Telekom: Kleinaktionärsverband über Dividendenkürzung nicht überrascht

Nur noch 37 Cent pro Aktie / Im vergangenen Jahr waren es noch 62 Cent / Drohende Bonitätsherabstufung durch Internationale Ratingagenturen

Wer die Aktie der Deutschen Telekom (Börse Frankfurt: DTE) im Depot hat, ist inzwischen schlechte Nachrichten gewohnt. Seit zwei Jahren geht es mit dem Papier nur noch bergab: Von über hundert Euro Anfang 2000 fiel das Papier auf 16 Euro. Das entspricht einem Wertverlust von über 80 Prozent.

Gestern Abend hat sich nun der Rosa Riese erneut in die Schlagzeilen gebracht: Um zu sparen, wird die Dividende erstmals in der Firmengeschichte gekürzt. Und ein Ende der Durststrecke ist noch lange nicht in Sicht. Mit der gekürzten Dividende fällt das Trostpflaster für die T-Aktionäre nun deutlich kleiner aus. Gerade noch 37 Cent pro Anteilsschein sollen die Anteilseigner überwiesen bekommen.

Im vergangenen Jahr waren es noch 62 Cent. Die Telekom spart damit eine Menge Geld. Statt 2,6 Milliarden Euro wie im vergangenen Jahr müssen nun nur 1,5 Milliarden Euro als Aktionärsbonus fließen. „Wir sind da nicht furchtbar überrascht“, sagt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Grundsätzlich sollten Unternehmen nur Dividenden ausschütten, wenn sie auch Gewinne einfahren.

Da die Telekom im vergangenen Jahr unter dem Strich aber 3,5 Milliarden Euro Verlust gemacht habe, sei der Schnitt verständlich. Mit der Forderung nach einem vollständigen Verzicht auf die Dividende tun sich die Aktionärsschützer natürlich schwer, auch wenn er aus wirtschaftlicher Sicht geboten wäre. Keitel verweist auf den Charakter des Telekom-Papiers als „Volksaktie“.

Die SdK hatte deshalb gefordert, dass Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) von seinen Anteil an dem Bonus absieht, war damit aber auf taube Ohren gestoßen. Der Bund hält direkt und indirekt rund 43 Prozent an den T-Aktien und kann damit auf 645 Millionen Euro aus der Telekom-Kasse zählen. „Für die Telekom wurde damit ein Mittelweg gewählt“, sagt Keitel, „man tut allen gleichmäßig weh.“

Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) spricht von einer „vertrauensbildenden Maßnahme“, mit der die Telekom den Aktionären aber letztlich „Sand in die Augen streut“. Dabei bleibe offen, wann bessere Zeiten zu erwarten seien. „Für einen Hoffnungsschimmer gibt es noch keinen Ansatz.“ Krüll vermisst bei dem Unternehmen ein schlüssiges Konzept, wie die Krise überwunden werden kann. Zudem rücke die Telekom mit schlechten Nachrichten immer erst auf Druck des Marktes heraus, was für das Vertrauen der Aktionäre nicht förderlich sei.

„Wir brauchen endlich eine Informationspolitik, die nicht wie ein schwerfälliger Tanker hinterher hängt.“ Dies gelte für den nun verschobenen Börsengang der Tochter T-Mobile ebenso wie auch für das bereits lange absehbare Scheitern des TV-Kabelnetzverkaufs.

Konzern-Chef Ron Sommer will den Aktionären mit schönen Zahlen Mut machen: Bei einer Investorenkonferenz in Hannover versprach er zweistellige Wachstumsraten beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Dies sieht die Telekom als eigentliche Messlatte für den Unternehmenserfolg. Tatsächlich stand hier mit 15,1 Milliarden Euro schon im vergangenen Jahr ein Zuwachs von 17 Prozent. Doch die Telekom-Bilanz hat viele Posten.

Professionellen Marktteilnehmern bereiten vor allem die immensen Schulden des Unternehmens Kopfzerbrechen. Wegen des wegfallenden Kabelnetzverkaufs an Liberty Media, durch den die Telekom bereits 5,5 Milliarden Euro sicher glaubte, schmerzt auch die Verschiebung des Börsengangs von T-Mobile (ZDNet berichtete laufend).

Rund zehn Milliarden Euro sollte die Mobilfunktochter bringen. Damit fehlen insgesamt fest eingeplante 15,5 Milliarden Euro für die Schuldentilgung. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick musste deshalb sein Ziel, die Last der Verbindlichkeiten bis Ende dieses Jahres auf 50 Milliarden Euro zu drücken, aufgeben. Nun soll es spätestens Ende 2003 sein. Damit droht schon die nächste schlechte Nachricht: Internationale Ratingagenturen wie Moodys oder Standard and Poors haben die Telekom schon unter verschärfte Beobachtung gestellt. Stufen die Marktbeobachter die Telekom in ihrer Bonität herab, werden Kredite und Schuldentilgung deutlich teurer. Und Aktienkurse reagieren auf solche Meldungen in der Regel empfindlich.

Kontakt:
Deutsche Telekom, Tel.: 0800/3301000

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