„Suns Linux für PCs kommt im Sommer“

ZDNet im Gespräch mit Scott McNealys Statthalter in Deutschland, Helmut Wilke, über die Linux-Strategie, die Daten von IDC und das größte Desaster der IT-Industrie, den Itanium-Chip

„Sieben Prozent von Linux wurde von Sun gespendet.“ Im Brustton der Überzeugung erklärt der Deutschland-Chef von Sun Microsystems, Helmut Wilke, im Gespräch mit ZDNet das Linux-Engagement seines Unternehmens als die natürlichste Sache der Welt. „Aktuell besteht das von uns eingesetzte Linux aus einer Red Hat-Distribution, wir arbeiten aber auch an einer Distribution für PCs. Diese trägt den Codenamen „Mad Hatter“ und wird im Sommer kommen. Ob später, mittlerer oder früher Sommer weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, woran es noch hakt, aber auf der CeBIT zeigen wir unseren Geschäftskunden bereits die erste Version.“

Möglicherweise hakt es an den aktuellen atmosphärischen Störungen zwischen Red Hat und Sun. Der Chef des amerikanischen Providers, Matthew Szulik, hatte vor wenigen Tagen im Interview mit ZDNet erklärt: „Wenn Sun eine Linux-Version entwickeln würde, die nicht auf der GPL basiert, würde mich das nicht wundern.“ Wilke kontert: „Wir haben keinerlei Intention, ein proprietäres Linux zu kreieren. Die Ankündigung zu Mad Hatter im vergangenen Jahr war ein Marketing-Fehler, das hat einige Leute verwirrt.“

Tatsache ist aber, dass Sun derzeit sowohl mit Red Hat einerseits als auch Suse und United Linux andererseits über eine engere Partnerschaft verhandelt. „Wir suchen nach einem langfristigen Partner, der sich ganz einbringt“, erläuterte Gerhard Schlabschi, Marketingmanager von Sun und Linux-Experte des Unternehmens. Dass sich Suse bereits eng an den Technology Partner IBM gebunden hat, verbessert deren Chancen nicht, andererseits pflegt Red Hat-Chef nicht die feine Art des Umgangs mit dem potentiellen Partner. Bliebe noch der Umweg über United Linux. „Wir verhandeln“, bestätigte entsprechend die General Managerin von Red Hat, Paula Hunter.

Wen alle Welt von Linux spricht und das Betriebssystem ‚everybody’s darling‘ ist, wieso dann noch Solaris? „Zunächst Mal, der Kunde steht vor der grundsätzlichen Wahl Unix oder Windows. Linux und Solaris sind ja nicht so weit auseinander. Unsere Kunden jedenfalls schwören auf Solaris. Es ist sicherer und robuster als Linux und der Durchsatz ist höher. Linux wurde ja nie für eine hohe Skalierbarkeit ausgelegt“, erläuterte Wilke. „Grundsätzlich sind wir aber unideologisch. Unsere Low End-Maschinen laufen meist mit Linux, unsere High Ends mit Solaris, wir sind da aber entsprechend den Kundenwünschen flexibel.“

Das Standbein im Linux-Segment hat für Sun den strategischen Vorteil, im Server-Markt verloren geglaubten Boden wieder zu gewinnen. IDC hatte erst Anfang des Monats mitgeteilt, dass die Gewinner im Servermarkt IBM und Dell heißen. Sun dagegen habe kontinuierlich Anteile eingebüßt. „IDC poolt bei seinen Datensätzen sämtliche Plattformen – im Unix-Segment sind wir ohne Frage die Nummer eins“, so Wilke. Die Linux-Strategie erweitert also die Zugriffsmöglichkeiten auf den Gesamtmarkt. „Im Low End-Markt werden wir mit Linux einen größeren Gegendruck erzeugen“, zeigte sich der Geschäftsführer überzeugt.

Ungemach könnte aber von ganz anderer Seite drohen: SCO hat erst vor wenigen Tagen Klage gegen IBM eröffnet – Big Blue verletze SCOs Rechte an Unix. Kann Sun das auch passieren? „Nein“, so Wilke, „SCO hat uns bescheinigt, dass wir clean sind. Wir haben keine Rechte verletzt. Nach Auskunft von Schlabschi hat Sun sein Unix zunächst von Berkley, später von AT&T bezogen.

Im Januar hatte Fujitsu in gewisser Weise mit seinem alten Geschäftspartner Sun gebrochen. Das Unternehmen erklärte, künftig zusätzlich zu den Sparc-Chips auch Prozessoren von Inteleinsetzen zu wollen. Sparcs sind Abwandlungen von Suns Ultrasparc-Halbleitern. Zum Ende des kommenden Jahres werde eine neue Serverlinie für Dual- und Multi-Processing mit Xeon-CPUs auf den Markt kommen. „Fujitsu verwirt seine Kunden“, gab Wilke seine Einschätzung der Lage zum Besten. „Der Erfolg von Sun liegt in der historischen Kontinuität und Skalierbarkeit seiner Produkte. Seit 20 Jahren bieten wir dieselbe Plattform an. Fujitsu hat sich nun entschlossen, dies zu durchbrechen und zwei Plattformen anzubieten. Die tun sich damit aber keinen Gefallen.“ Außerdem: „Der Itanium kann sich noch zum größten Disaster in der IT-Industrie bisher entwickeln – bei uns wissen die Kunden dagegen, woran sie sind. Fujitsu hat meiner Meinung nach ein Eigentor geschossen.“

Themenseiten: Business, CeBIT, Messe

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