Medientage München: Von Aufbruch nichts zu spüren

Neben der ITK-Industrie leidet die Medienbranche am meisten unter der Krise

Von Aufbruchstimmung war auf den Medientagen in München in der vergangenen Woche – trotz einiger sehr interessanten Beiträge, über die ZDNet berichtete – wenig zu spüren. Verhalten war die Stimmung, daran konnte auch der eloquente und bei Podiumsdiskussionen eingesetzte „Focus“-Chefredakteur Helmut Markwort nicht viel ändern.

Noch vor einem Jahr habe niemand damit gerechnet, dass es im Jahr 2002 noch schlimmer komme als im Krisenjahr 2001, beschreibt Dirk Refäuter, Sprecher der Geschäftsführung des kräftig in die Schlagzeilen geratenen Süddeutschen Verlags, die Stimmung in Deutschlands Verlagshäusern. Den Anbietern brechen im zweiten Jahr in Folge die Anzeigen weg.

Während der Boomjahre 1999 und 2000 haben die Verlage dazugekauft und immense Summen ins Internet investiert. Dann kam der Absturz. Konsolidierung und Konzentration aufs Kerngeschäft, lautet seit über einem Jahr die Losung. Die Branche muss sich wohl auf ein niedrigeres Umsatzniveau einstellen, Strukturen für geringere Kosten etablieren, und darf dann erst wieder auf Gewinne hoffen.

Die Strategie beim Axel Springer Verlag lautet „Überwintern“ – mit geringen Mitteln soll alles am Laufen gehalten und nach Refinanzierungsmöglichkeiten Ausschau gehalten werden. Zugleich hofft man, dass die Tage der „Umsonstmentalität“ gezählt sind – allerdings nur für „intelligente Inhalte“, so der Springer-Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner. Aus diesem Grund hat man wohl seit diesem Monat bei bild.de auf ein kostenpflichtiges Modell umgestellt. Für fünf Euro im Monat kann der Surfer bei Bild.de eine monatliche VIP-Clubmitgliedschaft erwerben. Focus-Frontmann Markwort dagegen hoffte auf noch einfacher zu handhabende Bezahlsysteme.

Veranstalter der Medientage München sind die DVB Multimedia Bayern GmbH und Goto Bavaria, die Agentur des Freistaates Bayern für Medien, Informations- und Kommunikationstechnik. Die Messe wurde unterstützt von der Bayerischen Staatskanzlei und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

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