Mobilcom: Intrigen, Insiderhandel, Irritationen

Während France Télécom beteuert, nicht zu bluffen, will Börsenaufsicht dubiose Umsätze unter die Lupe nehmen

Intrigen hinter den Kulisen, ein spektakulärer Poker um Macht und Geld – was sich in diesen Tagen abspielt zwischen dem norddeutschen Städtchen Büdelsdorf, der französischen Hauptstadt und dem Finanzplatz Frankfurt, hat so ziemlich alles, was eine fesselnde TV-Seifenoper braucht. „Es geht zu wie früher bei ‚Dallas'“, gibt einer zu, der selbst eine Hauptrolle spielt: Gerhard Schmid.

Einst wurde er als Telefon-Pionier und Selfmade-Man gefeiert. Nun wird der 50-jährige Mobilcom-Gründer (Börse Frankfurt: MOB) von seinen Gegnern zum bösen Clanchef vom Schlage des „Dallas“-Oberfieslings J.R. Ewing abgestempelt. Dabei hatte alles so schön angefangen: Schmid erkannte bei der Liberalisierung des deutschen Telefonmarktes Anfang 1998 blitzschnell seine große Chance. Mit Billig-Angeboten im bequemen Call-by-Call-Verfahren wurde er zum reichen Mann – und zum Schrecken der Deutschen Telekom (Börse Frankfurt: DTE), der er Millionen Kunden abspenstig machte. Ein idealer Verbündeter auf Europas wichtigstem Mobilfunkmarkt, dachte sich Michel Bon.

Den Chef des Pariser Telefonkonzerns France Télécom dürstete nach Rache, seit die Telekom-Boss Ron Sommer bei Telecom Italia auf Brautschau gegangen war und seinen ahnungslosen Partner Bon dabei bloß gestellt hatte. Wie die anderen Telefonmanager ließ sich Bon von der Aussicht blenden, nach dem Mobilfunk-Boom in den 90er Jahren mit dem leistungsfähigeren neuen Standard UMTS den zweiten ganz großen Gewinn zu machen. Er stieg mit 28,5 Prozent bei Mobilcom ein, gemeinsam ersteigerten Schmid und Bon im Sommer 2000 für mehr als acht Milliarden Euro eine deutsche UMTS-Lizenz.

Von der damaligen Technik-Euphorie ist nichts mehr übrig: Viele Telefon-Betreiber haben nackte Überlebensangst, wegen der Milliardenkosten sitzen ihnen Banken und nicht zuletzt große und kleine Anleger im Nacken. In so einer Situation bewähren sich Partnerschaften – oder sie platzen mit einem lauten Knall wie nun bei France Télécom und Mobilcom. Die Franzosen hätten ein „ethisches Problem“ mit Schmid, sagt France-Télécom-Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra. Der Deutsche soll unter anderem seiner Ehefrau Geld aus der Firmenkasse zugeschanzt haben. Die Franzosen, denen Gläubigerbanken und nicht zuletzt der französische Staat als Hauptaktionär Druck machen, mussten dabei nach eigener Darstellung hilflos zusehen. Damit soll nun Schluss ein.

Die Pariser kündigten die Zusammenarbeit auf und beteuern, dies sei „bestimmt kein Bluff“. „Wir haben das Rahmenabkommen, das uns mit Mobilcom und Herrn Schmid verband, unwiderruflich beeendet“ sagt Finanzchef Vinciguerra. Ohne eine „vernüftige Lösung“ könnte Mobilcom demnach gar Pleite gehen. Analysten glauben indes nicht daran. Sie vermuten hartnäckig, die Pariser wollten den Mobilcom-Kurs drücken, um das Unternehmen billig ganz kaufen zu können. Am Mittwoch stürzte die Aktie, die einst zu den Stars am Neuen Markt zählte, erneut ab. Dahinter könnten echte Schurken stehen und nicht bloß gut bezahlte Schauspieler wie bei Dallas: Die deutsche Börsenaufsicht hat jedenfalls Ermittlungen eingeleitet.

Kontakt: Mobilcom, Tel.: 04331/6900 (günstigsten Tarif anzeigen)

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