Voicestream-Übernahme noch immer unsicher

33 Euro bleiben die magische Marke / Aktionäre können Zustimmung zurückziehen

Gebibbert, geschwitzt und vielleicht sogar gebetet hat der Chef der Deutschen Telekom (Börse Frankfurt: DTE), Ron Sommer, vor der Entscheidung der US-Aufsichtsbehörde FCC zur Übernahme des Mobilfunkanbieters Voicestream. Nun endlich ist es soweit: Die FCC gab grünes Licht für das milliardenschwere Geschäft und öffnete der Telekom damit den lukrativen US-Markt. „Das ist klar eine gute Nachricht für die Telekom“, sagt Arno Wilfert von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Damit droht von Behördenseite kein Ärger mehr – dafür aber möglicherweise von den Voicestream-Aktionären. Sie können ihre Zustimmung zu dem Geschäft zurückziehen, wenn der Telekomkurs nicht wenigstens bei 33 Euro (64,54 Mark) liegt. Davon aber ist der rosa Riese derzeit weit entfernt, betont Aktionärsschützerin Petra Krüll. „Der Deal ist also noch immer nicht perfekt.“

Dabei braucht die Telekom nach übereinstimmender Meinung von Analysten den Zugang zum US-Markt unbedingt. In Sachen Mobilfunkerschließung hinkten die Amerikaner deutlich hinter Europa her, sagt Telekom-Spezialist Wilfert. Also sei das Potential dort viel größer. Zeitgleich zur Handy-Abstinenz werde in den USA aber das Internet viel stärker genutzt als beispielsweise in Deutschland. Es bestehe also vor allem für das mobile Internet ein riesiges Wachstumspotential. „Wer international mitspielen will, muss in den USA präsent sein“, sagt Wilfert.

Sein Kollege Thomas Herbst von Accenture verweist zudem darauf, dass die Telekom mit Voicestream auch noch die Kontrolle über den US-Mobilfunker Powertel und damit als einziger europäischer Anbieter in den USA die volle Kontrolle über ein GSM-Netz bekommt. Beide Telekom-Experten sehen die Voicestream-Übernahme deshalb als stragisch richtige Entscheidung an. Und obwohl die T-Aktie am Donnerstag um gut drei Prozent nachgab, zeigte sich Herbst optimistisch: „Was strategisch richtig ist, muss sich mittelfristig positiv auf den Kurs auswirken.“

Gepusht werden könnte dies zumindest vorübergehend durch den ausgehandelten Mindestkurs. Ihm hatte eigentlich niemand Bedeutung zugemessen, als die Übernahme im Sommer vergangenen Jahres beschlossen wurde. Immerhin stand die Telekom-Aktie damals klar über 50 Euro. Wenn es Kritik gab, dann am hohen Kaufpreis von über hundert Milliarden Mark. Doch seitdem ist der Kurs kräftig gerutscht. Das Telekom-Angebot von 3,2 Telekom-Aktien plus 30 Dollar in bar pro Voicestream-Anteilschein würde derzeit nur noch einen Gesamtpreis von rund 59 Milliarden Mark bedeuten.

Dieser angenehme Nebeneffekt für das Bonner Unternehmen freut die Voicestream-Anleger garantiert nicht. Sie hatten sich einen dicken Reibach erhofft, der nun nicht kommt. Ob sich die Aktionäre des US-Anbieters deshalb dem Deal verweigern würden, ist völlig unklar. Auf der sicheren Seite wäre die Deutsche Telekom nur, wenn sie bis Ende Mai ihren Kurs auf 33 Euro hievt. Dass aber ginge nur, wenn Banken oder andere Großinvestoren urplötzlich die T-Aktie wieder für sich entdecken. „Die Telekom wird also nochmals eine Werbekampagne bei den Banken fahren“, sagt Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz voraus.

Auch Wilfert vermutet, dass die Telekom in den kommenden Tagen versuchen wird, große Investoren von einem Engagement zu überzeugen. Einsteigen könnten zudem Privatspekulanten, die fest davon ausgehen, dass die Telekom irgendwie die 33 Euro packt. Sie könnten jetzt kaufen und bei der magischen Marke sofort wieder abspringen. Bei einem aktuellen Kurs von knapp 28 Euro wäre dies immerhin ein Gewinn von über fünf Euro pro Aktie und damit von knapp 20 Prozent innerhalb eines Monats. Richtig spannend wird es Krüll zufolge deshalb erst nach dem endgültigen Abschluss der Übernahme. Dann werde sich zeigen, ob die Aktionäre trotz der Querelen um den Immobilienbesitz und des hohen Schuldenberges dauerhaft Vertrauen in die Telekom setzen. Denn nur dann würden vor allem die Voicestream-Anleger die neuen Papiere behalten. „Wenn nicht, verkaufen alle sofort, und der Kurs rauscht wieder nach unten.“

Kontakt: Deutsche Telekom, Tel.: 0800-3300700
Voicestream, Tel.: 001425/6535027 (günstigsten Tarif anzeigen)

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