Gates: XP-Start soll „Huldigung an New York“ sein

Mega-Party am Times Square für Donnerstag geplant / Analysten nach wie vor skeptisch über kurzfristige Verkaufsaussichten

Mit einer Mega-Show in New York will Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) den Marktstart seines neuen Betriebssystems Windows XP feiern. Sechs Wochen nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center soll die Party am Donnerstag am Times Square auch eine Huldigung an die Stadt sein, wie Unternehmensgründer Bill Gates verkündete. Doch in den Jubel werden sich Buhrufe mischen. Nicht nur die Konkurrenz, sondern auch Daten-, Verbraucher- und Wettbewerbsschützer verfolgen die neue Offensive des Softwaregiganten mit Argwohn und Wut.

Noch ist der Kartellrechtsstreit um alte Microsoft-Praktiken ungelöst, da schickt sich der Konzern an, sein Monopol noch weiter auszubauen. Auch die Verheißungen von Microsoft, Windows XP könne der angeschlagenen Branche einen allgemeinen Schub geben, werden vielerorts mit Skepsis betrachtet. Mit seinem Betriebssystem dominiert Microsoft seit einem Jahrzehnt die PCs. Windows hält weltweit neun von zehn Computern am Laufen.

Und auch in Zeiten, in denen die Konjunkturaussichten als Folge des Terrors so ungewiss sind wie lang nicht mehr, strotzt der Konzern vor Selbstbewusstsein. Microsoft treibe seine Pläne weiter voran, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld „ein bisschen rauer“ geworden sei, sagt Produktmanager Shawn Sanford. Rau ist das Umfeld für Microsoft auch wegen des andauernden Konflikts mit den Kartellrechtsbehörden. Der Streit begann vor vier Jahren, als der Konzern seine Internet-Zugangssoftware in Windows 95 integrierte – nach Meinung der Wettbewerbshüter ein Monopolmissbrauch zum Schaden des Konkurrenten Netscape.

Eine Zerschlagung von Microsoft ist inzwischen vom Tisch, doch dem Konzern drohen weiterhin harte Strafen. Bis Freitag nächster Woche haben Microsoft und die Behörden noch Zeit für eine gütliche Einigung. Doch schon vorher sollen mit Windows XP vollendete Tatsachen geschaffen werden. Zwar machte Microsoft Konzessionen: So können die Computerbauer künftig den Microsoft-Browser Internet Explorer durch Produkte der Konkurrenz ersetzen. Gleichwohl bleibt der Konzern bei seiner Strategie, über das marktbeherrschende Betriebssystem auch das Internet zu erobern.

Die neue Windows-Version ist viel enger mit dem Internet verwoben als die Vorgänger. Auch der Media Player, mit dem Musik und Filme heruntergeladen werden, ist nun eingebaut. Integriert ist ferner der „Messenger“, mit dem sich in Realzeit kommunizieren lässt – schriftlich, per Mikrofon oder in Videokonferenzen. Mit „Passport“, das Datenschützer auf die Barrikaden treibt, werden persönliche Daten für die Geschäfte im Internet gespeichert, so dass der Nutzer nicht jedes Mal neu Adresse oder Kreditkartennummer angeben muss.

All diese Zugänge führen zu kommerziellen Angeboten im Internet, die entweder Microsoft selbst oder Partnerunternehmen gehören. Windows XP bietet also genügend Stoff für neue Konflikte. Mehrere US-Bundesstaaten stellten neue Klagen in Aussicht, die EU-Kommission drohte mit einem hohen Bußgeld. Doch wie schon beim Internet Explorer setzt Microsoft darauf, dass die kommerzielle die juristische Entwicklung abhängt, mögliche Sanktionen also zu spät kommen, um Windows XP noch zu stoppen.

Eine gigantische Werbekampagne mit einem Budget von einer Milliarde Dollar soll der neuen Software zum Durchbruch verhelfen. Nach den Worten von Unternehmens-Vizechef Jim Allchin kann kein anderes Produkt dem Hightech-Business derzeit mehr helfen als Windows XP. Microsoft empfiehlt für das neue System eine Speicherkapazität von mindestens 128 MBytes und einen 300 MHz-Prozessor. Dies würde bedeuten, dass pünktlich zum Start des Weihnachtsgeschäfts viele Nutzer einen neuen Computer bräuchten. Doch die Verbraucher hätten derzeit andere Sorgen, sagt David Readerman, Analyst bei der Firma Thomas Weisel Partners in San Francisco. Sie hätten Angst vor dem Terror und fürchteten um ihren Job: „Warum sollten sie ausgerechnet jetzt einen neuen PC mit neuer Software kaufen?“

Das am 25. Oktober in den Handel kommende Betriebssystem Windows XP soll die technisch solidere Basis des Profi-Systems Windows 2000 auch dem Durchschnittsnutzer zugänglich machen und die bislang inkompatiblen Programmversionen Millenium Edition (ME) und Windows 2000 zusammenführen. Das ZDNet Windows XP Resource Center bietet News, Tests, Screenshots und Leserforen zum neuen OS.

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1 Kommentar zu Gates: XP-Start soll „Huldigung an New York“ sein

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  • Am 23. Oktober 2001 um 23:58 von Matthias

    Missbrauch
    Für was sollen die Toten von New York denn noch herhalten ? Sind sich die Micros wirklich für nichts zu Schade ?

    Eine Werbekampagne auf dem Rücken der Opfer, besser können sich die Microsoftmanager nicht die miese Maske vom noch mieseren Gesicht reißen.

    Fassungslos Matthias

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