IBM: Grid-Computing und das Internet

Interview mit Irving Wladawsky-Berger, Vice President of Technology Strategy bei IBM. Er konzentriert sich zur Zeit auf zwei Technologien der nächsten Generation: Grid Computing und autonome Systeme

Irving Wladawsky-Berger ist mit 32 Jahren bei IBM schon ein Veteran. Während seiner Laufbahn war er in der Forschung, der Produktentwicklung, dem Unternehmensmanagement und der strategischen Planung tätig. Er glaubt inzwischen, dass das Internet dabei ist, sich zu einem globalen virtuellen Computer zu entwickeln – ähnlich wie ein Stromversorgungsnetz, nur mit Computer-Ressourcen, die auf Abruf bereit stehen.

Frage: Sie waren federführend daran beteiligt, dass IBM dazu überging, das Internet auch als ein Geschäft zu betrachten. Wie würden Sie das Internet heute beschreiben?

Antwort: Das Internet ist ohne jeden Zweifel eine jener Technologien, wie sie nur einmal in jeder Generation auftreten, die wirklich alles verändern werden. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles. Das Internet verwandelt alle Bereiche des Geschäftslebens, der Verwaltung, des Gesundheitswesens, des Lernens und macht sich auch in unserem Privatleben breit. Aber alles braucht seine Zeit. Einst hat die Elektrizität solche Veränderungen bewirkt, aber natürlich brauchte es eine Weile, bis sie alles verändert hatte. Dasselbe gilt für das Automobil.

Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium des Internets. Wenn Sie sich heute das Internet ansehen, dann haben wir viel größere Bandbreiten zur Verfügung als vor fünf Jahren. Dennoch ist das nichts im Vergleich zu dem, was in zehn Jahren zu erwarten ist. Wenn Sie sich die Zahl der Haushalte in den USA ansehen, die über Breitband verfügen, dann sind das noch nicht besonders viele.

Die Arten von Anwendungen, die man benutzen kann, wenn eines Tages jeder Zugang zu einem Breitbandanschluss haben wird, und zwar zu einem Breitbandanschluss der nächsten Generation mit 5 bis10 Megabit pro Sekunde, werden deutlich besser sein. Es ist für mich gar keine Frage – wir befinden uns noch in einer frühen Phase des Internets.

Wann werden wir in ein Stadium gelangen, in dem umfangreiche Medienanwendungen über das Internet laufen können? Wird das in fünf oder zehn Jahren der Fall sein? Was ist Ihre Voraussage?

Ich habe da so ein Gefühl. Ich sage ein Gefühl, weil ich es in Wirklichkeit nicht genau weiß. Es ist schwer, solche Dinge vorauszusagen. Ich denke, wenn wir einen Punkt erreicht haben, an dem mehr als 50 Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss haben, dann kann man damit anfangen, Anwendungen für Breitband zu planen. Dann braucht man nicht mehr von Übertragungsgeschwindigkeiten von 56 K auszugehen, wie wir das heute tun müssen, sondern kann wirklich die nächste Generation von Anwendungen planen, die nur noch über Breitband richtig laufen werden. Die kritische Masse von 50 bis 60 Prozent werden wir wahrscheinlich in den nächsten zwei bis drei Jahren erreichen. Ich denke, bis 2005 ist es soweit.

Die Technologie für den Ausbau der Breitband-Infrastruktur existiert ja bereits. Warten wir nicht eher, dass die Wirtschaft die richtige Aufbruchstimmung bekommt?

Gewisse Dinge brauchen einfach ihre Zeit. Das hängt nicht nur von einer langsamen oder schnellen Wirtschaftsentwicklung ab. Wir sprechen hier über Technologien, die das Geschäftsleben wirklich umkrempeln, durch die eine digitale Wirtschaft entsteht und die die Art, wie die Unterhaltung in die Wohnzimmer der Leute gelangt, total verändern. Die Tatsache, das derartige Dinge fünf, zehn oder fünfzehn Jahre benötigen, um sich auszubreiten, ist nicht überraschend. Da wir gegen Ende der 1990er Jahre in der Lage waren, so viele Dinge so schnell zu erledigen, haben wir wahrscheinlich alle gesagt „Das ist doch schnell gemacht“ und so wird es auch weitergehen. Es gibt aber ziemlich wenig, was wir wirklich schnell erledigen können. Anderes braucht einfach länger, insbesondere wenn dazu der Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur notwendig ist.

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