Schulen ans Netz: Internet spielt im Unterricht Nebenrolle

Förderverein zieht zum fünfjährigen Bestehen Zwischenbilanz: "Experimentierfreude stärker fördern"

Das fünfjährige Bestehen der Initiative „Schulen ans Netz“ war für die Teilnehmer Anlass, am Sonntag im Rahmen eines Symposiums mit 200 Experten aus universitären Forschungseinrichtungen, Ministerien, Lehrerfortbildungsinsituten und Schulämtern Bilanz zu ziehen. Die Initiative war 1997 vom Bundesministeium für Bildung und Forschung und der Deutschen Telekom (Börse Frankfurt: DTE) ins Leben gerufen worden.

Drei universitäre Einrichtungen haben die Aktivitäten des Vereins seit damals wissenschaftlich begleitet. Jetzt wurden erste Ergebnisse veröffentlicht: Demnach ist die regelmäßige schulische Nutzung von Inter- und Intranet-Anwendungen nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel und wurde nur von einer Minderheit von Lehrern praktiziert. Gründe dafür seien unter anderem die mangelhafte Infrastruktur, die eingeschränkten räumlichen oder zeitlichen Zugangsmöglichkeiten sowie die häufige Benutzerunfreundlichkeit der verwendeten Systeme.

Des Weiteren bescheinigten die Wissenschaftler dem Projekt, dass ein dringender Bedarf an Fortbildungen besteht. Die Lehrer selbst wünschten sich vor allem schulinterne Veranstaltungen. Die Forscher unterstützen diese Forderung, da bisher oft nur ein oder zwei Pädagogen pro Schule für den Unterricht mit dem PC qualifiziert seien. Je nach persönlichem Engagement der Computer-Kundigen sowie der Stimmung im Kollegium ist die Initiative dieser so genannten „Promotoren“ von mehr oder weniger Erfolg geprägt, schreiben die Beobachter.

An den Schulen werden pädagogische Fachpromotoren benötigt, die neue Ideen für den Medieneinsatz entwickeln, beispielhafte Projekte erstellen und neue Methoden in ihre Fachbereiche weitertragen, so die Autoren der Studie. Ohne diese Maßnahmen behielte die Internet-Nutzung ihren Ausnahmenstatus im schulischen Alltag.

Einen Schritt weiter sind da die Schüler und Lehrer am Evangelisch Stiftischen Gymnasium Gütersloh, deren Laptop-Projekt von Ludwig Issing von der Freien Universität Berlin wissenschaftlich begleitet wird. Dort herrscht nach Aussage des dortigen Projektlehrers Ulrich Engelen das Prinzip der „Einfachheit“. Ziel sei es, den Computer in den normalen Fachunterricht zu integrieren und mit möglichst simplen Mitteln zu nutzen. Dazu müssten allerdings auch die Lehrer verstärkte Anstrengungen unternehmen, die Rechner mit in den Unterricht einzubeziehen. Die Koordination und der Austausch erfolgten aber laut Engelen oft im persönlichen Austausch während der Pause oder nach dem Unterricht.

Insgesamt zeigten sich die Teilnehmer des Symposiums vom Stand des Erreichten zufrieden. Jedoch zeigt sich der Weg zur wirklichen Verbreitung des Internet im Unterricht noch steinig. In einem Zwischenbericht schreiben die Wissenschaftler: „Die Entwicklung hin zu einer systematischen Integration der Mediennutzung in den schulischen Alltag und schließlich einer Veränderung von unterrichtlichen und schulischen Strukturen und Prozeduren erfordert einen bewusst gestalteten Organisations- beziehungsweise Schulentwicklungsprozess“. Des weiteren forderten sie mehr Experimentierfreude, die „in besonderer Weise für die Informationsgesellschaft in einer globalisierten Welt“ qualifiziere. Dazu seien jedoch „deutliche Änderungen in der Schulpolitik der Länder“ notwendig.

Die Präsentationen der Redner gibt es entweder einzeln als Powerpoint-Dokument zum Download oder gesammelt als Zip-Datei am unteren Ende dieser Seite.

Kontakt:
Bundesministerium für Bildung und Forschung, Tel.: 01888/570 (günstigsten Tarif anzeigen)

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