CeBIT: 1&1 will in Zukunft auch Windows-Hosting anbieten

Interview mit 1&1-Chef Andreas Gauger / Zur Zeit werden 20 dezidierte Server pro Tag aufgestellt

Hannover – Die 100-prozentige United Internet Tochter 1&1 Internet AG hat bisher ausschließlich auf Linux als Betriebssystem in seinem Rechenzentrum gesetzt. Jetzt kommen mit .Net von Microsoft die ersten Microsoft-Server. ZDNet sprach mit dem 1&1 Vorstandssprecher Andreas Gauger über die neue Produktreihe und die Zukunft von 1&1.

ZDNet: 1&1 hat heute die ersten .Net Produkte vorgestellt. Wie weit soll das Engagement mit Microsoft-Technik weitergehen?

Andreas Gauger: Bisher gibt es das Problem, dass Windows-Server deutlich mehr Ansprüche an die Hardware stellen und auch höhere Lizenzkosten verursachen, dafür aber auch Features anbieten, die man auf Linux nicht realisieren kann. Nehmen wir als Beispiel Frontpage.Net. Dieses Produkt bietet dem Kunden die Möglichkeit, online seine Site zu gestalten und dies von jedem Internet-PC der Welt. Wir werden jetzt die ersten Kunden auf diese neue Server-Technologie aufsetzen und damit Erfahrungen sammeln.

ZDNet: Wird damit das Ende von Linux bei 1&1 eingeläutet?

Gauger: Nein. Beide Systeme werden wir parallel einsetzen. Ich bin überzeugt davon, dass sich die .Net Strategie von Microsoft in unserer Zielgruppe – dies sind kleinere und mittelständische Unternehmen – durchsetzen wird. Hier ist SUN One einfach eine Nummer zu groß.

ZDNet: Der Name Puretec ist von der Bildfläche verschwunden. Vor ein paar Wochen ist auch die Website www.puretec.de vom Netz gegangen. Welche Gründe hat dies?

Gauger:: 1&1 Puretec – so der richtige Name – war eigentlich von Anfang an nur ein Angebot der Firma 1&1 Internet AG. Viele Kunden und auch die Medien haben aber nur von Puretec gesprochen. Wir möchten die Marke 1&1 mehr in den Vordergrund rücken, daher haben wir vor rund einem Jahr die Einstellung des Namens beschlossen und jetzt abgeschlossen.

Andreas Gauger

Chef der 1&1 Internet AG: Andreas Gauger (Foto: 1&1)

ZDNet: Puretec stand für pure Technik, Sie bitten jetzt aber immer mehr Service rund um das Hosting an. Sprechen Sie damit die 2. Welle der mittelständischen Unternehmen an?

Gauger: 1&1 Puretec war ein Versuch. Wir wollten Hosting für den Do-it-yourself Kunden möglichst günstig anbieten und waren vom dem großen Erfolg selbst überrascht. Als wir den Namen Puretec durch 1&1 New Webhosting ersetzt haben, haben wir gleichzeitig den Service erweitert. In allen Paketen ist jetzt ein kostenloser Support in den ersten vier Wochen enthalten – für die höheren Pakete sogar über die gesamte Laufzeit – und auch die Dienste wurden erweitert.

ZDNet: Der Kunde, der seine Website bei Ihnen hosten möchte, hat die Wahl zwischen dem 1&1 Webhosting, dem Angebot Internet Profi und dem Hosting bei Schlund& Partner. Wie differenzieren Sie die verschiedenen Angebote?

Gauger: Die Zielgruppen sind klar definiert. Das 1&1 Webhosting richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen, die eine Präsenz ins Netz stellen wollen. Rund 80 Prozent der Kunden in diesem Bereich sind Geschäftskunden. Bei den Access-Produkten wie Internet Profi oder unseren DSL Produkten richten wir uns an den Endverbraucher, der einen Internet-Zugang und gleichzeitig Platz für seine Webseite haben möchte. Schlund & Partner ist unsere Premium-Marke mit eigenem Support-Team und viele lokalen Agenturen. Die Firmen, die bei Schlund & Partner hosten, bekommen einen besseren Service, schnellere Server und mehr Möglichkeiten.

ZDNet: Seit letztem Jahr bieten Sie Ihren Kunden auch eine komplett eigenen Server, wo nur seine Website läuft, an. Welche Kundengruppe erreichen Sie mit diesem Angebot?

Gauger: Die Kunden, die sich für einen dedizierten Server entscheiden, lassen sich in drei Kategorien unterteilen: Erstens: Agenturen, die ihren Kunden nun einen Server anbieten können, wo nur Sie drauf sind. Zweitens: Firmen oder Privatpersonen, deren Website sehr viel Traffic oder sehr viel Last verursacht. Die dritte Gruppe sind Spieler, die auf unserem Server dann Counter Strike oder Quake installieren um übers Netz gegeneinander spielen zu können.

ZDNet: Sie sprachen Website-Betreiber an, die viel Traffic verursachen. Darunter fallen ja sicher auch Anbieter, die Erotik-Angebote ins Netz stellen. Wie verfahren Sie da? Kontrollieren Sie die Angebote regelmäßig auf ihre Vereinbarkeit mit den deutschen Gesetzen?

Gauger: Wir kontrollieren jede Site, die viel Traffic oder viel Last auf unseren Servern verursacht. Bei Erotik-Angeboten achten wir darauf, dass bestehende Gesetze und unsere Geschäftsbedingungen eingehalten werden. Wenn jemand Bilder oder Videos anbietet, die erst „ab 18“ sind, dann schreiten wir ein und kündigen den Vertrag.

ZDNet: 1&1 ist vor rund einem Jahr auch in Frankreich und Großbritannien gestartet. Wie laufen da die Geschäfte und planen Sie ihr Angebot auf weitere Länder auszuweiten?

Gauger: Die Märkte in Frankreich und England sind ganz anders als der deutsche Markt. In Frankreich ist das Interesse für Webhosting deutlich geringer und daher haben wir dort unsere Aktivitäten wieder zurückgefahren. In Großbritannien ist der Markt nicht so klar aufgeteilt wie in Deutschland, es gibt 20 bis 30 große Webhoster und hier haben wir es schon auf Platz 6 geschafft. Zur Zeit analysieren wir weitere Länder und werden dann entscheiden, wohin wir unsere Aktivitäten ausweiten.

Themenseiten: CeBIT, Messe, Telekommunikation

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