Microsoft erneut vor Gericht: Sun will Umgang mit Java klären

Neuerlicher Kartellprozess wegen dem Einsatz der JVM in Windows XP kommt ins Rollen

Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) hat seine juristischen Probleme längst noch nicht ausgestanden. Heute muss sich der Redmonder Konzern wieder einmal den Anfeindungen seines Erzrivalen Sun (Börse Frankfurt: SSY) stellen. Die Firma von Scott McNealy hatte im März dieses Jahres eine neuerliche Kartellklage gegen Microsoft eingereicht. Dieses Verfahren wird heute wieder aufgenommen.

US-Bezirksrichter Frederick Motz, ein alter Bekannter von Microsoft, hat er doch bereits die Privatklagen gegen den Konzern verhandelt, wird in Baltimore drei bis vier Tage lang Aussagen entgegen nehmen. Sun wird mit Rich Green, hauseigener Vice President, Rick Ross, Gründer der Java Lobby und Dennis Carlton, Wirtschaftsprofessor von der University of Chicago voraussichtlich drei Zeugen auffahren. Diese sollen Aussagen von jeweils 45 Minuten Länge machen. Microsoft dagegen wird zum Ende der Woche Chris Jones, Vice President der Windows Client Group von Microsoft sowie den XML-Experten Andrew Layman ins Rennen schicken.

Die Frage ist, ob Microsoft die plattformunabhängige Programmiersprache Java beziehungsweise die Java Virtual Machine regelgerecht in Windows XP integriert hat – oder ob es sich vielmehr schuldig des Lizenzmissbrauches gemacht hat. Bekanntlich war in der ursprünglichen Fassung von Windows XP keine JVM enthalten.

Erst mit dem im Herbst veröffentlichten Service Pack 1 für Windows XP hatte Microsoft die neuerliche Unterstützung für Java integriert. Laut dem Chef der Windows-Abteilung bei Microsoft, Jim Cullinan, wurde die 1997 geschriebene und auf Java 1.1.4 basierende hauseigene JVM implementiert. Sun dagegen fordert seit langem, dass Microsoft die weitaus modernere Variante 1.4 unterstützt. Die Firma von Scott McNealy bietet daher eine eigene JVM für Windows zum kostenlosen Download an.

„Wenn es Microsoft tatsächlich um die Befriedigung von Kunden- und Entwicklerwünschen ginge, dann würden sie eine aktuelle und vollständige Java-Software anbieten. Es handelt sich jedoch um eine altbackene und inkompatible Version“, erklärte der ewige Microsoft-Rivale.

Sun hatte im März angekündigt, es werde aus diesen Gründen Kartellrechtsklage gegen Microsoft erheben und eine Milliarde Dollar (1,14 Milliarden Euro) Schadenersatz für wettbewerbsschädliches Verhalten fordern. Das Unternehmen sieht sich nach eigenen Angaben durch die Urteile im vergangenen Jahr aus dem Kartellrechtsprozess gegen Microsoft ermutigt. Damals wurde der Vorwurf des Monopolmissbrauchs bestätigt.

Mit der Klage gegen Microsofts Umgang mit der plattformunabhängigen Programmiersprache Java nimmt McNealy den Faden wieder auf, den er vor eineinhalb Jahren hat fallen lassen: Damals legten die beiden Kontrahenten einen ersten, sich über Jahre hinziehenden Java-Streit zunächst bei: Microsoft hatte die Plattform in Lizenz genommen, wandelte sie jedoch derart ab, dass sie nur noch mit dem Betriebssystem Windows kompatibel war. Beide Unternehmen einigten sich seinerzeit darauf, dass Microsoft 20 Millionen Dollar an Sun zahlte und die eigene Java-Version weitere sieben Jahre verwenden durfte.

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