Online-Stellenmärkte fürchten um ihre Existenz

"Subventionierte Marktkonkurrenz durch die Bundesanstalt für Arbeit (BA) ist Kampfansage"

Ein Gipfelgespräch über eine Zusammenarbeit zwischen den professionellen Online-Stellenmärkten und dem neu gestalteten „Virtuellen Arbeitsmarkt“ (VAM) der Bundesanstalt für Arbeit (BA) ist am Mittwoch ergebnislos abgebrochen worden. „Die BA will sich in den Markt der Vermittlung wechselwilliger Fach- und Führungskräfte drängen und sich zum Nachteil der professionellen Anbieter profilieren“, erklärten die Geschäftsführer von vier Online-Stellenmärkten – Christopher Funk (Jobpilot), Kai Deininger (Monster), Harald Lenz (Jobscout24) und Ralf Baumann (Stepstone), nachdem sie sich am Mittwoch mit BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt in Nürnberg getroffen hatten.

Nach bekannt werden der BA-Strategie, unter neutralem Namen die Marktführerschaft unter den Stellenbörsen anzustreben, hatten die vier Anbieter Aufklärung über die Absichten der BA verlangt. Diese hatte vor einigen Tagen erklärt, dass man mittels eines „Job-Roboters“ die Arbeitsämter das Internet auf der Suche nach freien Stellen durchkämmen wolle. Die neue Suchmaschine soll den Arbeitsvermittlern Zugang zu allen Stellenangeboten verschaffen, die Firmen im Internet anbieten. Die Software wird bereits seit kurzem in 15 Arbeitsämtern in Berlin (5), Duisburg, Düsseldorf, Essen, Kiel, Krefeld, Mönchengladbach, Nürnberg, Oberhausen, Solingen und Wuppertal getestet. Nach der Testphase soll der Job-Roboter ab Dezember 2003 in das neue Service-Portal der Bundesanstalt, den „Virtuellen Arbeitsmarkt“, integriert werden.

„Wenn die BA auf eine Zusammenarbeit mit den Online-Stellenmärkten verzichten will, können wir das akzeptieren“, so die vier Geschäftsführer. Dies belegten die aktuellen Online-Nutzungsdaten von Nielsen/NetRatings: Im Monat Juli 2003 wurden die Jobangebote der „Top 5“ der kommerziellen Jobportale von 1,8 Millionen Fach- und Führungskräften besucht, während die Website der BA rund 2,1 Millionen Gesamtnutzer aus allen möglichen Segmenten – vom Arbeitslosen bis zum Hilfsarbeiter – zu verzeichnen hatte. Die Zahlen würden weiterhin belegen, das fast 96 Prozent der Nutzer der kommerziellen Jobportale wechselwillige Arbeitnehmer sind. „Diesen Markt, nämlich den der wechselwilligen Fach- und Führungskräfte, will sich die BA nun einverleiben – mit dem einzigen Ziel, ihre Vermittlungszahlen zu beschönigen.“

Die vier Online-Unternehmen Jobpilot, JobScout24, Monster und StepStone wollen mit einer gemeinsamen Strategie der Herausforderung durch die Bundesanstalt begegnen. „Wir fordern, dass die BA sich auf ihre Kernkompetenzen, die Vermittlung von Arbeitslosen, konzentriert und sich nicht mit Hilfe der Beitragsgelder von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in einen privatwirtschaftlich organisierten und gut funktionierenden Markt einmischt. Dies kommt einer Verschwendung öffentlicher Mittel gleich, die weder Politik noch Wirtschaft derzeit dulden können“, erklären die vier Online- Geschäftsführer einhellig.

Themenseiten: Business, Telekommunikation

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Online-Stellenmärkte fürchten um ihre Existenz

Kommentar hinzufügen
  • Am 22. August 2003 um 23:47 von L.

    abwarten!
    Die Initiative der BA für Arbeit ist keine wirkliche Herausforderung für die professionellen Jobbörsen. Die BA demonstriert bereits seit Jahren etwa beim SIS, dass Datenpflege ein Fremdwort für sie ist. Dort gammeln z.T. Stellen herum, die bereits seit einem Jahr nicht mehr aktuell sind. Die Privaten sollten sich also einfach zurück lehnen und warten, bis sich herum gesprochen hat, dass auch diese Dienstleistung des Arbeitsamtes keinen Pfifferling wert ist.
    Ein Großteil der Gelder, die die BA aus der Arbeitslosenversicherung kassiert, geht dafür drauf, dass sich die BA und die Arbeitsämter verwalten. Ein Bruchteil kommt bei den Arbeitslosen an.

  • Am 25. August 2003 um 3:21 von K.-P. Aldag

    Job-Hexe verboten!
    Dazu passt die Meldung, das das Programm "Job-Hexe" vom Berliner Software-Entwickler Dirk Richter verboten wurde von der BA mit Hinweis auf das Copyright. Das Programm ist im Prinzip nichts anderes als ein Browser innerhalb der vom AA online gestellten "freien" Stellen, so wie in den Terminals innerhalb des AA, nur viel besser und bequemer. Eine absolute Schweinerei, denn die Firmen wollen ja Bewerbungen von Güte und Qualität erhalten. Ich für meinen Teil habe echt keine Lust, mich fast jeden Tag im örtlichen AA herumzudrücken und mit kleinen Zetteln bewaffnet darauf zu warten, dass da mal einer Zeit für mich hat, um an die vollständigen Daten heranzukommen. Außerdem hat ja staatlich bestellte Software immer dies besondere Klospülungs-Syndrom. Es funktioniert erst dann, wenn man entnervt und/oder befreit abzieht.
    Gruß

    The Texman

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *