USA rüsten gegen Terror aus dem Cyberspace

Attacken aus dem Internet könnten Supermacht entscheidend schwächen

Die Geräte der Fluglotsen fallen aus. Die Computer an der Börse stürzen ab. Die Bankautomaten spucken kein Geld mehr aus. In den Krankenhäusern versagen wichtige Geräte. Und überall sind die Telefone blockiert. Ein Land im totalen Chaos: So sieht das Horrorszenario für eine nächste Stufe der Terrorangriffe gegen die Vereinigten Staaten aus.

Kein Flugzeug müsste für diese weitere Eskalation gekapert, keine Bomben gelegt werden. Reichen würde ein Computer mit Internet-Anschluss. Das Szenario eines „Cyber-Kriegs“ treibt die US-Regierung um. Präsident George W. Bush setzte bereits einen Sonderbeauftragten für den Schutz der Computersysteme ein. Durch Attacken aus dem Internet könnten die USA entscheidend geschwächt werden, warnt Michael Vatis, ein Experte, der früher bei der Bundespolizei FBI für den Schutz der nationalen Infrastruktur zuständig war.

Die USA sind in einem Maße vernetzt wie kein anderes Land der Welt – und damit wie kein zweites Land vom Cyberterror bedroht. Großangelegte Cyberangriffe könnten nach Einschätzung von Fachleuten nicht nur von verfeindeten Staaten geführt werden, sondern durchaus auch von Terrororganisationen. Das Netzwerk von Osama bin Laden verfüge über das entsprechende Know-how, sagt Harvey Kushner, Terrorismus-Experte an der Long Island University im US-Bundesstaat New York.

Bin-Laden-Sympathisanten führten seit Beginn der US-Militäraktionen in Afghanistan offenbar bereits erste Gegenangriffe über das Internet. Der Branchendienst Newsbytes meldete, eine pakistanische Hackergruppe habe mehrere Websites des Pentagon manipuliert. Dadurch seien Surfer von den Sites des US-Verteidigungsministeriums unwillentlich zu einer Site der Hackergruppe „GForce Pakistan“ umgelenkt worden, auf der Moslems in aller Welt aufgerufen werden, in Afghanistan gegen die Amerikaner zu kämpfen. Feinde der USA verfügen im Cyberspace über eine Vielfalt von Angriffszielen und Handlungsmöglichkeiten.

Auf Bushs frisch berufenen Sonderbeauftragten für die Cyber-Sicherheit, Richard Clarke, kommt also eine Menge Arbeit zu. Er will mit Hilfe der Telekommunikationsindustrie für die Regierung ein völlig neues Computer-Netzwerk namens „Govnet“ aufbauen. Es soll unabhängig vom Internet funktionieren und unangreifbar sein. Nach Angaben von George Kurtz, Co-Autor eines Buches über das Hacker-Unwesen, ist ein solches Netzwerk zwar machbar, aber sehr teuer und auch nicht völlig sicher. Viren könnten beispielsweise weiterhin über Disketten eingeschleust werden. Während die US-Regierung ihre Gegenmaßnahmen gegen Hacker verstärkt, sind sich die unabhängigen Fachleute nicht einig, wie groß die Bedrohung aus dem Netz derzeit tatsächlich ist.

Ex-FBI-Mann Vatis schätzt die Wahrscheinlichkeit eines großangelegten Cyberangriffs als „hoch“ ein. Andere Experten sind da zurückhaltender. Das Internet sei für Bin Laden und seine Anhänger derzeit vor allem als Informationsquelle und Kommunikationsmittel wichtig, glaubt James Lewis, Cyberterror-Experte in Washington. Die Terroristen hätten deshalb vorerst kein Interesse daran, das Netz breitflächig zu sabotieren. Auch Kushner zufolge ist das Internet für Bin Laden zunächst einmal „eine exzellente Plattform für den Heiligen Krieg“.

ZDNet hat alle Meldungen zu den Terror-Attacken und ihren Folgen für die IT-Branche in einem News-Report zusammengefasst.

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