Wer ist eigentlich Liberty?

Unternehmensgründer John Malone hat seine Finger weltweit im Spiel / Verbindungen zu Kirch und Murdoch

Mit dem Kauf der Kabelnetze der Deutschen Telekom (Börse Frankfurt: DTE) wird John Malone auf einen Schlag auch in Deutschland zur zentralen Figur im Fernsehgeschäft. Mit Beteiligungen an Dutzenden Unternehmen der Branche ist der 60-Jährige in den USA längst der König unter den Kabelnetzbetreibern.

Der am 7. März 1941 in Milford im US-Bundesstaat Conneticut geborene Malone studierte Maschinenbau und Wirtschaft. Die Weichen ins Kabelgeschäft wurden schon durch den ersten Job gestellt, den Malone 1963 in den Bell Telephone Laboratories des US-Telefon-Giganten AT & T annahm. Über Stationen bei der Unternehmensberatung McKinsey stieg er bereits Anfang der 70er Jahre als privater Investor in das TV-Kabelgeschäft ein und wurde bald einer der wichtigsten Manager in der Branche. Mit seiner Firma Tele-Communications nahm Malone in den folgenden Jahren die Verkabelung Amerikas in Angriff. Da er bis 1993 über 16 Jahre Direktor des nationalen US-Kabelfernsehverbandes NCTA war, konnte er auch politisch die Weichen mitstellen.

Mit seiner kompromisslosen, zupackenden Art machte sich Malone über die Jahre zahlreiche Feinde. Der ehemalige Senator und spätere US-Vize-Präsident Al Gore soll ihn in Anspielung auf den Bösewicht aus „Krieg der Sterne“ einmal als den „Darth Vader“ der Kabelwelt bezeichnet haben. In Deutschland stieß nun der Versuch auf Verwunderung, dass Malone beim Kauf der Telekom-Kabelnetze von vorneherein ein Veto des Bundeskartellamtes durch politische Garantien aushebeln wollte. Damit biss Malone jedoch auf Granit.

Dass Malone heute die Kabelwelt in den USA dominiert, ist Folge eines geschickten Schachzuges. In den 90er Jahren gelang es ihm, sein Ursprungsunternehmen TCI an seinen früheren Arbeitgeber AT & T zu verkaufen. Dabei behielt er sich vor, das daraus entstehende Unternehmen Liberty Media mit einer bequemen Zwei-Drittel-Mehrheit im Vorstand in eigener Regie zu führen. Mittlerweile ist Liberty Media als eigenständiges Unternehmen an der Börse und längst nicht mehr nur auf die Vereinigten Staaten beschränkt.

Wie andere Menschen Briefmarken sammelte Malone über die Jahre Mehr- und Minderheitsbeteiligungen an Firmen, die vom Shoppingkanal QVC (43 Prozent) über den Lern- und Abenteuersender Discovery Channel (49 Prozent) bis zu den Medienkonzernen AOL Time Warner (vier Prozent) und Rupert Murdochs TV- und Zeitungsimperium News Corp. (18 Prozent) reichen. Über News Corp. ist Malone indirekt dann auch mit dem deutschen Platzhirsch Leo Kirch verbandelt: Murdoch hatte Ende 1999 24 Prozent an Kirchs krisengeplagtem Pay-TV-Sender Premiere World gekauft (ZDNet berichtete).

ZDNet bietet einen News-Report zur Übernahme des Fernsehkabels für zehn Millionen deutschen Haushalte durch den amerikanischen Medienkonzern Liberty.

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