IT-Deutschland im Vergleich: Die Grundlagen sind da

In Deutschland tragen Informations- und Kommunikationstechnik noch kaum zur Wertschöpfung bei. Doch die Kommunikations-Infrastruktur ist gut und taugt dazu, international aufzuholen.

So lautet ein Fazit der internationalen Vergleichsstudie, die der Branchenverband Bitkom in München vorgestellt hat. „Die große Chance Deutschlands“, so Bernhard Rohleder, vorsitzender Bitkom-Geschäftsführer, „liegt im Zusammenwachsen von Mobilfunk, Breitband und Internet“. Er bezeichnete diese Bereiche als Säulen, die bisher getrennt aufgebaut worden wären, in Zukunft aber ein Fundament für wirtschaftliches Wachstum bildeten.

Tatsächlich klingen die Zahlen beeindruckend: 3,2 Millionen DSL-Anschlüsse gab es zum Ende des vergangenen Jahres, 25 Millionen ISDN-Abschlüsse und 59 Millionen Mobilfunkteilnehmer. „Statistisch gesehen verfügt jeder Opa und jedes Kind über ein Handy“, sagte Rohleder. 70 Prozent der Deutschen nutzen den in Europa entwickelten GSM-Standard. Zudem würde mit Short Message Services (SMS) mehr Umsatz generiert als im gesamten öffentlichen Rundfunk.

Außerdem sind in Deutschland rund 29 Millionen PCs installiert, im Jahr 2003 soll die 30-Millionen-Marke überschritten werden. Damit verfügt jeder zweite deutsche Haushalt über einen eigenen Rechner – Deutschland liegt leicht über dem europäischen Schritt.

Auch die Internet-Nutzung nimmt zu. So soll in diesem Jahr jeder zweite regelmäßig im Web unterwegs sein. Ende 2002 lag die Rate bei 44 Prozent. Somit bildet Deutschland hinter den USA und Japan über den drittgrößten Internet-Markt. Darüber wurden im vergangenen Jahr wurden rund 87,8 Milliarden Euro umgesetzt, fast 90 Prozent im B2B-Umfeld. „Deutschlands Unternehmer und Verbraucher gehören durchaus zu den Vorreitern im elektronischen Geschäftsverkehr“, kommentierte Rohleder.

Dennoch tragen IuK-Systeme in Deutschland nur wenig zum Wirtschaftswachstum bei. Deutschland liegt der Wertschöpfungsanteil sogar mit 0,4 Prozentpunkten auf einem Niveau, das in den USA bereits in den 80er Jahren erreicht worden war. Der Durchschnitt liegt bei 0,9 Punkten.

Um IuK-Technik gezielt nutzen zu können, fehle es an einigen grundlegenden Voraussetzungen, erläutert Rohleder. Zum Beispiel seien zwar 54 Prozent der deutschen Haushalte ans für Funk und Fernsehen ans Kabelnetz angeschlossen. Doch um für die Sprach-Datenkommunikation nutzen zu können, müsse mehr Bandbreite und die Rückkanalfähigkeit her.

„Insbesondere für den Mittelstand ist Breitbandtechnik interessant“, merkte Senior Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester, Charles Homes, an. Denn die Großunternehmen verfügten ohnehin über Standleitungen und zum Teil sogar eigene Netze. Immerhin rechnet der Branchenverband damit, dass ab 2005 der ISDN-Markt gesättigt sein wird und sich DSL-Anschlüsse bis dahin verdoppelt haben.

Als tiefschwarzes Loch in Sachen IuK erweist sich in der Bitkom-Studie vor allem der Bildungssektor. In Grundschulen steht 100 Schülern gerade einmal ein PC mit Internet-Zugang zur Verfügung. Und in den Sekundarschulen müssen sich 14 Schüler einen PC teilen, 25 einen Internet-Zugang. Damit befindet sich Deutschland im europäischen Vergleich auf dem drittletzten Platz vor Portugal und Griechenland.

Auf diese Wiese bilden Länder wie Dänemark IT-Spezialisten heraus, Deutschland lediglich Profis im PC-Spielen. Die gute IT-Ausstattung der Kinderzimmer stehe im krassen Missverhältnis zur Gestaltung der Lern- und Arbeitsplätze. Der Bitkom-Geschäftsführer plädiert dafür, die Anschaffung von Notebooks steuerlich zu vergünstigen. Derzeit sind in Deutschland rund fünf Millionen davon im Einsatz. Die von den Familien angeschafften Geräte könnten die Kinder mit in die Schule nehmen. Solch unkonventionelle Vorschläge machten Sinn, zumal auf die Schulen und damit auf die Länder erhebliche IT-Kosten für die Wartung und Erneuerung der Schulausstattungen zukäme.

Doch auch beim Zugang zu öffentlich nutzbaren PCs und Internet-Angeboten schneidet Deutschland schlecht ab. „Ein einzelnes Arbeitsamt mit beschränkt nutzbarem Angebot, hilft nicht weiter“, krittelte Rohleder.

Als weiteres Beispiel für Löcher im IuK-Netz nannte Rohleder das Gesundheitswesen. Im Krankenhaus werde in jeder Abteilung erneut die Patientendaten abgefragt und erfasst, ein Austausch mit Apotheken niedergelassenen Ärzten und Rettungsorganisationen gibt es nicht. Während in Großbritannien, Schweden und Finnland kaum noch Ärzte ohne Internet-Zugang arbeiten, ist in Deutschland noch über die Hälfte der Allgemeinmediziner offline.

Rohleder weist darauf hin, dass der Bitkom einen Standard entwickelt habe, der die Einführung einer digitalen Gesundheitsakte erlauben würde. Dieser sei vergleichbar mit dem US-Standard Hipaa. „Zumindest ist eine Gesundheitsakte bereits Bestandteil des Koalitionsvertrags“, wusste der Verbandsgeschäftsführer.

Darüber hinaus setzt sich das B2B-Geschäft im Gesundheitswesen nur schleppend durch. Sogar einem Großkrankenhaus wie das Klinikum der Universität München mit immerhin 9000 Mitarbeitern fehlen beispielsweise noch etliche Voraussetzungen, um elektronisch einkaufen zu können.

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