EU-Kommission eröffnet zusätzliches Verfahren gegen Microsoft

Konzern soll beherrschende Position auf PC-OS-Markt für Ausdehnung im Server-Markt ausgenutzt haben / Koppelung von Windows 2000 mit Media Player angeprangert

Die Europäische Kommission hat das Softwareunternehmen Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) informiert, dass es gegen die europäischen Wettbewerbsregeln verstoßen habe. So habe der Konzern auf rechtswidrige Weise seine beherrschende Stellung im Markt der Betriebssysteme für PCs auf den Markt der einfachen Server-Betriebssysteme erweitert, hieß es in einer Erklärung der EU-Kommission. Sprecher der Behörde waren zunächst auf telefonische Anfrage durch ZDNet nicht erreichbar.

Die Kommission beanstandet darüber hinaus, dass Microsoft sein Produkt Media Player an sein Betriebssystem Windows rechtswidrig gekoppelt habe. Diese Beschwerdepunkte ergänzen eine vorangehende Mitteilung, die dem Unternehmen vor einem Jahr zugestellt wurde. Die schriftliche Beschwerde an das Unternehmen ist ein förmlicher Schritt in den Kartellverfahren der Kommission, der einer endgültigen Entscheidung nicht vorgreift.

Dieses Vorgehen der Kommission ist die Folge einer umfassenden Untersuchung des Microsoft-Betriebssystems Windows 2000, das im Februar 2000 veröffentlicht wurde.

Microsoft hat eine alles beherrschende Stellung auf dem Markt für PC-Betriebssysteme und einen großen Anteil am Markt für Server-OS. Die meisten Rechner sind dabei in Netze eingefügt, die von Servern kontrolliert werden, wobei die Interoperabilität die Grundlage für die Rechenvorgänge im Netz bildet.

Um eine andere Server-Software jedoch in die Lage zu versetzen, mit dem vorhandenen Windows-PC- und Server-Umfeld zu kommunizieren, muss die technische Schnittstelleninformation bekannt sein. Ohne diese Informationen hätten alternative Serversoftware-Anbieter keine gleichen Ausgangsbedingungen, da ihnen die Möglichkeit genommen wäre, mit Microsoftprodukten auf rein technischer Grundlage den Wettbewerb aufzunehmen. Die Kommission ist der Auffassung, dass Microsoft den Anbietern von alternativen Server-Softwareprodukten wichtige Informationen zur Interoperabilität vorenthalten hat. So habe Microsoft sich entweder geweigert, die technischen Informationen preiszugeben, oder diese diskriminierend und selektiv ausgehändigt.

Schließlich ist die Kommission der Auffassung, dass Microsoft rechtswidrig gehandelt hätte, indem es den Media Player in das Betriebssystem Windows eingebaut hat. Produkte wie der Player werden von mehreren Unternehmen entwickelt und hergestellt. Microsoft koppelte sein Produkt Media Player an Windows. Das sei ein Vertriebsweg, der den Wettbewerbern nicht zur Verfügung stehe, so die Auffassung der EU-Kommission. Microsoft enthalte somit den PC-Herstellern und Verbrauchern Auswahlmöglichkeiten bei den PC-Produkten vor, zumal es keine einfachen technischen Möglichkeiten gebe, den Media Player zu entfernen.

Real Networks-Sprecherin Sonja Weiss konnte ZDNet gegenüber „noch keine Aussage machen“, da sie selbst noch auf Credits aus der Unternehmenszentrale in den USA warte.

„Servernetze sind das Herz der Web-Zukunft, weshalb alle Anstrengungen gemacht werden müssen, um eine Monopolbildung durch rechtswidrige Praktiken zu verhindern. Die Kommission möchte auch auf dem Markt der Media Player einen unverfälschten Wettbewerb gewährleistet sehen. Diese Produkte sind eine bedeutende Neuerung beim Musikhören und Videoanschauen, die auch eine wichtige Rolle dabei spielen werden, den Inhalt des Internets und des elektronischen Geschäftsverkehrs attraktiver zu gestalten

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2 Kommentare zu EU-Kommission eröffnet zusätzliches Verfahren gegen Microsoft

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  • Am 30. August 2001 um 15:40 von Charon

    Was ist mit dem normalen Explorer?
    Langsam wird es doch lächerlich! Demnächst wird MS noch verklagt, weil der normale Explorer mit Windows ausgeliefert wird und Konkurrenten wie die Jungs vom Windows Commander diese Möglichkeit nicht haben.

    Das ist echt nicht zu fassen…

  • Am 31. August 2001 um 8:56 von Hansemann

    Unerlaubtes Bundling
    Erinnert sich vielleicht noch jemand an die Zeiten als MS ständig eins auf die Mütze bekam, weil die Konkurrenz wesentlich mehr Zugaben in ihre Software (DOS, Compiler, etc.) steckte.

    Sollte dies jetzt plötzlich doch richtig gewesen sein ?

    Wo bleiben denn die auch von den sog. DAU´s zu verwendenden Produkte von IBM, SUN, Novell, Borland(Inprise). Selbst Linux – obwohl technisch ein super System – kommt im Desktop-Bereich nicht über den Freak-Status hinaus.

    Netscape, ehemals technisch überlegen, ist nicht wegen des kostenlosen Bundlings des IExplorers auf 10% Marktanteil geschrumpft. Nein mittlerweile ist der IExplorer einfach um Klassen besser und sogar schneller (Mein Tip: Versuchts mal mit NetCaptor).

    Fazit: Seit Jahren hat kaum ein Unternehmen der Kombination guter Programm-Oberflächen und gutem MS-Markting etwas annähernd gleichwertiges entgegen zu setzen.

    Deshalb muss diese Arbeit von den Gerichten übernommen werden. Dies ist ein Armutszeugnis für die ganze Industrie weltweit !!!!

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