Systems 2002: Experten sehen Zukunft für bezahlten Content im Web

Inhalte müssen jedoch auf User zugeschnitten, hochwertig und leicht bezahlbar sein; Finanztest macht über 25.000 Euro pro Monat mit Paid Content

Vorsichtiger Optimismus herrschte auf der Systems beim „VIP-Panel zum Thema Paid Content“. Kostenpflichtige Inhalte und Services im Web seien kein Traum mehr, sondern bereits Realität, erklärten die Experten im Forum E-Commerce am heutigen Mittwoch. Allerdings müssten die Angebote genau auf den User zugeschnitten sein und eindeutigen Mehrwert bringen – nur dann sei dieser auch bereit, zu zahlen.

„Mehr als 25.000 Euro pro Monat nehmen wir durch den kostenpflichtigen Download unserer Artikel im Web ein“, erklärte beispielsweise der Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen. Interessant sei, dass auch ein Jahre alte Artikel unter den Top fünf lägen. Hierin sieht der Journalist eine der wichtigsten Voraussetzungen für kostenpflichtige Inhalte: Ein User möchte jetzt die Infos haben, weil eine Kaufentscheidung ansteht. Wenn er die Hefte nicht archiviert hat oder kein ganzes Magazin bestellen will, kommen ihm die Einzelartikel entgegen. Die Stiftung Warentest ist seit 1997 im Web und verlangt für ausgewählte Artikel seit dem letzten Jahr auch Geld.

Alexander von Rabnitz vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger verwies auf die USA, wo bereits im ersten Quartal 2001 rund 300 Millionen Dollar mit Paid Content im Web verdient worden seien. Er rechnet damit, dass auch dieser Trend mit einiger zeitlicher Verzögerung über den Atlantik schwappen und beim deutschen Surfer Fuß fassen wird. Rund 85 Prozent der Einnahmen entfielen dabei auf Abo-Modelle, pay-per-Click sei wenig gefragt. Diese Äußerung stieß naturgemäß auf deutlichen Widerspruch bei Norbert Stangl, dem Vorstandsvorsitzenden von Firstgate.

Seine Firma bietet eben jenes Bezahlmodell an, bei dem Surfer für einen Artikel, also pro Klick, kleinste Beträge zahlen können. Er sieht bereits des Ende des frei verfügbaren, hochwertigen Contents im Web. Dieser sei aus dem Börsenhype Ende der 90er Jahre entstanden, als an den Aktienmärkten Geld gesammelt wurde, um Inhalte und Services gratis im Web anzubieten. Mit dem Ende des Börsenbooms sei auch das Geschäftsmodell des rein werbefinanzierten Internet am Ende.

Einig waren sich die Teilnehmer der Diskussion darin, dass sich die Surfer erst an einheitliche und sichere Zahlsysteme im Web gewöhnen müssten. So berichtete der Geschäftsführer von Autoscout24, Peter Schmid, von Surfern, die kostenpflichtige Services seiner Firma durch das Zusenden von Briefmarken oder Bargeld begleichen wollten. Erst wenn der User Gewissheit darüber habe, dass seine Daten nicht ohne seine Einwilligung weiter gegeben werden und das Zahlsystem sicher und bequem sei, könne mit Content und Services im Web richtig Geld verdient werden.

Dass Zahlsysteme vor allem einfach sein müsste forderte auch der Leiter des T-Online Portals, Guido Weishaupt: Mit jedem zusätzlichen Klick gingen potzenzielle Kunden verloren, die eigentlich zur Zahlung bereit gewesen wären. Im Idealfall dürfe der Bezahlvorgang nur einen Klick lang dauern.

Fazit der einstündigen Diskussion: Auch in Deutschland könnte mit Content im Web Geld verdient werden. Inhalte müssten dafür aber einen klaren Nutzwert haben, auf den User zugeschnitten und leicht bezahlbar sein. Allerdings würden sich Sites auch in Zukunft zu mindestens einem Drittel aus Werbung finanzieren. Zumindest die Zuversicht, dass sich bald mehr Geld im Web verdienen lässt, war bei der Diskussion auf der Systems größer als bei einem vergleichbaren Streitgespräch auf der CeBIT vor sieben Monaten.

Themenseiten: Business, Telekommunikation

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