Galgenfrist für versandkostenfreie Bücher

Bol.de verlangt ab heute Gebühren / Libri.de will in Kürze nachziehen / Nur Booxtra.de will auch 2003 nicht für den Versand kassieren

Nachdem Amazon (Börse Frankfurt: AMZ) im Februar diesen Jahres sein Versandkostenmodell „vereinfacht“ hat und man seither auch für Bücher drei Euro Portokosten bezahlen muss, wenn der Bestellwert die Marke von 20 Euro nicht überschreitet, ziehen die anderen Anbieter nach. Ab heute gilt bei Bol.de – der Nummer zwei auf dem deutschen Online-Büchermarkt – das gleiche Tarifmodell wie bei Amazon. ZDNet fragte bei den anderen Online-Buchhändlern nach.

Vor einem Jahr erklärten die deutschen Buchversender noch unisono: „Portokosten sind für uns kein Thema“. Doch hinter vorgehaltener Hand gaben sie zu, dass sie nur darauf warteten, dass Marktführer Amazon Portokosten verlange. Das neue Tarifmodell von Amazon startete am 22. Februar diesen Jahres und wurde als große Vereinfachung verkauft: Statt unterschiedlicher Preise pro Artikel und pro Bestellung, gilt seither: Ab 20 Euro sind alle Bestellungen versandkostenfrei, darunter verlangt Amazon drei Euro für den Versand. Bol.de hat nun Amazon-Tarifmodell übernommen.

Libri.de Geschäftsführer Klaus Kuhlmann erklärte: „Wir werden in den nächsten Wochen folgen“. Seit Amazon Portokosten kassiert, bemerkt der Hamburger Versender eine Zunahme kleiner Bestellungen. „Diese sind unter einer bestimmten Marke nicht mehr wirtschaftlich. Daher denken wir über das Thema nach und werden in den nächsten Wochen nachziehen“, so Kuhlmann. Die Marke von 20 Euro, wie bei Amazon und Bol, ist aus Sicht von Kuhlmann aber zu hoch. „Wir werden etwas zwischen elf und 20 Euro finden.“

Sehr trickreich gibt sich Buch.de: Man nimmt zwar keine Versandkosten, aber bei Bestellungen unter elf Euro werden drei Euro „Auftragsgebühr“ in Rechnung gestellt. „Dieses Tarifmodell haben wir im Oktober 2001 eingeführt und planen zurzeit keine Änderung. Unseren Kunden bieten wir aber die Möglichkeit, die Bücher kostenlos in eine Phönix-Filiale in ihrer Nähe zu schicken, wo sie sie dann abholen können“, so Vorstandssprecher Gerald Winter im Gespräch mit ZDNet.

Nur bei Booxtra.de bleibt alles beim Alten und man versichert: „Bei uns bekommen die Kunden in diesem und im nächsten Jahr auf jeden Fall Bücher, Videos und DVDs versandkostenfrei geliefert“, so Geschäftsführer Klaus Driever und weiter: „Versandkosten sind nur ein Kostenblock unter vielen und es ist für uns Kundenservice, dass wir die Ware kostenlos ausliefern. Seit Amazon Portokosten verlangt, registrieren wir eine steigende Zahl an Bestellungen.“

Kontakt:
Amazon.de, Tel.: 01805/354990 (günstigsten Tarif anzeigen)

Themenseiten: Business

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu Galgenfrist für versandkostenfreie Bücher

Kommentar hinzufügen
  • Am 2. Mai 2002 um 20:57 von Ich

    Es gibt genug Alternativen
    Bisher habe ich bei Amazon nur die Rezensionen genutzt und bei kundenorientierten Unternehmen bestellt.

    Zu Letzteren gehören buch.de und libri.de ab jetzt nunmal auch nicht mehr. Und notfalls gehe ich halt in die Buchhandlung bzw. bestelle dort per Telefon… für DEM 6 kann man auch mal ein paar Meter gehen.

    Aber wer Geld über hat bestellt halt weiterhin bei Amazon, Bol und Co…

    AMEN

  • Am 3. Mai 2002 um 2:23 von Tom

    Ich finds total daneben!
    Warum sollte jemand noch Bücher online kaufen? Wenn es keine Buchpreisbindung gäbe, dann würde das evtl. noch Sinn machen, aber mit Einheitspreisen? 10 Euro wäre auch noch ok gewesen, aber 20?

    Bei den üblichen Preisen (9.95, 19.95) muß man im ungünstigsten Fall zwei Bücher zu 19.95 € kaufen. Zur Erinnerung: Das sind fast 80 DM. Ich komme mir reichlich verarscht vor und sage Bye-bye zu Amazon.de. Die Läden, die heute demonstrativ nicht mitziehen, stehen bei mir im Verdacht, erst einmal groß auf Neukundenfang zu gehen und dann später abzukassieren.

  • Am 3. Mai 2002 um 15:51 von Ernie

    Versandkosten
    Wenn man erst in die Stadt fahren muss, um ein Buch zu kaufen, dann kostet das ja auch ca. 2 Euro. Und der eine Euro mehr, damit ich von zuhause aus bestellen kann, ist es mir locker wert. Ausserdem kann man bei Bestellungen, die 19,95 kosten ja noch irgendeine Kleinigkeit dazu nehmen (bei BOL z.B. Schlüsselanhänger) damit man über die 20 Euro Grenze kommt. Ich finde das alles kein Stück schlimm und vollkommen spiessig, sich darüber aufzuregen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *