IBM: On-Demand im Rechenzentrum

Detlev Straeten, bei IBM Global Services zuständig für Strategie und Marketing, erklärt im Gespräch mit ZDNet wie sein Unternehmen den On-Demand-Markt angeht.

Eigentlich kann ein Kunde fast jede Art von IT-Dienstleistung bei der Big Blue anfordern. Umworben ist jedoch vor allem das Rechenzentrum, für das der Großteil der On-Demand-Funktionen gedacht ist. Der bei IBM Global Services für On-Demand-Strategien zuständige Manager Detlev Straeten erklärt, wie sein Unternehmen diesen Markt angeht.

ZDNet: Bieten Sie RZ-Dienste auch für Fremdsysteme an?

Straeten: Ja, das machen wir. Vor allem bei Outsourcing. Beim Utility-Ansatz versuchen wir den Kunden zu überzeugen, dass es ihm gleichgültig sein kann, mit welchem System, beziehungsweise auf welcher Plattform die vereinbarte Leistung erbracht wird. Das ist für beide Seiten vor allem dann interessant, wenn die Dienstleistung etwa durch den Einsatz von Linux-Systemen preisgünstiger würde.

ZDNet: Kaufen Sie Fremdtechnik etwa von Sun oder HP ein, um ihre Dienstleistungen günstiger zu machen?

Straeten: Unsere Speicherumgebung für Storage On-Demand ist bereits heterogen. Ob wir von uns aus Dienste auf Fremdsystemen anbieten sollten, halte ich für fragwürdig, da wir ja selbst Speichersysteme herstellen, die effizient Daten verwalten — Stichwort Virtualisierung.

ZDNet: Ich meine IBM-intern. Es könnte für Sie doch im Einzelfall günstiger sein, Komponenten beim Mitbewerb zu kaufen. Davon braucht Ihr On-Demand-Kunde ja nichts zu erfahren?

Straeten: Wir haben Server-Technologie von Weltklasse, da sollte es möglich sein, RZ-Dienstleistungen aus eigener Kraft zu kundenfreundlichen Preisen anzubieten. Aber es kann in Einzelfällen sinnvoll, sein andere Plattformen zu haben, aber ich würde das nicht zu Regel machen. Unsere Rechenzentren sind schon jetzt heterogen. Dort finden Sie fast jedes existierende System. Das gehört aber nicht zu unserer Strategie. Es ist eher sinnvoll, die Zahl der Plattformen zu begrenzen.

ZDNet: Sehen Sie Sun mit seinem N1-Konzept eher als Partner oder als Konkurrenten?

Straeten: Die Tivoli-Funktionen wird es auch für Sun-Systeme geben. Das heißt, die Kunden können eine N1-Maschine weiter verwenden, auch wenn sie die RZ-Leistung bei uns einkaufen. IBM- und Sun-Konzepte werden auf Basis gemeinsamer Standards nebeneinander existieren können.

ZDNet: Das Utility-Konzept kann bedeuten, dass Leistungen via Netz bezogen werden. Führt das nicht zu Leistungseinbußen?

Straeten: Man muss sich überlegen bei welchen Diensten es Sinn macht, sie über Netz anzubieten. Die IT-Evolution sorgt für ständig mehr Bandbreite und CPU-Leistung. Hinzu kommen Fortschritte beim Programmiermodell. Es wird zunehmend mehr Komponenten- und Service-orientiert entwickelt. Standardschnittstellen machen es möglich, RZ-Funktionen zu verteilen. Früher waren die Anwendungen monolithisch und plattformspezifisch. Mit Web-Application-Servern und Web-Services kommt man da in ganz andere Regionen.

ZDNet: Welche Rolle spielt Grid-Computing?

Straeten: Es ist eine gute Sache, dass die Industrie diese Möglichkeiten auf Basis von Standards realisiert. Die IBM gehört zu den treibenden Kräften, hier heterogene Welten zusammenzubringen. Man muss allerdings überlegen, wann Grid aus Gründen der Skalierbarkeit, der Kosten, der Verwaltbarkeit Sinn macht.

ZDNet: Verteilte Systeme existieren schon seit rund 15 Jahren, aber sie sind nie richtig zum Einsatz gekommen.

Straeten: Die Situation ist heute eine andere: Wir haben die Economy of Scale bei den Basiskomponenten im Griff sowie bei der Reichweite – dank der vorinstallierten Internet-Infrastruktur. Hinzu kommen das Programmiermodell mit den Geschäftsprozess-Integrations-Plattformen und Komponenten-Technik sowie die Standardisierungsprozesse. Erst diese Entwicklungen erlauben uns die verteilten Umgebungen, die wir uns vor zehn Jahren gewünscht haben.

ZDNet: Wie sieht das Rechenzentrum der Zukunft aus?

Straeten: Der operatorlose Betrieb ist nicht geplant. Die RZ-Mitarbeiter sollen künftig aber vor allem Regeln, so genannte Policies entwickeln. Die Komponenten sollen als Black Box, also mit eigener Vernetzung, Workload-Management etc., ausgeliefert werden, sich aber in ein zentrales Management-Werkzeug wie Tivoli einbinden lassen. Außerdem werden RZ-Komponenten ausgelagert, um einen möglichst hohen Automationsgrad innerhalb zu erreichen. Im Bereich der RZ-Konsolidierung macht es Sinn, das System-Mangement nur an wenigen Knoten zu machen. Im Sinne des operatorlosen Betriebs kann es manchmal sogar sinnvoll sein, in einigen Firmen nur noch Storage-Farmen stehen zu lassen.

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1 Kommentar zu IBM: On-Demand im Rechenzentrum

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  • Am 14. Januar 2004 um 17:18 von Selcuk Sirher

    GRID COMPUTING
    Meines Wissens ist On-Demand-Computing eine mögliche Anwendungsklasse des Grid Computing!? Deshalb verstehe ich diese Frage (und die Antwort!) nicht so ganz:

    "ZDNet: Welche Rolle spielt Grid-Computing?"

    Bietet die Grid nicht die nötige TEchnologie um On-Demand-Computing zu ermöglichen? Es geht doch -zusammengefaßt- darum Computerressourcen zu virtualisieren, Prozesse von der Hardware zu trennen <-das ist z. B. doch GRidcomputing? Also spielt Gridcomputing doch eine ganz wesentliche Rolle bzw. ist die Voraussetzung für On-Demand-Computing!?

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