Netscape darf der Spionage angeklagt werden

Berufungsgericht entscheidet zu Gunsten von Privacy-Organisationen

Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlen langsam, aber sie mahlen: Über ein Jahr nach der Zulassung der Klage durch den New Yorker Bezirksrichter Alvin Hellerstein hat auch das Berufungsgericht verschiedenen Privacy-Organisationen Recht gegeben. Diese waren wegen der mittlerweile längst eingestellten „Smartdownload“-Funktion von Netscape vor den Kadi gezogen. Das Tool wurde zum Herunterladen von Dateien aus dem Netz angeboten.

Die Kläger warfen Netscape vor, den File-Transfer zwischen der Site und dem User zu überwachen. Netscape beziehungsweise das Mutterunternehmen AOL (Börse Frankfurt: AOL) argumentierte, dass die Anwender Nutzungsverträge unterzeichnet hätten, in denen das Überwachungs-Feature ausgewiesen wurde.

Sowohl Richter Hellerstein als auch das Berufungsgericht befanden die „Verträge“ aber für nicht gültig und machte damit den Weg für eine endgültige Entscheidung. Den betreffenden Personen wurde während des Downloads lediglich die Aufforderung eingeblendet, die Lizenz zu lesen. Es gab keine Möglichkeit, den Lesevorgang zu bestätigen oder abzulehnen.

Wie von ZDNet erstmals im Sommer 2000 berichtet, hatte die Kanzlei Abbey, Gardy & Squitieri im Namen von Christopher Specht das Bezirksgericht von Süd-New York wegen Verstoß gegen die US-Datenschutzgesetze angerufen. Netscape beziehungsweise AOL wird vorgeworfen, dass sie die Downloads ihrer Kunden mitprotokollieren. Zudem sei es möglich, über einen für jede Version personalisierten Cookie in der Software den User zu identifizieren.

In der Klageschrift wird beschrieben, wie das Smartdownload-Programm heimlich alle Downloads von „.exe“- und „.zip“-Files mitprotokolliert. Specht wirft Netscape weiterhin vor, alle Informationen über die Downloads an den eigenen Server weiterzuleiten. „Netscape benutzt Smartdownload zum schnüffeln“, wurde der Kläger Specht zitiert. „Sie benutzen die Software um an einer Kommunikation teilzuhaben, die sie nichts angeht.“

In den USA liegen Gesetze zum Datenschutz im Internet kaum vor, es müssen entsprechend dem angelsächsischen Rechtssystem immer erst Präzedenzfälle geschaffen werden. Nur so kann festgestellt werden, was erlaubt ist und was nicht.

Kontakt: AOL, Tel.: 040/361590 (günstigsten Tarif anzeigen)

Themenseiten: Business

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Netscape darf der Spionage angeklagt werden

Kommentar hinzufügen
  • Am 2. Oktober 2002 um 18:10 von Wolfgang Husmann

    netscape spioniert(e) Kunden aus
    Die Richter müssen aus Gründen des Datenschutzes Netscape das Handwerk legen. Bisher war ich der irrigen Auffassung, Netscape sei "sauber".

  • Am 2. Oktober 2002 um 20:49 von Ich

    Netscape spionierte… M$ macht es immer noch
    Netscape spionierte… nicht schön.<br />
    Aber M$ tut es immer noch…<br />
    ob es nun die Windows-Update-Funktionen sind oder Hailstorm (.NET).<br />
    <br />
    Und das ganze geduldet von der Justiz!<br />
    Wahrscheinlich hat M$ einfach die bessere Portokasse…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *