Dell: „Keine Angst vor Aldi“

Geschäftsführer Mathias Schädel im ZDNet-Interview: "Wir arbeiten in Deutschland profitabel" / Kein Abschied aus dem Consumergeschäft / Wechsel zu AMD nur "Gerücht"

Frohe Kunde aus Texas: Dell (Börse Frankfurt: DLC) hat im vierten Quartal deutlich mehr Einnahmen verbucht als ursprünglich angenommen. Allerdings musste der Computerhersteller beim Gewinn deutliche Einbußen hinnehmen. ZDNet sprach mit dem Geschäftsführer von Dell Deutschland, Mathias Schädel, über die Entwicklung auf dem deutschen Markt.

ZDNet: Dell ist profitabel, muss aber einen Rückgang bei Umsatz und Gewinn hinnehmen – wie sieht es diesbezüglich in Deutschland aus?

Schädel: Es ist uns gelungen, Umsatz und Gewinn in Deutschland zu steigern. Das stärkste Wachstum verzeichnen wir im Serverbereich, wo wir 62,2 Prozent zugelegt haben. Bei den Notebooks sind wir um 45,8 Prozent gewachsen, bei den Desktops um 24 Prozent. Wir sind auch hierzulande profitabel und haben unsere Zahlen verbessert.

ZDNet: Wobei sicher auch die Kosten zugelegt haben: Im Sommer haben Sie angekündigt, 120 neue Arbeitsplätze zu schaffen und 40 Millionen Mark in eine deutschlandweite Werbekampagne zu stecken…

Schädel: Das haben wir auch gemacht. Dell hat jetzt knapp 700 direkte Mitarbeiter, die Kampagne läuft in diesem Monat aus. Dennoch ist es uns gelungen, auch die Stückzahlenkosten herunterzufahren, zum einen durch die Absatzsteigerung, zum anderen durch zurückgefahrenes Engagement im Backoffice. Keine Kompromisse machen wir allerdings im Vertrieb…

ZDNet:…wo noch im letzten Sommer 90 Prozent des Umsatzes mit Unternehmenskunden erwirtschaftet wurde. Hat sich daran etwas verändert?

Schädel: Nein. Wir haben zwar im vierten Quartal, das traditionell von einem starken Consumergeschäft geprägt ist, den Umsatz mit Endkunden um 100 Prozent steigern können. Allerdings kommen im Gesamtjahr neun von zehn Euro durch Geschäftkunden in unsere Kassen.

ZDNet: Da liegt der Schluss nahe, dass sich Dell aus dem Consumergeschäft ganz verabschiedet – Sie haben selbst vor drei Monaten gesagt, dass in diesem Bereich „in Europa noch niemand langfristig Geld verdient hat“.

Schädel:Das trifft natürlich nicht für uns zu. Über dreiviertel aller Verkäufe in diesem Segment laufen übers Internet, wodurch wir auch hier profitabel waren.

ZDNet: Genau in diesem Bereich haben Sie es aber mit zwei stark wachsenden Konkurrenten zu tun: Laut Gartner sind nur zwei Anbieter im letzten Quartal ähnlich stark gewachsen wie Dell: Gericom und Medion. Fürchten Sie die Konkurrenz aus den Supermärkten?

Schädel: Nein, wirklich nicht. Das sind Spezialisten, die sich rein auf diese Kanäle konzentrieren. Die passen auch überhaupt nicht zu unserem Geschäftsmodell. Wir wollen uns direkt um unsere Kunden kümmern und Service bieten. Wir verfügen in unseren Absatzformen über ausreichendes Wachstum. Die beiden haben Marktanteile von Fujitsu-Siemens und anderen abgeknöpft, aber nicht von uns.

Mathias Schädel

Chef von Dell Deutschland: Mathias Schädel (Foto: Dell)

ZDNet: Sie haben den Absatz zwar deutlich steigern können, das aber zu Lasten von Umsatz und Gewinn. Ihr früheres Motto: „Wachstum ja, aber nicht auf Kosten des Profits“ scheint nicht mehr zu gelten – wie lange wollen Sie diese Strategie noch verfolgen?

Schädel: Das kann ich so nicht nachvollziehen. Unser Profit ist deutlich gestiegen, das Operating Income hat um 22 Prozent zugelegt…

ZDNet:…trotzdem ist der Gewinn pro Aktie gesunken. Der Nettogewinn ist sogar um rund 43 Prozent eingebrochen.

Schädel: Das ist richtig. Wir haben im vierten Quartal des vorletzten Geschäftsjahres unsere Marge deutlich gesenkt, außerdem bleiben auch wir vom Einfluss der globalen Entwicklung nicht verschont.

ZDNet: Dell spart deutlich im Bereich Forschung und Entwicklung. Während ihre Konkurrenten im Schnitt 4,7 Prozent der Einnahmen darauf verwenden, sind es bei ihrem Unternehmen nur 1,7 Prozent. Halten Sie das für den richtigen Weg?

Schädel: Die Zahl muss man sich aber im Detail anschauen. Wir investieren nicht in die Entwicklung von proprietären Technologien sondern konzentrieren uns auf weltweite Standards. Viele unserer Konkurrenten investieren doch eine Menge Geld in Eigenentwicklungen, bei denen es fraglich ist, ob das eingesetzte Kapital jemals zurückkommt. Bei unserem Engagement steht das Return on Investment deutlich im Vordergrund. Außerdem setzen wir auf Kooperationen…

ZDNet: …aber nicht auf Übernahmen: Der Kauf von Convergenet vor drei Jahren wird wohl trotz Ihres hohen Cash-Bestandes eine einmalige Aktion bleiben?

Schädel: Unser Wachstum war immer organisch. Wir haben viele Übernahmen gesehen, die die Firmen in enorme Schwierigkeiten gebracht haben. Allerdings können wir uns im professionellen Service-Bereich eine Ergänzung durchaus vorstellen.

ZDNet: Lassen sich schon erste Auswirkungen der geplanten Fusion von HP und Compaq in Deutschland feststellen?

Schädel: Auf jeden Fall: Während wir im vierten Quartal beim Absatz deutlich zugelegt haben, mussten diese beiden Firmen Einbußen hinnehmen. Wir spüren absolut, dass die Kundschaft verunsichert ist, wie es nach der Übernahme mit einigen Produktlinien und dem Service weitergeht. Wir investieren am deutschen Markt, während andere abbauen.

ZDNet: Compaq macht aber unter anderem auch die Terroranschläge vom 11. September für den Einbruch verantwortlich.

Schädel: Ich stehe nach wie vor dazu: Für mich ist das nur eine Ausrede. Natürlich gibt es Unternehmen, die von dem Terror direkt betroffen sind. Wir gehören jedoch eindeutig nicht dazu, im Gegenteil: Dell hat in New York wieder deutlich investiert, zum Beispiel bei der dortigen Niederlassung der Deutschen Bank.

ZDNet: Dell hat in Deutschland in den letzten fünf Jahren vier Geschäftsführer gehabt. Begründet wurden die häufigen Wechsel immer damit, dass das Geschäftsmodell des direkten Vertriebs hierzulande nicht richtig umgesetzt wurde…

Schädel: Man muss natürlich fairerweise sehen, dass wir uns erst auf die deutsche Situation einstellen mussten: Wir haben es hier mit ganz anderen Wettbewerbern wie Vobis und anderen zu tun. Inzwischen haben wir uns aber richtig positioniert und wachsen stark.

ZDNet: Wird das 19. Geschäftsjahr von Dell den Sprung zu AMD bringen? Bis jetzt setzt Ihr Haus voll auf Intel, soll aber bereits im letzten Sommer die Fühler nach Sunnyvale ausgestreckt haben.

Schädel: Das würde ich eindeutig der Rubrik Gerüchte zuordnen!

Kontakt:
Dell, Tel.: 06103/9710 (günstigsten Tarif anzeigen)

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1 Kommentar zu Dell: „Keine Angst vor Aldi“

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  • Am 18. Februar 2002 um 13:52 von Doris Stein

    Darum nicht DELL
    Als jahrelanger Standard für PCs und Notebooks verabschiedeten wir uns von DELL, da ohne Auswahlmöglichkeit nur noch schwarze Komplettsysteme ausgeliefert werden, die der Bildschirmplatzverordnung nicht entsprechen. Erschwerend kommt hinzu, daß eine mittelständische Unternehmensgruppe offenbar DELL-intern als nicht service-würdig deklariert wird, wenn der Umsatz nicht groß genug ist. SERVICE wird auf jeden Fall hier nicht groß geschrieben, Anfragen blieben oft tagelang liegen ohne jegliches Feedback. Die Geräte sind gut, aber was nützt das ohne entsprechenden Service.

    Darum nicht DELL.

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