XML 1.1 nicht rückkompatibel zu XML 1.0

Aufschrei in der Entwicklergemeinde: W3C stellt Kandidaten vor, der in erster Linie IBM nützt

Das World Wide Web Consortium (W3C) hat XML 1.1 – Codename XML Blueberry – als Vorschlagskandidat vorgestellt. Das ist die vorletzte Stufe zur Verabschiedung als allgemein gültiger Standard. Anwender und Experten warnen jedoch: Extensible Markup Language 1.1 wird nicht rückkompatibel zu XML 1.0 sein, und die Verantwortung dafür trage alleine IBM (Börse Frankfurt: IBM).

Die vermutlich bedeutendste Veränderung beim Schritt von Version 1.0 zu 1.1 ist der Umgang mit Unicode, ein Standard für die Umsetzung von Satzzeichen und Buchstaben in Computercode verantwortlich ist. Konkret geht es um ein Satzzeichen, dass bei IBM Mainframes für den Zeilenumbruch verantwortlich ist. XML 1.0 würde bei dem Zeichen versagen, Version 1.1 könnte es dagegen erkennen.

Kritiker werfen IBM vor, das W3C in seinem Sinne beeinflusst zu haben. In einem Eintrag auf der XML-Newssite Cafe con Leche ist folgender Diskussionsbetrag zu lesen: „Es gibt immer noch offene Fragen über die Versuche von IBM, Standardisierungsgremien zu beeinflussen. Dies ist eine davon. Anstelle ihre kaputte Mainframe-Text Editing-Software zu reparieren, wollen sie den Rest dieses Planeten zur Änderung ihrer Software veranlassen. Hauptsache sie müssen es nicht machen.“

IBM wehrt sich mittlerweile öffentlich gegen die Vorwürfe. „Die Vorstellung, IBM würde mit Macht die Änderung dieses Standards durch die W3C betreiben, ist weder fair noch zutreffend“, erklärte Steve Holbrook, Chef der E-Business Standards Group innerhalb von IBM. „Bei dem Problem handelt es sich nur um eine Untermenge der bestehenden Unfähigkeit von XML, mit Unicode korrekt zu verfahren… Natürlich betrifft uns dieses Problem am meisten.“ Nach Angaben von Holbrook kann XML 1.0 nur deswegen nicht mit dem fraglichen Umbruch-Zeichen umgehen, weil IBM nicht Mitglied der ursprünglichen XML Working Group war. Nun aber hätte die Mehrzahl der stimmberechtigten Unternehmen dem Vorschlag von IBM zugestimmt.

Die Meinungen der Analysten gehen auseinander, Ronald Schmelzer von Zap Think halt die Überarbeitung von XYML in der vorgestellten Form jedoch für sinnvoll: „Die Wahrheit ist doch, dass da draußen eine Menge IBM-Mainframes im Einsatz sind, und die sind sehr wichtig. Die Wahrheit ist auch, dass es nicht um den Vorteil von IBM sondern den der Kunden von IBM geht. Ich denke, das ist fair.“ Das W3C nimmt Kommentare zu XML 1.1 noch bis Mitte Februar 2003 entgegen.

Extensible Markup Language ist ein Standard für Meta-Daten, der Zugriff auf die XML-Objekte erfolgt über SOAP. Der entscheidende Vorteil von XML gegenüber der herkömmlichen Hypertext Markup Language (HTML) ist seine Flexibilität. Mit XML kann sich jeder Web-Designer seine eigenen Tags (Anweisungen im Quellcode) definieren, was Browser-spezifische Erweiterungen obsolet macht. Selbst Funktionen, die bisher nur durch Scripts und Applets zu erzielen waren, lassen sich in XML einfach als Tag deklarieren.

Kontakt: IBM, Tel.: 0511/226290 (günstigsten Tarif anzeigen)

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1 Kommentar zu XML 1.1 nicht rückkompatibel zu XML 1.0

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  • Am 22. Oktober 2002 um 13:27 von Heiko Kahmann

    Ohne Abwaertzkompatiblität enstehen grosse Kosten für alle Unternehmen
    Ich wuerde nicht propriären Ideen

    von einzelnen Unternehmen unterstuetzen, nur um deren Fehler in der Software von hinten rum zu verbessern. Dafuer die Abwaertzkompatiblitaet zu opfern ist ein starkes Stueck. Bin ich nicht mit Einverstanden.

    Beispiel:

    Die Daten zu unserem Fachbereich Informatik der Freien Universotät Berlin liegen saemtlichst in XML 1.0

    Version vor. Diese muessten transformiert werden, was mit sehr grossen Kosten verbunden ist.

    So wird es Unternehmen entsprechend gehen.

    Also: Ganz schlecht

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