Paris: Bruch France Télécom mit Mobilcom unumgänglich

EU verlangt von Berlin Auskunft zu geplanten Hilfen

Die Pariser Regierung hat den deutschen Hoffnungen auf eine Wiederannäherung der Telefonkonzerne France Télécom und Mobilcom (Börse Frankfurt: MOB) eine Absage erteilt: Die Entscheidung der halbstaatlichen France Télécom zum Bruch mit dem norddeutschen Partner sei „leider unausweichlich“, sagte die französische Industrieministerin Nicole Fontaine. Bei France Télécom hält der Staat noch mit rund 55 Prozent die Mehrheit. Unterdessen besteht die EU-Kommission in Brüssel auf einer Überprüfung der geplanten Hilfen für Mobilcom.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte Paris am Montag gedrängt, France Télécom zu einem weiteren Engagement bei Mobilcom zu bewegen. Auf dieser Annahme basiert der am Sonntag vereinbarte Rettungsplan der Bundesregierung, der Mobilcom einen Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Mit dem Rettungspaket könnte die Insolvenz von Mobilcom nach dem am vergangenen Donnerstag angekündigten Rückzug France Télécom zunächst abgewendet werden. France Télécom hält 28,5 Prozent an Mobilcom.

Das Bundeswirtschaftsministerium zeigte sich unbeeindruckt von der Nachricht aus Paris. Ungeachtet des Ausstiegs von France Télécom seien die „rechtlichen Verpflichtungen eindeutig“, sagte ein Sprecher in Berlin. Die finanziellen Zusagen der Franzosen gegenüber Mobilcom beliefen sich auf 18 Milliarden Euro. „Wir werden den deutschen Behörden bald ein Auskunftsersuchen überstellen“, sagte ein Kommissions-Sprecher in Brüssel. Noch sei unklar, ob es sich bei den geplanten Rettungskrediten um staatliches Engagement oder einen marktüblichen Kredit handele. Das müsse nun geklärt werden.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bekräftigte in Berlin, Brüssel werde in jedem Fall informiert. Es habe bereits ein erster informeller Austausch stattgefunden, sagte er. Wie die wegen Milliardenschulden ins Schleudern geratene France Télécom wieder auf Kurs gebracht werden soll, steht unterdessen weiterhin nicht fest. Für France Télécom werde es ein „wahrscheinlich“ ein ganzes Lösungspaket des französischen Staates geben, sagte Fontaine; eine einzelne Maßnahme reiche nicht aus. Ob dieser Plan eine Kapitalerhöhung und einen staatlich garantierten Kredit enthalten werde, solle zusammen mit der neuen Firmenleitung festgelegt werden.

Kontakt: Mobilcom, Tel.: 04331/6900 (günstigsten Tarif anzeigen)

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1 Kommentar zu Paris: Bruch France Télécom mit Mobilcom unumgänglich

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  • Am 17. September 2002 um 14:06 von Jürgen Schlenker

    Gesetze der Markwirtschaft sollten weitergelten
    Auch im Fall von Mobilcom sollten grundsätzlich die Gesetze der Marktwirtschaft weitergelten, d. h. Staatshilfen sind abzulehnen und die France Telekom ist in die Pflicht zu nehmen, wenn dies die Verträge zulassen. Da sowieso zu erwarten ist, dass noch ein oder zwei UMTS-Anbieter sterben sollte man dieses Sterben nicht unnötig verzögern. Eine saubere Insolvenz mit einer Nachfolgefirma die die überlebensfähigen Teile von Mobilcom weiterbetreibt wäre wohl am sinnvollsten. Ein stattlicher Kredit ist evtl. als Überbrückungskredit machbar wenn mit größter Wahrscheinlichkeit die vertragliche Situation so ist, dass FT die Kosten des UMTS-Ausbaus mittragen muss. Der Sinn der Kredits ist es dann die Mobilcom für die Dauer des Prozesses zu stützen.

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