Systems 2002: Bitkom fordert „Masterplan E-Government“

Verband plädiert für einen digitalen Ausweis, die auch als Telefon- und Geldkarte dient

„Wir müssen hier in Deutschland Standards schaffen, die in der Welt Gültigkeit haben“ – mit diesen Worten hat der Vizepräsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), Willi Berchtold, auf der Systems in München einen „Masterplan E-Government“ für die Bundesrepublik gefordert. Man dürfe nicht zusehen und warten, bis alle anderen Staaten dies für sich verwirklicht hätten, sondern müsse selber Maßstäbe setzen.

Auch wenn die Zeiten schwierig seien, müssten gerade jetzt Investitionen ins E-Government getätigt werden. Zwar müssten, beispielsweise für Terminals in öffentlichen Gebäuden, erst einmal 600 Millionen Euro von der öffentlichen Hand ausgegeben werden. Danach seien aber Einsparungen für den Staat in Höhe von 1,2 Milliarden Euro jährlich zu erwarten. Zum Vergleich: Das Projekt „Bund Online 2005“ rechnet mit 400 Millionen Euro Gewinn für den Staat pro Jahr.

Zentraler Bestandteil der Bitkom-Forderungen ist eine „Bürgerkarte“, auf der elektronische Signatur, biometrische Merkmale, Ausweis, Geldkarte, Telefonkarte und „Gesundheitskarte“ vereint sind. Datenschutzprobleme sieht der Verband nicht, da beispielsweise bei der Gesundheitskarte nur der Patient und der jeweilige Arzt Einblick in die Krankengeschichte und Behandlungsmethoden hätten. Berchtold bezeichnete die digitale Signatur als einen „Quantensprung in der Geschichte der Menschheit“. Nun müsse die technologische Errungenschaft nur noch gewinnbringend für Staat und Bürger eingesetzt werden.

Der Verband lobte die zahlreichen Pilotversuche zum Thema E-Government, mahnte aber zugleich einheitliche Standards an. Eine gemeinsame IT-Infrastruktur hätte den Vorteil, dass die Dienstleistungen der öffentlichen Hand flexibler und schneller angeboten werden könnten. Außerdem würde der Service verbessert sowie die Kosten für Behörden, Bürger und Unternehmen gesenkt: „In Deutschland gibt es zurzeit einen Flickenteppich unterschiedlicher Initiativen. Wir brauchen E-Government aus einem Guss, einen einheitlichen Ansatz, der alle Verwaltungsebenen einbindet“, forderte Berchtold. Für den Bürger dürfe es keinen Unterschied machen, ob er Leistungen der Kommune oder des Bundes nutzt. Und „nicht jede Kommune muss das Rad neu erfinden“.

Ein digitaler Ausweis würde in Deutschland den Bürgern einen zuverlässigen, sicheren und bequemen Zugang zu jeder Art elektronischer Dienstleistung im geschäftlichen wie auch im öffentlichen Bereich ermöglichen. Mit dem Einsatz dieser Bürgerkarte und einer flächendeckenden einheitlichen IT-Infrastruktur könne Deutschland auch international am Ball bleiben. Und auf diese Weise eine „aktive Rolle bei der Etablierung internationaler Standards spielen“.

Der Verband zeigt auf der Systems in München (14. bis 18. Oktober 2002) Basistechnologien für die neuen Anwendungen. Auf dem Stand in Halle B1 (Standnummer 100-326) sind unter anderem allgemeine Grundkomponenten der elektronischen Unterschrift zu sehen, die digitale Signatur in Verbindung mit Unterschriften-Erkennungssystemen, die elektronische Unterschrift auf Papier, die klassische Signatur im Einsatz sowie die elektronische Steuererklärung (ELSTER).

Kontakt: Bitkom, Tel.: 030/275760 (günstigsten Tarif anzeigen)

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1 Kommentar zu Systems 2002: Bitkom fordert „Masterplan E-Government“

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  • Am 15. Oktober 2002 um 20:03 von Georg Brunner

    Masterplan E-Government
    Grundsätzlich ist es sinnvoll, Ordnung in das Kartenchaos, dass jeder schon mit sich herumträgt, zu bringen. Das Problem des Datenschutzes ist hier jedoch sehr kritisch, da auf dieser Karte wirklich alle Informationen sind, die einen Menschen betreffen. Ich bin mir sicher, dass die Daten der Karte von jedermann, der genug kriminelle Energie hat, ausgelesen werden können. Dies führt für denjenigen, der Eigentümer der Karte ist, unter Umständen zu großen Nachteilen.

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