Wi-Fi: wirklich revolutionär?

Wenn man 2003 kein Networking-Außenseiter sein will, ist Wi-Fi nicht nur eine gute Idee, auch nicht nur eine bloße Alternative, sondern ein absolutes Muss. Doch sollte man sich von dem Modegeflimmer nicht hinters Licht führen lassen.

Trotz aller Bemühungen der Werbetrommler scheint diese Revolution mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben.

Um sich zu überzeugen, dass Wi-Fi das Nonplusultra des Jahres für Netzwerke ist, muss man nur die Anstrengungen solcher Firmen wie HP oder Nortel betrachten. Sie bemühen sich verzweifelt, auch ein Stück von diesem vielversprechenden Kuchen abzubekommen.

Der Plan ist hierbei, nicht nur eine Reihe von Access-Point-Produkten anzubieten, sondern auch einen netzwerk-intelligenten Sicherheits- und Roaming-Switch im Angebot zu haben, um diese Produkte in der Kabelzentrale miteinander zu verbinden. So können die Anwender dann das Gebäude durchstreifen, ohne die Access Points oder die Business-Anwendungen zu verwirren, mit denen sie über das Funknetz kommunizieren.

Das Konzept ist ziemlich unkompliziert. Das System für Unternehmen ist größer und komplizierter und hat folglich eine größere Marge als die individuellen Access Points, die sonst im Angebot sind. Der Wireless Switch integriert dieses System in den Bereich, von dem die Anbieter glauben, dass er ihnen gehört – das Festnetz – und das ist für die Anbieter von Vorteil. Außerdem stellen die Unternehmen den einen Marktbereich dar, der noch immer über Kapital verfügt – so hört man zumindest.

Weitere Beweise gefällig, dass Wi-Fi nicht aufzuhalten ist? Für seine Überlebensfähigkeit, während alle anderen IT-Erscheinungen Bruchlandungen erleben? Wie wäre es denn mit Start-ups? Wo denn, wenn nicht bei Wi-Fi, findet man noch mit Risikokapital finanzierte Start-ups wie z.B. Trapeze? Oder die Gründung neuer Service Provider wie The Cloud, der beabsichtigt, sich über ganz Großbritannien auszudehnen (als gäbe es am dortigen Himmel nicht bereits genügend Wolken)?

Risikokapital-finanzierte, mit großen Namen aus den oberen Etagen der Wirtschaft gezierte Start-ups sind heutzutage eine Seltenheit. Beim Treffen mit Vertretern der Firma Trapeze letzten Monat erschien es fast, als sei die glückliche Zeit der späten Neunziger zurückgekehrt. Im Gegensatz zu allen anderen Ideen aus der IT-Welt scheint die Vorstellung, Wi-Fi erfolgreich bei Unternehmen einzuführen, noch immer interessant genug zu sein, um Venture-Kapital-Firmen zu überzeugen, einen Geschäftsplan mit ihrem Geld zu unterstützen.

Und Neugründungen von Service-Providern sind sogar noch mehr aus der Mode gekommen. Jeder, der an der Eröffnung von Cloud teilnahm, wird wohl ein ähnlich verwirrendes Deja-vu-Erlebnis gehabt haben. Handelt es sich hier um eine Wiederholung der vergangenen DSL-, WAP- oder 3G-Service-Provider-Einführungen? Haben deren Misserfolge denn nicht solchen Unternehmungen den Wind aus den Segeln genommen?

Bei all diesem Rummel ist es nicht einfach, Wi-Fi nicht mit dem gleichen blauäugigen Optimismus zu behandeln, mit dem 3G, web-gestütztes B2C und all die anderen großartigen Entwicklungen in den letzten Jahren begrüßt wurden. Es lohnt sich jedoch, diese Entwicklungen nüchternen Auges zu betrachten.

Sicherlich, es gibt Unterschiede, beweisen diese aber, dass Unternehmen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben? Oder sind dies Unternehmen, die ihre früheren Fehler zwar gern wiederholen würden, jedoch nicht mehr das Geld dafür haben?

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