Deutscher Zukunftspreis für sprachverstehende Computer

Bundespräsident ehrt wieder einmal Professor Wahlster in Berlin

Den Deutschen Zukunftspreis 2001 – Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation – erhielt Professor Wolfgang Wahlster gestern im Rahmen einer Festveranstaltung im Max Delbrück Communications Center (MDC.C) in Berlin. Bundespräsident Johannes Rau überreichte Wahlster den Preis für sein Projekt „Sprachverstehende Computer als Dialog- und Übersetzungsassistenten“. Der Wissenschaftler führte nach Ansicht der Jury das Wissenschaft und Wirtschaft übergreifende Verbundprojekt Verbmobil mit einer Vielzahl marktfähiger Produkte und mehreren Firmenneugründungen zu einem internationalen Erfolg.

Der Preis des Bundespräsidenten wird jährlich für herausragende technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche Innovationen vergeben und ist mit 500.000 Mark dotiert. Gesicherte Anwendungsmöglichkeiten, uneingeschränkte Marktfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind Kriterien für die Auswahl der Nominierungen. 2001 waren vier Forscherteams und Projekte für die Endauswahl nominiert. Die Entscheidung der Jury fiel erst kurz vor der Verleihung durch Bundespräsident Johannes Rau.

Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Lehrstuhlinhaber an der Universität des Saarlandes, ist der erste Informatiker, der diesen Preis erhält. Der Professor sagte in seiner kurzen Dankesrede: „Ich bin glücklich darüber, dass ich diese hohe Auszeichnung gerade jetzt in der Mitte meines Forscherlebens – und nicht erst am Ende des aktiven Wirkens – erhalte. (…) Dieser Preis gibt jetzt der raschen Verbreitung unserer Innovationen einen enormen Impuls: Ich bin sicher, dass zu den zwanzig Spin-Off Produkten im Markt und den sechzehn Start-up-Firmen meines Instituts jetzt noch weitere hinzukommen und für neue Arbeitsplätze und eine nachhaltige Wertschöpfung sorgen werden.“

Wahlster und seiner Arbeitsgruppe ist nach zwanzig Jahren intensiver Forschung mit der Entwicklung einer innovativen Sprachverarbeitungsmethode ein international viel beachteter Durchbruch gelungen: Das Verbmobil-System, das als Prototyp Ende 2000 vollständig realisiert wurde, erkennt gesprochene Spontansprache, analysiert die Eingabe, übersetzt sie in eine Zielsprache (derzeit: Deutsch, Englisch, Japanisch), erzeugt einen Satz und spricht ihn aus. Bis jetzt wurden bereits verschiedene vollständig implementierte und marktfähige Sprachdialogsysteme daraus entwickelt und vermarktet und sechs Spin-off Firmen von ehemaligen Verbmobil-Mitarbeitern gegründet.

Der Preisträger zeigte sich überzeugt, dass erst wenn es prinzipiell für jeden Menschen möglich wird, in seiner Muttersprache spontan eine Anfrage in Computersysteme zu sprechen, und wenn die entsprechende Antwort oder Reaktion wiederum für ihn verständlich in Alltagssprache ertönt, die Mensch-Computer-Interaktion zum integralen Bestandteil des täglichen Arbeitens wird.

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