. Der Geschäftskunde kann also beispielsweise nicht mit seinem Notebook und einer Datenkarte per GPRS (General Packet Radio Service) E-Mails abrufen und gleichzeitig über die anderen Karte im Handy telefonieren.

Bei der Preisgestaltung treten jedoch Unterschiede zu Tage; auch wenn beide Betreiber keine monatlichen Grundgebühren verlangen. Die Kosten für Gespräche oder Datenübertragungen richten sich nach dem jeweiligen, gewählten Tarif. Bei T-Mobil steht die TwinCard in den Tarifen Telly Profi, TellyPlus, ProTel, TellySmile und TellyActive zur Verfügung. Der einmalige Bereitstellungspreis für die Zusatzkarte beträgt 24,95 Euro.

Vodafone bietet die TwinCard den Kunden an, mit denen das Unternehmen einen Laufzeitvertrag abgeschlossen hat. Bei den einmaligen Einrichtungsgebühren wird es etwas komplizierter: Bei einem Neuvertrag mit sofortiger Beauftragung einer TwinCard verlangt Vodafone einen einmaligen Zuschlag von 19,95 Euro. Tauscht dagegen ein Kunde später seine Telefonkarte gegen eine TwinCard, dann muss er 39,90 Euro berappen. Das heißt, der Betreiber bittet in diesem Fall den Kunden für beide Karten zur Kasse – für die Zusatzkarte und für den erforderlichen Tausch der alten Karte gegen eine „TwinCard-fähige“. Nicht ganz billig, nicht ganz fair. Schließlich hat der Kunden bereits beim Vertragsabschluss für seine Telefonkarte eine Einrichtungsgebühr bezahlt.

Auch die FlexiCard von E-Plus orientiert sich bei den Funktionen weitgehend an den Wettbewerbsmodellen. Die Nummer Drei im deutschen Mobilfunkmarkt bietet seinen Kunden mit Laufzeitvertrag ebenfalls maximal zwei Karten, von denen immer nur die zuletzt ins Netz eingebuchte aktiv ist. Das bedeutet auch für E-Plus-Kunden: Entweder telefonieren oder Daten übertragen – beides gleichzeitig geht trotz zweier Karten nicht. Als einziger Betreiber verlangt E-Plus mit 3 Euro eine monatliche Gebühr für die Zusatz-SIM. Für Neukunden kommen einmalig 15 Euro für die Aktivierung hinzu. Wer schon E-Plus-Kunde ist, der wird auch für den fälligen Tausch seiner alten SIM-Karte zur Kasse gebeten. Er muss damit zweimal 15 Euro = 30 Euro bezahlen, zahlt also für eine Karte zum zweiten Mal eine Bereitstellungsgebühr.

Die Produktstrategen von O2 ließen sich mit der Entwicklung ihres Angebots lange Zeit. Erst am 1. Oktober 2003 kam Multicard in die Läden. Dafür präsentierten die Münchner aber auch ein Produkt, das sich von den Konkurrenzangeboten deutlich abhebt. Kunden mit einem Laufzeitvertrag erhalten bis zu zwei zusätzliche Multicards, Geschäftskunden mit einem Rahmenvertrag können sogar insgesamt sechs SIM-Karten auf einer Rufnummer betreiben. Für jede Zusatzkarte verlangt O2 einmalig 24,95 Euro; monatliche Grundgebühren fallen nicht an. Den notwendigen Austausch der „Erstkarte“ nimmt der Betreiber kostenlos vor.

Alle Multicards dürfen gleichzeitig im Netz eingebucht sein. Somit können die Nutzer gleichzeitig über eine Karte Daten übertragen und mit einer anderen telefonieren. Nicht möglich sind dagegen zwei gleichzeitige Telefonverbindungen. Eingehende Anrufe, Kurznachrichten (SMS), Multimedianachrichten (MMS) oder Faxmitteilungen gehen an die Karte, die für den jeweiligen Dienst priorisiert ist. Die Konfiguration hierfür kann der Kunde selbst entweder über das Internet oder direkt am Handy vornehmen.

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