Die Vorteile von OWL für Webanwendungen

Ein Web-Portal ist eine Website, die zu einem bestimmten Thema Informationen bereitstellt (z. B. zu einer bestimmten Stadt oder einem Interessengebiet). Ein Web-Portal ermöglicht Benutzern, die an dem Thema interessiert sind, Nachrichten zu erhalten, Gesprächspartner zu finden und sich mit ihnen auszutauschen, eine Community aufzubauen und Links zu verwandten Webressourcen zu finden. Eventuell reicht aber ein schlichter Index der Themenbereiche für die Benutzer nicht aus, um die gewünschten Inhalte zu finden. Für eine intelligentere Nutzung der Informationen können Webportale eine gemeinsame Ontologie definieren.

Diese Ontologie kann eine Terminologie zur Beschreibung von Inhalten bereitstellen sowie Axiome, die Begriffe definieren, die wiederum andere Begriffe aus der Ontologie verwenden. In Kombination mit bestimmten Aussagen erlauben diese Definitionen das automatische Schlussfolgern in Bezug auf andere Aussagen, die notwendigerweise wahr sein müssen. Diese Schlussfolgerungen können es schließlich den Anwendern ermöglichen, Suchergebnisse vom Portal zu erhalten, die mit konventionellen Abfragesystemen nicht zu erreichen wären.

Natürlich baut eine solche Technik darauf, dass Content Provider ihre Seiten mit OWL auszeichnen. Dies dürfte jedoch meist ohnehin der Fall sein, da man davon ausgehen kann, dass die Anbieter an einer möglichst weiten Verbreitung ihrer Inhalte interessiert sind.

Multimedia-Sammlungen

OWL kann auch für semantische Anmerkungen zu Sammlungen von Bildern, Audio-Dateien oder sonstigen nicht-textbezogenen Objekten verwendet werden. Für Computer ist es noch schwieriger, aus Multimedia-Dateien sinnvolle Informationen herauszuziehen als aus natürlichsprachlichem Text.

Multimedia-Ontologien kommen in zwei Arten vor: Sie können auf das Medium oder auf den Inhalt bezogen sein. Medien-spezifische Ontologien können Klassifizierungen der unterschiedlichen Medientypen enthalten und deren Eigenschaften beschreiben. So könnte ein Video z. B. Angaben zur Länge des Clips und zu Szenenwechseln enthalten. Inhalt-bezogene Ontologien könnten das Thema der Ressource beschreiben, z. B. den Ort der Handlung oder die Teilnehmer. Da solche Ontologien nicht für das jeweilige Medium spezifisch sind, können sie auch von anderen Dokumenten verwendet werden, die sich mit demselben Fachgebiet beschäftigen.

Verwaltung einer Unternehmens-Website

Unternehmen unterhalten oft zahlreiche Webseiten mit Pressemeldungen, Produktbeschreibungen, Fallstudien, Unternehmensrichtlinien, internen Produktbeschreibungen und -vergleichen, White Papers und Verfahrensbeschreibungen. Ontologien können verwendet werden, um diese Dokumente zu indizieren und so bessere Suchmöglichkeiten zu bieten.

Obwohl viele große Unternehmen über eine Klassifizierung zur Organisation ihrer Informationen verfügen, reicht dies oft nicht aus. Eine einzige Klassifizierung ist oft einschränkend, da viele Dinge unter verschiedene Kategorien fallen können. Außerdem ist die Suche nach Werten für unterschiedliche Parameter oft nützlicher als eine Suche nach Schlüsselbegriffen mithilfe von Klassifizierungen.

Ein typisches Problem für den Benutzer einer Unternehmens- Website besteht darin, dass er unter Umständen eine andere Terminologie verwendet als der Autor der gesuchten Inhalte. Bei solchen Problemen wäre es nützlich, wenn jede Gruppe von Benutzern ihre eigene Ontologie von Begriffen hätte, die einzelnen Ontologien aber untereinander verknüpft wären, so dass Übersetzungen automatisch durchgeführt werden könnten.

Erstellung von Dokumentation

Dokumentation kann von unterschiedlicher Art sein und sich z. B. auf das Design, die Herstellung oder Testverfahren beziehen. Diese Dokumente verfügen alle über eine hierarchische Struktur, aber die Strukturen unterscheiden sich oft voneinander. Oft gibt es auch eine Reihe implizierter Achsen, mit denen die einzelnen Dokumentationen miteinander verknüpft sind.

Mithilfe von Ontologien kann man ein Informations-Modell erstellen, das die optimale Ausnutzung des Informationsraums im Hinblick auf die repräsentierten Elemente, die Beziehungen zwischen diesen Elementen, die Eigenschaften der Elemente sowie die Verknüpfungen zur Dokumentation, die diese Elemente beschreibt und definiert (d. h. der externen Rechtfertigung für das Vorhandensein des Elements in dem Modell), ermöglicht. Ontologie und Klassifizierung sind also nicht unabhängig von den physischen Elementen, die sie repräsentieren, können aber parallel entwickelt und/oder genutzt werden.

Eine weitere häufige Verwendung dieser Art von Ontologie ist die Unterstützung der Visualisierung und Bearbeitung von Übersichten, die Momentaufnahmen des Informationsraums zeigen, der sich auf ein bestimmtes Konzept bezieht (z. B. eine Klasse oder eine Instanz). Dies sind üblicherweise Aktivitäts-Regel-Diagramme oder Element-Beziehungs-Diagramme.

Intelligente Agenten

Das Semantic Web kann Software-Agenten die Fähigkeit verleihen, unterschiedliche Informations-Ressourcen zu verstehen und integrieren. Bei der Erstellung der tatsächlichen Services können die Informationen aus unterschiedlichen Quellen stammen (z. B. Portale, Service-spezifische Websites, reservierte Websites und das allgemeine Internet).

Aufgaben und Entwicklungsziele

Es gibt im Internet über eine Milliarde Webseiten und die mögliche Anwendung des Semantic Web für eingebettete Geräte und Agenten weist darauf hin, dass sogar noch größere Informationsmengen gehandhabt werden müssen. Die OWL-Sprache sollte dabei Schlussfolgerungssysteme unterstützen, die gut skalierbar sind. Trotzdem sollte die Sprache so ausdrucksstark wie möglich sein, so dass Benutzer bestimmen können, welche Art von Wissen für ihre Anwendungen wichtig ist.

Es gibt außerdem eine wichtige Unterscheidung zwischen einer Klasse und einem Individuum in OWL. Eine Klasse ist einfach ein Name und eine Sammlung von Eigenschaften, die eine Gruppe von Individuen beschreiben. Individuen sind Mitglieder dieser Gruppen. Deshalb sollten Klassen mit natürlicherweise vorkommenden Gruppen von Dingen in einem bestimmten Themenbereich übereinstimmen, und Individuen sollten die tatsächlichen Einzelelemente repräsentieren, die in diesen Klassen zusammengefasst werden können.

Die OWL-Sprache wurde entwickelt um ein breites Spektrum an Wissen ausdrücken zu können, doch sie bietet auch effiziente Mittel für Schlussfolgerungen. Da diese beiden Anforderungen sich üblicherweise widersprechen, besteht das Ziel der OWL-Sprache darin, einen Mittelweg zu finden, der die Fähigkeit unterstützt, die wichtigsten Arten von Wissen auszudrücken.

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