Mini-Tastaturen sind bei Handys bald passé

Wissenschaftler wollen Tastatur bald überflüssig machen; Laser-Keyboard, Sprach- und Gestig-Eingabe sollen helfen

Glauben wir den Worten der Wissenschaftler, so ist der Computer der Zukunft keine graue, surrende Kiste mehr, bei dem die Tastatur das Eingabemedium Nummer eins ist. Schon bald sollen kleiner, mobile Geräte den PC ersetzen. Smartphones, Tablet PCs und Organizer bieten immer mehr Multimedia im Taschenformat. Doch nicht nur die Gehäuse werden kleiner, sondern auch die Tasten der Keyboards. Die Finger dagegen bleiben genauso groß. „Der Mensch ist künftig überall von unsichtbaren Kleinstcomputern umgeben, die mit ihm und untereinander kommunizieren. Doch das wird der Mensch nur akzeptieren, wenn diese Kommunikation mit der Maschine der zwischen Menschen ähnlicher wird,“ zitiert die Zeitung „Die Welt“ Detlef Zühlke, Professor am Zentrum für Mensch-Maschine-Interaktion der Universität Kaiserslautern.

Doch erste Lösungsansätze scheinen in Sicht, wie Tastatur und Maus an neuen Aufgaben anpassen oder sogar ersetzen könnte. „Eingabegräte sind bisher entweder einfach zu bedienen wie etwa normale Tastaturen, oder sie sind mobil einsetzbar wie die Handschrifterkennung bei PDAs. Doch beides in einem gibt es nicht“, sagt Paul Michelson, Sprecher des kalifornischen Unternehmens Canesta.

Er glaubt mit seinem Unternehmen den Mittelweg gefunden zu haben. Ein roter Laser projiziere die Konturen einer Tastatur auf eine beliebige Fläche. Der Lichtstrahl soll die dabei die Bewegung der Finger auf dem virtuellen Keyboard erkennen können. Ein Sensor registriere, welche Felder der Schreibende berühre. Das ganze soll so klein sein, dass es mühelos in Mobiltelefone wie das „Orange SPV“ oder auch die neuen „Tablet PCs“ integrierbar ist. Geht es nach Canesta, werden dann Menschen ihre E-Mails auf den Klapptischen im Zug tippen können wie auf der heimischen Tastatur. Auch Siemens (Börse Frankfurt: SIE) hat das virtuelle Keyboard für Handys und PDAs bereits in der Mache. Noch Ende Mai hieß es, dass es ab Herbst dieses Jahres ein entsprechendes Produkt von VKB über Siemens geben wird. Einen Preis gab das Münchner Unternehmen noch nicht bekannt.

Die Tastatur aus Laserlicht ist jedoch nicht mehr als eine Zwischenlösung, glauben Experten wie Donald Norman, Mitgründer des Beratungsunternehmens für Kommunikationsdesign Nielsen Norman. „Wenn man nicht viel tippen muss, ist es in Ordnung. Keine schlechte Idee, doch eben nur eine für beschränkte Anwendungen.“ Die Eingabegeräte müssen laut Detlef Zühlke menschengerechter werden. Der Mensch kommuniziert immer über mehrere Sinneskanäle.

Geht es ihm nach, so sollen die elektronischen Geräte der Zukunft mehrere Arten von Signalen interpretieren, um ihre Benutzer zu verstehen: Sprache, Gesten und Blickrichtung. Wie so etwas aussehen könnte, sieht Zühlke beispielhaft in US-Prototypen von Leitständen zur Brandbekämpfung realisiert. Dort sieht der Einsatzleiter die Informationen über den Status eines Waldbrandes überlagert von Angaben zu Windstärke und -richtung, Straßennetz und der Position der einzelnen Feuerwehrleute, -fahrzeuge und Löschflugzeuge. Sagt er dann zum Beispiel „zeige mir die Details dieses Löschzuges“, erkennt die Software anhand seines zeigenden Fingers und der Blickrichtung, welchen Wagen er genau meint.

In Ansätzen existieren all diese Schnittstellen bereits. Spracherkennungsprogramme wie IBMs „Viavoice“ oder Dragons „Naturally Speaking“ verstehen bislang natürlich gesprochene Sätze nicht ohne weiteres. Das richtige Diktieren muss man lernen, ähnlich wie das Tippen. Auch sei die Leistung der Programme noch immer abhängig von Hintergrundgeräuschen und der Verfassung der Sprechenden. „Aber die Fortschritte in der Spracherkennung natürlicher Sprache sind so groß, dass wir bald auch an das Verstehen des Gesprochenen herangehen können“, prognostiziert Zühlke.

Ziel des „Natural Language Processing“ (NLP), das seit Jahrzehnten der Informatiker Doug Lenat vorantreibt ist es, dass Computer nicht nur Schall in Buchstaben übersetzten, sondern auch den Sinn verstehen können. Lenat entwickelt dazu seit 1984 eine Datenbank mit Allgemeinwissen. Die speichert zum Beispiel, dass Wasser nass ist. Eine Million solcher Aussagen kann ein Computer mit Lenats Datenbank treffen.

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