Mobilcom will sich an einem Konkurrenten beteiligen

"Wir stellen Überlegungen an, ob es Sinn macht, sich mit dem ein oder anderen zusammenzutun"

Knapp ein Jahr nach seiner Rettung vor der Pleite zieht der Mobilfunkdienstleister mobilcombereits Beteiligungen oder Übernahmen in Erwägung. Im Kerngeschäft, dem Wiederverkauf von Telefonminuten anderer Mobilfunkanbieter, will das im TecDax notierte Unternehmen erstmals 2004 auf Jahrsbasis einen Gewinn erzielen.

Vorstandschef Thorsten Grenz sagte am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir stellen Überlegungen an, ob es Sinn macht, sich mit dem ein oder anderen zusammenzutun.“ Der Büdelsdorfer Konzern sehe sich nach dem Abschluss seiner Sanierung nun nach Möglichkeiten um, sich aktiv in den Konsolidierungsprozess der Branche einzuschalten. Dabei werde auch die Möglichkeit von Beteiligungen geprüft. Namen nannte Grenz nicht. Bislang seien keine Gespräche geführt worden, fügte der mobilcom-Chef hinzu. Nach Einschätzung von Branchenkennern kommen für Kooperationen oder Übernahmen derzeit die mobilcom-Konkurrenten Debitel, Talkline und Drillisch in Frage.

Der Schweizer Telekomkonzern Swisscomhatte vor Kurzem Bereitschaft erkennen lassen, sich von seiner deutschen Mobilfunktochter Debitelzu trennen. Da es sich dabei um ein finanzielles Investment handele, seien alle Optionen offen, einen Verkauf eingeschlossen, hatte eine Swisscom-Sprecherin gesagt. Debitel betreibt wie mobilcom kein eigenes Mobilfunknetz, sondern vertreibt Anschlüsse wie T-Mobile, Vodafone und E-Plus.

Die zum dänischen Telekom-Konzern TDC gehörende Talkline mit Sitz in Elmshorn hatte sich im September selbst als Interessent an mobilcom ins Spiel gebracht, war aber von den Büdelsdorfern abgewiesen worden.

Ein Streit der beiden Hauptaktionäre Gerhard Schmid und France Telecom über die Investitionen in den Ausbau des UMTS-Netzes hatte mobilcom im vergangenen Jahr an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Die Pleite war nur mit Hilfe eines Sanierungskredits mehrerer Banken abgewendet worden, den mobilcom nach dem Verkauf von Anteilen an seiner Internet- und Festnetztochter freenet inzwischen zurückgezahlt hat. Nachdem die Banken die bei ihnen verpfändeten Aktien des Unternehmensgründers Schmid verkauft haben, ist die France Telecom Grenz zufolge mit gut 28 Prozent der einzig verbliebene Großaktionär. Rund 72 Prozent von mobilcom seien breit gestreut, sagte Grenz.

Auf dieser Grundlage sieht Grenz nach eigenen Worten gute Voraussetzungen, eine aktive Rolle im Konsolidierungsprozess zu spielen. „Bisher waren wir zu einer passiven Rolle verdammt“, sagte er.

Ausblickend zum laufenden Geschäft bekräftigte der mobilcom-Chef seine Prognose, dass das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ebenso wie der Überschuss im Konzern im vierten Quartal das Niveau der beiden vorangegangenen Dreimonatszeiträume unterschreiten werde. Als Grund nannte er Akquisitionskosten zur Gewinnung neuer Mobilfunkkunden. Nach dem Rückgang der Zahl der Mobilfunkverträge um 800.000 bis Ende 2003 auf dann 4,2 Millionen erwartet Grenz im kommenden Jahr ein Wachstum auf 4,4 bis 4,5 Millionen Kunden. Von dem Rückgang in diesem Jahr entfallen nach seinen Worten 600.000 allein auf die Ausbuchung so genannter inaktiver Mobilfunkkunden. Dadurch erhöhte sich der durchschnittliche Umsatz pro Kunden (ARPU) im zweiten Quartal auf 22 Euro von 20,20 Euro im Vorquaral. Im dritten Quartal habe sich dieser Trend fortgesetzt, sagte Grenz. Die Zahlen für den Zeitraum Juli bis September will mobilcom am 12. November veröffentlichen.

Für 2003 erwarte er im Konzern ein positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit), wobei Verluste im Service-Providing durch Gewinne im Festnetzgeschäft ausgeglichen würden, sagte Grenz. „Wir werden auf Konzernebene auf eine schwarze Null kommen, Internet, Festnetz und Mobilfunk zusammen.“ 2004 solle auch das Kerngeschäft trotz Zuwächsen von rund 200.000 Mobilfunkkunden Gewinne erzielen.

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