Corel zielt auf unzufriedene Microsoft-Kunden

Software-Hersteller Corel lässt es auf eine Auseinandersetzung ankommen und hofft auf abtrünnige Geschäftskunden, die mit der umstrittenen neuen Lizenz-Praxis von Microsoft unzufrieden sind.

Das kanadische Unternehmen, das in den letzten Jahren nach einem harten Kampf um das finanzielle Überleben eine wahre Achterbahnfahrt durchlitten hat, bietet Unternehmen für ein Jahr eine kostenlose Test-Version seiner Textverarbeitung WordPerfect an. Die Hoffnung ist, dass ein gewisser Prozentsatz der Firmen, die das Programm ausprobieren, beschließen, ohne das komplette Office-Paket von Microsoft auszukommen, und zu Einzel-Softwarelösungen wie WordPerfect wechselt.

„Ziel der Kampagne ist es, die Marktposition von Corel auszubauen und das hohe Maß an Frustration auszunutzen, das unter Microsoft-Kunden über das Lizenz-Programm für Firmenkunden entstanden ist“, so David Roberts, Vice President of Enterprise Solutions bei Corel.

Im vergangenen Jahr gab Microsoft eine drastische Änderung seines Lizenz-Programms bekannt, bei dem Unternehmen für Mehrfachlizenzen von Microsoft-Software bezahlen. Nach dem neuen Konzept der „Software Assurance“, das seit dem 1. August in Kraft ist, müssen Unternehmen sich mit mehrjährigen Verträgen verpflichten, jährlich Lizenzgebühren für garantierte Upgrades zu entrichten, damit sie auch weiterhin Mengenrabatte erhalten. Analysten schätzen, dass dadurch die Software-Kosten für Unternehmen, die nicht oft Upgrades ihrer Programme durchführen, um bis zu 100% steigen können.

Auf der anderen Seite nimmt der Druck auf die Unternehmen zu, ihre IT-Ausgaben zu senken, so dass viele mit einer Verweigerungshaltung auf die Änderungen reagierten. Umfragen von unabhängigen Marktbeobachtern zeigen, dass die Mehrzahl der Unternehmen bis zur Deadline Ende Juli noch keine neuen Lizenzverträge unterschrieben hatte.

Microsoft CEO Steve Ballmer macht dafür Fehler beim Marketing verantwortlich. „Ich denke, der Umstand, dass unsere Kunden unser Lizenz-Modell nicht so gut verstanden haben wie früher, macht den Übergang und die dabei empfundenen Unannehmlichkeiten größer, als sie in Wirklichkeit sind“, sagte er letzten Monat bei einem Treffen mit Finanz-Analysten.

Wie dem auch sei, Corel sieht hier auf jeden Fall eine Chance für WordPerfect, das immerhin einmal das meistverbreitete Textverarbeitungs-Programm war, inzwischen aber nur noch ein Nischen-Dasein führt. Gartner Dataquest schätzt den Marktanteil von Microsoft Office auf über 95 % aller Büro-Software. Roberts sagte, Corel rechne nicht damit, an der Vormachtstellung von Office zu rütteln, und vermied es auch, sich negativ über Microsoft zu äußern – immerhin half das Unternehmen vor zwei Jahren mit einer 135 Millionen-Dollar-Investition, Corel vor dem finanziellen Zusammenbruch zu bewahren -, aber er zählt darauf, dass Corel neue Kunden gewinnen kann, indem das Unternehmen Kostenvorteile aufzeigt, die ausreichend sind, um Kunden zum Wechsel zu bewegen.

„Dies bedeutet jetzt keinen Strategiewechsel für Corel dahingehend, dass wir direkt in Konkurrenz zu Microsoft treten“, sagte er, „aber es ist eine Chance, an Unternehmen heranzukommen, die mit bestimmten Aspekten von Microsofts Lizenzpolitik unzufrieden sind. Microsoft ist ein sehr wichtiger Partner für uns. Wir müssen mit ihnen zusammenarbeiten, damit wir Erfolg haben. Aber wir würden fahrlässig handeln, wenn wir das Kapital, das wir mit der Marke WordPerfect besitzen, nicht nutzten, um diese Gelegenheit zu ergreifen.

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