OS-Migration: Alles offen im Wettstreit um Open-Source

In den vergangenen Wochen haben einige Verlautbarungen von großen Software-Anbietern dazu geführt, dass CIOs ihre Strategien in Hinblick auf Open-Source noch einmal überdenken.

In der einen Ankündigung gab Netzwerk-Anbieter Novell seine Absicht bekannt, sich auf dem wachsenden Markt für Application Services zu engagieren, und zwar durch Verbindung seiner Systeme mit Open-Source-Produkten. Die andere Ankündigung – von Microsoft, also dem genauen Gegenteil dessen, was man gemeinhin unter Open-Source versteht – lässt das Unternehmen entweder als den größten Verfechter von Open-Source erscheinen oder als dessen Totengräber. In diesem Artikel werden die beiden Verlautbarungen näher untersucht, um zu sehen, wie sie das Bild von Open-Source-Software auf dem Markt verändern könnten.

Das ’neue‘ Novell

Um bei der ABM-Bewegung (= Anything But Microsoft) nicht außen vor zu bleiben, nutzte Novell seine kürzliche Brainshare-Konferenz zur offiziellen Vorstellung seiner Open-Source-Strategie. Dazu gehört nicht nur der gemeinsame Vertrieb von wichtigen Open-Source-Produkten zusammen mit Software für seine kommerziellen Produkte, sondern auch der Plan, Open-Source-Entwickler mithilfe eines Bonussystems dazu zu verlocken, Novell-Software zu benutzen. Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre verfügte Novell über einen scheinbar uneinholbaren Vorsprung bei dem Wettlauf, zum De-facto-Standard bei Server-Betriebssystemen zu werden. Aber als der Markt – einschließlich Microsoft – die Verlagerung von File Services hin zu Application Services erkannte, wurde Novells Marktführerschaft auf dem Gebiet der File Services zum sprichwörtlichen Klotz am Bein, der das Unternehmen an einer Neuorientierung hinderte. Nach dem Verlust von Marktanteilen, dem Interesse der Entwickler und fast aller VAR-Vertriebskanäle baut Novell nun auf das Interesse des Marktes an Open-Source und will die Gelegenheit nutzen, auf diesem Wege zu einem wichtigen Application Server-Anbieter zu werden.

Wenn Novell ab dem Sommer NetWare 6.5 ausliefert, wird das System zwei der wichtigsten Open-Source-Produkte enthalten: die Datenbank MySQL und den Webserver Apache. In der Version wird außerdem der SilverStream 1.3 J2EE Application Server enthalten sein, der durch den Aufkauf des Unternehmens 2002 in den Besitz von Novell gelangte. Durch die Zusammenstellung einer komplett integrierten Application-Server-Suite hofft Novell Entwickler davon zu überzeugen, diese Plattform als Entwicklungs- und Einsatzplattform für J2EE-basierte Unternehmensanwendungen zu benutzen. Unterstützt wird diese Initiative durch einen umfassenden Online-Support in Form der neuen Novell Forge-Website.

Natürlich geht es hier nicht vorrangig darum, dass die Leute diese Produkt-Suite verwenden – da gibt es eine Vielzahl von Konkurrenzprodukten, die eine bessere Integration und einen größeren Funktionsumfang bieten. Aber eine Annäherung an den Open-Source-Markt soll Novell die Gelegenheit verschaffen, auch seine anderen Produkte für Sicherheit, Deployment und Verzeichnisdienste an den Mann zu bringen. Außerdem soll so verhindert werden, dass Anwender abtrünnig werden und zu Konkurrenzprodukten aus der Open-Source-Szene oder zur Microsoft .NET-Plattform wechseln. Das Hauptproblem für Novell bei der Umsetzung dieser Strategie dürfte das Fehlen eines integrierten Entwicklungsprodukts sein. Wenn man bedenkt, dass die meisten anderen Anbieter von Entwicklungsplattformen wie Borland, IBM, Sun und Oracle ebenfalls ihre eigenen integrierten J2EE Application Server, Datenbanken und Webserver anbieten, wird Novell auf unabhängige Anbieter von Entwicklungstools zurückgreifen müssen, um die Akzeptanz der Novell Application Services Plattform zu steigern.

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