Trotz umstrittenem Lizenzmodell: Jetzt zu Windows XP wechseln

Als Microsoft Windows XP einführte, waren die meisten Kunden dazu noch nicht bereit - viele von ihnen hatten eben erst die letzten Probleme mit Windows 2000 ausgeräumt.

Dazu kam das umstrittene neue Lizenzprogramm von Microsoft. Dennoch sollte man XP noch nicht abschreiben. Nun, ein Jahr später, ist es an der Zeit, XP den ihm gebührenden Platz einzuräumen.

Man kann sich zwar über das neue Lizenzmodell aus Redmond mit seinen festen Verkaufsvorgaben streiten, doch bietet XP letzten Endes trotz seiner Konzeption als stufenweiser OS-Upgrade eine Reihe neuer Features, die für IT-Leiter mehr denn je äußerst attraktiv sind. Nach der heftigen Diskussion um das neue Lizenzprogramm haben viele Kunden jedoch falsche Vorstellungen von XP, sowohl in finanzieller als auch in technischer Hinsicht.

Zunächst einmal gilt es, einige irrige Ansichten über das Lizenzmodell auszuräumen. Kürzlich sagte bei einer Besprechung ein Kunde zu mir, dass die Käufer von XP gezwungen seien, alle zwei Jahre einen neuen OS-Upgrade durchzuführen. Dies trifft nicht zu. Die Lizenzbestimmungen sehen lediglich vor, dass Unternehmensrabatte maximal zwei Jahre lang eingeräumt werden. Und selbst dann muss nicht zwangsläufig ein Upgrade der gesamten ursprünglich erworbenen Software durchgeführt werden, um weiterhin Rabatte zu erhalten.

Offen gesagt, planen die meisten meiner Kunden entweder jeweils den Kauf einer bestimmten Anzahl neuer Lizenzen, oder sie veranschlagen eine Nutzungsdauer von drei bis vier Jahren, bevor wieder ein Upgrade durchgeführt wird. In jedem Fall werden ROI und TCO über einen längeren Zeitraum berechnet. Wenn Redmond also zur Förderung von Neukäufen seine Rabatte kürzt, werden die Unternehmen einfach entsprechend seltener ihre Systeme erneuern, um so den Wegfall der Rabatte auszugleichen. Die Vorstellung, dass im neuen Lizenzmodell der Erwerb von Upgrades automatisch erfolgt, ist schlichtweg falsch – die Nutzung der Upgrades ist in jeder der angebotenen Lizenzen stets freiwillig.

Technischer Vorsprung
Wenn dieser Punkt erst einmal geklärt ist, können sich die IT-Leiter in ihrer Entscheidung bezüglich des XP-Upgrades mehr auf dessen technischen Aspekte konzentrieren. Im Zuge eines vor kurzem abgeschlossenen Upgrade-Projekts für eine New Yorker Immobilien- und Grundstücksverwaltungsfirma hatte ich zunächst Windows 2000 Professional im Auge. Doch dann gaben die zusätzlichen Features von XP Pro den Ausschlag zu dessen Gunsten. Schon allein die integrierten Terminal Services oder das Remote Desktop überzeugten mich. Mit ihnen wird der Traum jedes Systemmanagers wahr: uneingeschränkte Zugangs- und Kontrollfunktionen in jedem Client ohne zusätzliche Kosten. Und was die Performance anbelangt, verblassen sogar bei entferntem Einwahlzugriff die Lösungen von Drittanbietern im Vergleich.

Während Windows 2000 eher bescheidene Recovery-Tools bietet, liefert XP mit der Wiederherstellungsfunktion System Restore in diesem Bereich eine entscheidende Verbesserung. In Verbindung mit einer Software wie Symantec Ghost ermöglicht dieses Feature die problemlose Auswahl zwischen verschiedenen Konfigurationszuständen eines Desktoprechners – bzw. im Falle schwer wiegender Probleme die Rückkehr zur einer Basiskonfiguration. Da für das Projekt zur Grundstücksverwaltung sowohl interne als auch externe Sicherheitsfunktionen erforderlich waren, erschien mir in diesem Zusammenhang die in XP verfügbare Verbindung aus verschlüsseltem Dateisystem und granularen Zugangskontrollen auf Benutzerebene ideal. Wir kombinierten diese Features mit Desktop- und Benutzer-Policies aus dem Active Directory, um so eine gut durchdachte und solide interne Sicherheitsstruktur zu erstellen. Dabei waren wir sogar in der Lage, mithilfe von AD bestimmte, derzeit noch nicht unterstützte XP Desktop-Features für die Benutzer zu sperren (z.B. integrierte mobile Clients), die eventuell zu einem späteren Zeitpunkt freigegeben werden sollen.

Natürlich steigen auf diese Weise die Kosten. Doch dafür ergeben die höhere Stabilität von Windows XP Pro, seine verbesserten Systemverwaltungsstrukturen und die Unterstützung von neuen Schnittstellen wie IEEE 1394 und 802.11 letztlich eine längere Systemlebensdauer, als mit Windows 2000 erreichbar wäre. Da die Lizenzpolitik von Microsoft dessen Kunden dazu zwingt, XP länger als zwei Jahre zu nutzen, ist ein Upgrade jetzt wirklich lohnend.

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