Microsoft zu 521 Millionen Dollar wegen Patent-Verletzung verurteilt

Universität von Kalifornien und das Unternehmen Eolas hatten geklagt: "Internet Explorer ist gestohlen"

Der US-Softwareriese Microsoft ist wegen einer Patentverletzung bei Browser-Technologie zu einer hohen Schadenersatzzahlung verurteilt worden. Der Konzern muss einem Internetunternehmen und der Universität von Kalifornien insgesamt 521 Millionen Dollar (461 Millionen Euro) zahlen, wie ein Gericht in Chicago am Montag entschied.

Das von einem früheren Universitätsdozenten gegründete Unternehmen Eolas Technologies hatte 1999 gegen Microsoft geklagt, weil der Konzern seine Technologie für die Einbettung fremder Anwendungen in den Internet Explorer benutzt habe. Mit dem Browser beherrscht Microsoft heute den Markt.

Mit der Strafe blieb das Geschworenengericht allerdings deutlich unter der Forderung von Eolas. Das Unternehmen mit Sitz in Wheaton im US-Bundesstaat Illinois hatte rund 1,2 Milliarden Dollar als Schadenersatz gefordert. Dabei wurden für jede der insgesamt zwischen November 1998 und September 2001 354 Millionen verkauften Kopien des Betriebssystems Windows 3,50 Dollar zugrunde gelegt. Das Gericht senkte diesen Betrag auf 1,47 Dollar.

Kläger-Anwalt Martin Lueck zeigte sich dennoch zufrieden: „Wir glauben, dass es aufgrund der Beweislage ein sehr vernünftiges Urteil ist.“ Microsoft bezeichnete die Entscheidung als „enttäuschend“ und kündigte Berufung an. Das neue Verfahren werde zeigen, dass Microsoft die Anwendung selbst entwickelt und nicht gestohlen habe.

Die Microsoft-Anwälte hatten vor Gericht zudem argumentiert, dass die umstrittene Anwendung nur eine kleine Komponente des Internet-Browsers Explorer darstelle. Eolas vergebe zudem Lizenzen für einen eigenen Browser, der die Technik enthält, für nur zehn Millionen Dollar. Eine Strafe müsse – wenn überhaupt – deshalb deutlich niedriger ausfallen.

Die Eolas-Technik erlaubt es Nutzern, Anwendungen wie so genannte Plug-ins zu aktivieren, indem sie in Webseiten eingebettete Objekte anklicken. Microsoft hatte erst Ende Mai einen jahrelangen Streit mit dem Konkurrenten Netscape um Internet-Browser beendet. Dabei zahlte der Konzern von Bill Gates dem heutigen Eigner AOL 750 Millionen Dollar. Netscape hatte Microsoft vorgeworfen, seine dominierende Stellung auf dem Browser-Markt durch illegale Praktiken erreicht zu haben. Das Unternehmen, das einen eigenen Browser anbietet, verwies darauf, dass der Explorer kostenlos in das Microsoft-Betriebssystem Windows integriert wurde, das heute auf neun von zehn Computern weltweit läuft.

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