Briten suchen Freunde im Netz

Die Website friendsrenunited.com bringt Schulfreunde wieder zusammen / Erfolgsgeschichte startete mit einem Hobby / Mitgliedsbeitrag kostet 16 Mark

Dass seine Website ein solcher Erfolg werden würde, haben Steve und Julie Prankhurst nicht erwartet. Innerhalb kurzer Zeit schoss ihr Online-Angebot Friendsreunited.com in die Top 20 der meistbesuchten Internet-Seiten Großbritanniens. Selbst auf Dinnerparties soll es das Gesprächsthema Nummer Eins sein.

Ihre Erfolgsidee: Sie stellen den Kontakt zwischen alten Schulfreunden wieder her, die sich aus den Augen verloren haben. Caroline Manser hat hier ihre Highschool-Flamme wiedergefunden. Mehr als ein Jahrzehnt war der Kontakt abgerissen – bis sie diese Site entdeckte.

„Wir haben uns an diesem Wochenende zum ersten Mal nach elf Jahren getroffen“, schrieb sie in einem der vielen Dankesbriefe, mit denen die Prankhursts überhäuft werden. „Er ist noch genauso, wie ich ihn in Erinnerung habe. Ich habe mich sofort verliebt, und jetzt sind wir wieder zusammen und könnten nicht glücklicher sein.“

Auf Friendsreunited.com sind fast alle Schulen und Colleges Großbritanniens aufgelistet. Wer sich registrieren lässt, kann eine Nachricht hinterlassen und nach alten Klassenkameraden suchen. Für eine Gebühr von fünf Pfund (acht Euro, knapp 16 Mark) können die User einander per E-Mail kontaktieren.

3,5 Millionen Menschen haben sich in den vergangenen eineinhalb Jahren eingetragen, sieben Millionen Mal jeden Tag wird auf die Seiten zugegriffen – und das, obwohl Prankhurst und seine Frau nie für ihr Angebot geworben haben. Ursprünglich war es nur ein Hobby, ein Weg für sie selbst, alte Freunde aufzustöbern. Nun arbeiten beide für die Site – und damit nicht genug: Sie haben fünf weitere Vollzeitkräfte eingestellt sowie sieben Mitarbeiter, die E-Mail-Anfragen beantworten. Ein Grund für den durchschlagenden Erfolg ist nach Einschätzung von Steve, dass die Leute alte Freunde kontaktieren können, ohne ein Klassentreffen über sich ergehen lassen zu müssen.

„Ich war vor ein paar Jahren auf einem Treffen meiner Grundschule“, erzählte er. „Und ich habe mir geschworen, nicht nochmal hinzugehen. Du wirst in einen Raum gesteckt und sollst deine Lebensgeschichte erzählen. Das ist eine unangenehme Situation. Bei uns hat man selbst die Kontrolle.“

Die Seiten seien wie geschaffen dafür, sentimentale Erinnerungen an die Jugendzeit auszutauschen. „Feueralarm im Anbau war immer lustig“, erinnerte sich ein User. „Die Jungs kletterten immer zuerst die Leiter runter – klar.“ Vom „Sumpfhorn“ erzählte ein anderer: „Wenn man die Spülung der Toiletten auf der Ostseite alle gleichzeitig betätigt hat, kam aus den Rohren ein lautes, vibrierendes Horndröhnen – sehr zum Ärger von Hausmeister Wilson. Diese Tradition wurde viele Jahre weitergegeben – ich hoffe, bis heute.“

Die Stars unter den ehemaligen Mitschülern sind unter der Rubrik „berühmte Schüler“ zu finden. Anthony Hopkins, so erinnern sich seine Klassenkameraden, „wurde in den 50er Jahren oft dabei beobachtet, wie er das Treppengeländer runterrutschte“. Im Rampenlicht sehen sich nun auch die Prankhursts – als Erfinder der Website. Daran müssen sie sich erst einmal gewöhnen. Steve wurde kürzlich in der „Financial Times“ in einer Liste der 50 kreativsten Köpfe Großbritanniens genannt. „Ich weiß nicht wie, aber ich bin auf Platz zehn gekommen.

Sie hatten sogar ein Foto von mir – ich war gleich neben Ridley Scott, dem Produzenten des Films ‚Bladerunner'“, erzählte er. „Das war schon ein bisschen komisch.“

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