Es riecht nach Krieg zwischen SAP und Microsoft

Deutsches Softwarehaus präsentiert in Lissabon Lösungen, die dem Expansionsdrang von Gates und Ballmer Einhalt gebieten sollen

Morgen eröffnet SAP (Börse Frankfurt: SAP) in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon seine jährlich stattfindende internationale E-Business-Konferenz Sapphire. Bis zum 6. September präsentiert der weltweit drittgrößte Softwarehersteller Unternehmenslösungen und deren Einsatz in der Praxis. Die 7000 erwarteten Besucher können vermutlich den Beginn einer weitreichenden Auseinandersetzung mit der weltweiten Nummer eins im Softwarebereich verfolgen: mit Microsoft (Börse Frankfurt: MSF).

In angekündigten Vorträgen wollen SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann und Mitbegründer Hasso Plattner auf Neuerungen bei SAP-Lösungen eingehen. Themenschwerpunkte seien Weiterentwicklungen bei Enterprise Resource Planning (ERP)-Systemen und im Applikationsmanagement, neue systemübergreifende Anwendungen, Neuentwicklungen im Customer Relationship Management (CRM) sowie das SAP-Angebot für den Mittelstand „Business One“. Letzteres soll im Oktober auf den Markt kommen und hat „zufällig“ die selbe Zielgruppe wie die Produkte von Navision. Im Juni hatte das Bundeskartellamt die Übernahme des dänischen Unternehmens Navision Damgaard durch Microsoft gebilligt. Der Erwerb verhelfe dem Softwarekonzern zu keiner beherrschenden Stellung im Markt für Enterprise Resources Planning (ERP) – die hat nämlich eher SAP inne.

Einen Monat später hatte Microsoft darüber hinaus angekündigt, den Markt für Customer Relationship Management (CRM) angehen zu wollen (ZDNet berichtete). Der in den USA sonst Firmen wie Frontrange Solutions, Interact Commerce oder Salesforce.com vorbehaltene Bereich soll mit zwei Modulen aufgerollt werden: Eines für Verkaufspersonal und eines für Kundenbetreuer.

Die CRM-Software spiele via .Net mit bekannten Microsoft-Produkten wie Internet Explorer und Outlook zusammen und kostet zwischen 395 und 1295 Dollar pro Arbeitsplatz, so David Thacher, General Manager für Microsofts CRM. Als Zielgruppe habe man sich Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern ausgeguckt. Erscheinen soll die CRM-Suite noch dieses Jahr. Thacher hielt den Ball flach und wollte Microsoft nicht als Konkurrenz zu SAP oder Oracle (Börse Frankfurt: ORC) verstanden wissen – trotz identischer Zielgruppe.

Unzweideutig ist jedoch, dass sich die beiden Softwaregroßmächte zunehmend feindlich gegenüber stehen: Bereits im Herbst vergangenen Jahren hatte sich der größte deutsche Softwarekonzern dem Werben von Microsoft widersetzt: Plattner will SAP-Software in Zukunft auf Grundlage der Java 2 Enterprise Edition (J2EE) erstellen und geht damit auf Distanz zu Microsofts Konkurrenzprojekt .Net (ZDNet berichtete). Die Sapphire könnte sich somit im Nachhinein als Initialzündung für eine neue, stürmische Ära herausstellen.

Die Konferenz dient eigentlich als Informationsplattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Anwenderfirmen, Beratungsunternehmen, Branchen-Spezialisten und Experten der SAP. Gezeigt wird unter anderem IT-Lösungen der SAP-Kunden Audi, Barclays Bank, British Airways, Cadbury Schweppes, Lego, Novo Nordisk, Porsche, Poste Italiane, Shell, Sony Europa (Börse Frankfurt: SON1), Unilever sowie Volkswagen Financial Services.

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