Mobilcomchef-Schmid vor dem Aus

Gründer pokerte zu hoch

Als einstiger Eishockey-Trainer hat Gerhard Schmid es gern, wenn ordentlich ausgeteilt wird. Diesmal jedoch hat der 50-jährige Selfmade-Man verdammt viel Prügel bezogen und muss sich eingestehen, dass seine Zeit als einer der Stars im deutschen Mobilfunkgeschäft endgültig vorbei ist. Seinem einstigen Erfolgsunternehmen Mobilcom droht die Pleite, die Hauptversammlung der Aktionäre verweigerte ihm die Entlastung, und der Pariser Riese France Télécom steht unmittelbar davor, die Kontrolle bei Mobilcom zu übernehmen und ihn selbst hinauszuwerfen.

Er werde im deutschen Mobilfunk Geschichte schreiben, hatte Schmid, unbescheiden wie er ist, einmal gesagt. Nun muss sich der füllige Unternehmer mit den harten Bandagen eingestehen, dass er am Ende seines Mobilfunkabenteuers angelangt ist. Für den Maurersohn aus dem fränkischen Selb, der eine steile Karriere hinter sich hat, kann es nun nur noch darum gehen, bei seinem Abgang so viel Geld wie möglich herauszuschlagen. Seit Jahresanfang begann der Stern des Gerhard Schmid zu sinken. Der begnadete Marketing-Mann hatte France Télécom vor zwei Jahren verführt und sich mit dem starken Partner bei den Banken den Milliardenkredit für den Erwerb einer der sechs UMTS-Lizenzen in Deutschland gesichert.

Das Zauberwort UMTS ließ Schmid davon träumen, sein 1992 gegründetes Büdelsdorfer Unternehmen auf Augenhöhe mit den ganz Großen der Telekom-Branche zu bringen. Aber die Beziehungen zu France Télécom, die 28,5 Prozent an Mobilcom hält, waren von Anfang an gespannt, seit Februar sind sie regelrecht vergiftet. Angesichts des katastrophalen Einbruchs auf dem Telekommarkt und eigenen Milliardenschulden weigerte sich der Pariser Staatskonzern, Schmid bei seinem UMTS-Abenteuer mit weiteren Milliarden zu unterstützen. Stattdessen setzte France Télécom auf eine Übernahme. „Wir bereiten hier gerade einen Krieg vor“, hieß es aus der Pariser Konzernzentrale. Lieber solle die Mehrheit bei Mobilcom übernommen werden, als „Milliarden Euro in den Wind zu schreiben“.

Seit Wochen nun streiten France Télécom und Schmid um einen Kredit über 4,7 Milliarden Euro, der zum Erwerb einer UMTS-Lizenz in Deutschland aufgenommen wurde und im Juli fällig wird. Ohne die Hilfe der Franzosen kann Schmid den Kredit nicht ablösen, und seinem Unternehmen droht die Insolvenz. Wütend forderten die Kleinaktionäre bei der Hauptversammlung in Hamburg den Abgang Schmids. Zudem wurde ihm die Erlaubnis entzogen, das von ihm gegründete Unternehmen noch alleine zu vertreten. Aber der Mann, der seine Karriere bei dem Edelporzellanhersteller Hutschenreuther in seiner Heimatstadt Selb begann, klebt vorerst an seinem Posten. Erst wolle er „die Story mit France Télécom zu Ende bringen“, sagt Schmid störrisch. France Télécom verhandelt derzeit mit den Gläubigerbanken, den Kredit über 4,7 Milliarden Euro in France-Télécom-Optionen umzuwandeln. Wenn der Pariser Konzern nicht für die Schulden aufkommen muss, kann er ein Übernahmeangebot ins Auge fassen.

Nächste Woche will der Aufsichtsrat über ein „Gesamtpaket“ beraten. Dafür aber, so heißt es in Paris, müssten die Aktionäre, und allen voran Gerhard Schmid, auch Entgegenkommen zeigen. Davon ist bei Schmid bisher wenig zu spüren: Er verlangt nach wie vor 22 Euro pro Anteilsschein – aus Sicht von France Télécom muss der Goldene Handschlag für Schmid aber deutlich billiger ausfallen.

Kontakt: Mobilcom, Tel.: 04331/6900 (günstigsten Tarif anzeigen)

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