Tools für Unternehmensplaner: Mehr Bedarf als Angebote

Controller lieben ihre Tabellenkalkulation. Das ist falsch - zumindest, wenn es um Planungen mit Hilfe von Excel & Co geht. Und nicht nur das: Es ist auch in hohem Maße unseriös.

Diesen Eindruck vermittelte die Tagung des Würzburger Business Application Research Center (Barc) in der vergangenen Woche. Hier ging es um Planungs-Tools. 19 Anbieter stellten sich vor.

Rund 90 Prozent aller Spreadsheet-Lösungen haben Fehler. Diese Erkenntnis der Unternehmensberatung KPMG deckt sich mit Erfahrungen, von denen auch die Tagungsteilnehmer berichten, selbst zu einem Großteil Controller. Die Unternehmensberatung The Hacket Group, Atlanta, fand zudem heraus, dass die Planung von Umsatz, Budgets, Investitionen, Risikoabschätzungen völlig ineffizient ist. Für die Verplanung von rund 1 Milliarde Dollar Umsatz etwa werden bis zu 25 000 Personentage benötigt. Im Schnitt dauern Planungen 16 Monate und 80 Prozent der Unternehmen fassen ihre Planungen danach nie wieder an, als ob Ziele und Konditionen sich niemals änderten.

Die Dramatik, die in diesem Missverhältnis steckt, nimmt zu, da die Unternehmen nach wie vor unter erheblichem Druck von Banken und Kapitalmärken stünden, erläutert Barc-Geschäftsführer Carsten Bange. Da zum Beispiel die Banken durch die Basel-II-Vereinbarungen selbst zu einer verschärften Risikoabschätzung gezwungen sind, verlangten sie nun auch von ihrer mittelständischen Klientel Liquiditätspläne, Deckungsbeitragsrechnungen, Investitionsvorschauen und Marktbewertungen.

Nach Angaben der Unternehmensberatung Saubach, Blüm & Co. aus München, nehmen beim Sparkassenverband zwar die traditionellen finanzwirtschaftlichen Analysen zu rund 40 Prozent Einfluss auf das Rating von Firmenkunden. Doch zu 24 Prozent hängt die Bewertung von der Planung und dem Controlling ab und zu 35 Prozent von der Positionierung im Markt und der Wertschöpfung im Unternehmen.

Da kann es bei fehlenden oder fehlerhaften Beleg der wirtschaftlichen Erfolge schon einmal vorkommen, dass auch der langjährige Finanzberater der Hausbank dem persönlich wohlbekannten Unternehmenslenker mit Verweis auf Basel II die bisher immer gewährte Finanzierungsspritze versagt. Solche Geschichten und Ängste kursierten auf der Tagung zuhauf.

Auch die Banken haben offenbar das Planungsdefizit bei ihren mittelständischen Kunden erkannt. Die Bank Austria Creditanstalt, eine Tochter des Finanzkonzerns Hypovereinsbank, hat sich für die Vermarktung ihrer Standardsoftware „Business Planner“ entschieden. Das Augenmerk bei der Gestaltung des Werkzeugs liegt erwartungsgemäß im Finanzcontrolling. Saubach, Blüm und Co. haben gerade für den Sparkassenverband einen Finanzplan für das Bankenrating auf der Basis des „Professional Planner“ gebaut, einem Planungs-Tool von Winterheller Software. Ungeklärt ist lediglich, in welcher Form auch die Kunden die Rating-Anwendung für den eigenen Gebrauch verwenden können sollen.

Standardsoftware, zu welcher der Autor der Barc-Studie „Planungswerkzeuge“ neben den Bankprodukten auch die Software von Macs und Swot einordnet, adressieren generell kleinere mittelständische Unternehmen und Fachabteilungen. Die Anwendungen sollen schnell implementierbar sein und über ein mehr oder minder umfangreiches Set an vorgefertigten Berichten und Algorithmen verfügen. Daneben beherrschen sie mindestens den Import von Daten aus Excel-Tabellen und lassen einfache Soll-Ist-Analysen zu.

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