Branche reagiert gelassen auf neue Klage gegen Microsoft

Für den Softwarekonzern sind Monopolismusvorwürfe mittlerweile "Business as usual"

Mit allgemeiner Gelassenheit hat die bundesdeutsche Softwarebranche auf die neuerliche Klage der EU gegen Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) reagiert. Die Erfahrung mit den Kartellrechtsverfahren dies- und jenseits des Atlantiks hat die Unternehmen wohl gelehrt, dass nichts so heiß gegessen wird wie es gekocht wird. Zudem war ein solches Vorgehen von den Experten erwartet worden (ZDNet berichtete).

Die Europäische Kommission hatte das Softwareunternehmen heute davon in Kenntnis gesetzt, dass es gegen die europäischen Wettbewerbsregeln verstoßen habe. Der Konzern habe auf rechtswidrige Weise seine beherrschende Stellung im Markt der Betriebssysteme für PCs auf den Markt der einfachen Server-Betriebssysteme erweitert. Die Kommission beanstandet darüber hinaus, dass Microsoft sein Produkt Media Player an sein Betriebssystem Windows rechtswidrig gekoppelt habe. Diese Beschwerdepunkte ergänzen eine vorangehende Mitteilung, die dem Unternehmen vor einem Jahr zugestellt wurde. Dieses Vorgehen der Kommission ist die Folge einer umfassenden Untersuchung des Microsoft-Betriebssystems Windows 2000, das im Februar 2000 veröffentlicht wurde.

Microsoft selbst reagierte abgeklärt auf die neuen Vorwürfe. Die Unternehmnenssprecherin Julia Kronthaler erklärte gegenüber ZDNet: „In der heutigen Erklärung der EU wurden zwei bekannte Vorwürfe zusammengelegt. Die Vorwürfe durch Sun vom August 2000 und die vom Februar vergangenen Jahres aufgenommene Untersuchung von Windows 2000 durch die EU. An der Klage ist ja nur der Punkt der Integration des Media Players in Windows 2000 neu. Aber die Media-Funktionalitäten haben wir bereits seit 1990 in Windows integriert.“ Weitere Schritte wollen wohl abgewogen sein, so Kronthaler: „Wir haben ja ab heute zwei Monate Zeit für eine Antwort. Wir bemühen uns um eine schnelle Einigung.“ Letzteres entspricht aber nicht dem, was der Konzern im Falle des US-amerikanischen Kartellverfahrens praktizierte. Seit Jahren versucht Microsoft mit Erfolg den Prozess nach Möglichkeit in die Länge zu ziehen, während die klageführenden US-Staaten und das Justizministerium auf ein möglichst schnelles Urteil drängen (ZDNet berichtete laufend).

Der Sun-Sprecher Carsten Müller dagegen musste auf die Frage nach einem Kommentar grundweg passen. „Unsere Firmenpolitik verbietet mir ein Statement“, erklärte Müller. Die Kartellrechtsuntersuchung der EU gegenüber Sun (Börse Frankfurt: SSY) war nach Hinweisen des Erzrivalen von Microsoft vor einem Jahr aufgenommen worden (ZDNet berichtete). Sun beklagte, Microsofts nutze seine vorherrschende Rolle bei den PC-Betriebssystemen um Rivalen aus dem Server-Geschäft zu verdrängen. Dies ist nach wie vor der Hauptanklagepunkt der Kommission.

Ganz bedeckt hielt sich der Real Networks in Europa, das mit seinem Real Player die größte Konkurrenz zu Microsoft im Bereich der Multimedia-Software darstellt. Weder in Deutschland noch in Frankreich oder dem übergeordneten London wollten sich Mitarbeiter der Firma zum Verfahren äußern. Ach aus den USA sind durch die Zeitverschiebung bis dato noch keine Statements eingegangen.

Kontakt:
Microsoft, Tel.: 089/31760 (günstigsten Tarif anzeigen)

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