TK-Branche vor dreijähriger Durststrecke

Hoffnung auf UMTS hält Manager aufrecht / Kunde wird kräftig zahlen müssen

Mobilfunk ist ein Spiel mit vielen Variablen. Nach dem Boom des vergangenen Jahres ist der Markt gesättigt, auf spektakuläre Kundenzuwäche ist kaum mehr zu hoffen. Einen neuen Anreiz wird erst der neue Mobilfunkstandard Universal Mobile Telecommunication System (UMTS) bringen. Doch hier müssen die Zeitpläne immer wieder nach hinten verschoben werden. Kaum ein Unternehmenschef wagt derzeit noch Prognosen zu Kundenzahlen. Vor 2004 rechnet kein Unternehmen mit nennenswerten Umsätzen. Bis dahin droht eine dreijährige Durststrecke.

Zuerst richteten sich die Gerätebauer darauf ein: Nach Ericsson will nun auch der Branchenzweite Motorola (Börse Frankfurt: MTL) Tausende Stellen in der Produktion streichen. Die Schweden suchen zudem ihr Heil in einer Allianz mit dem finanzkräftigen japanischen Sony-Konzern (Börse Frankfurt: SON1). Die Netzbetreiber kappen dagegen Subventionen für Handyverträge und wollen die Kosten für den Aufbau der neuen UMTS-Mobilfunknetze drücken.

Noch vor einem Jahr herrschte in der Mobilfunkbranche schier grenzenloser Optimismus. Mobilfunk versprach Wachstum, Telekom-Werte gehörten zu den Lieblingen der Börsenwelt. Euphorische Manager versprachen spätestens ab 2002 einen Start in das neue UMTS-Zeitalter. Nahtlos sollte sich der Übergang vom Sprach-Handy zum Multimedia-Terminal vollziehen. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Im Kampf um Marktanteile gingen die Mobilfunkkonzerne im vergangenen Jahr mit Kartenverträgen, bei denen es das Handy zum Schleuderpreis dazu gab, bis an die Grenze des Vertretbaren. Zwar konnten sie damit ihre Abonnentenzahlen weiter nach oben treiben, wirklich kaufkräftige Kundschaft wurde damit aber kaum mehr an Land gezogen.

Die Deutsche Telekom (Börse Frankfurt: DTE) zeigte sich am Dienstag dann auch zurückhaltend zu den Wachstumsaussichten ihrer Mobilfunksparte: „Für den weiteren Jahresverlauf wird eine Verlangsamung des Teilnehmerwachstums erwartet.“ Telekom-Chef Ron Sommer vertröstet die frustrierten Aktionäre weiter mit dem Mobilfunkstandard UMTS. Hier starte das Unternehmen von „einer hervorragenden Ausgangsposition“. Dass Sommer zunächst aber vor allem auf Geschäftskunden zählt, lässt vermuten, wohin die Reise geht: Die Tarife für die mobilen Multimedia-Dienste werden zunächst zu hoch liegen, um ein wirkliches Massengeschäft zu ermöglichen. Für 2004 geht Sommer davon aus, dass 90 Prozent der D1-Kunden weiter nur über die schon bisher genutzten GSM-Netze telefonieren und nicht auf UMTS umgestiegen sind. Bedeutende Umsätze sind damit frühestens in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zu erwarten.

Angesichts der Milliardeninvestionen für UMTS keine berauschende Aussicht. Rund 16 Milliarden Mark hat jeder der sechs in Deutschland tätigen Anbieter für die UMTS-Lizenz hinlegen müssen. Für den Aufbau der neuen Netze müssen nochmals Milliardenbeträge vorgeschossen werden. Kredite dafür sind kaum mehr zu günstigen Konditionen zu bekommen, und wer vor einigen Monaten noch mit einem schnellen Börsengang Kasse machen wollte, hat die Pläne angesichts der miserablen Marktlage mittlerweile auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Geld ist für die Mobilfunkfirmen damit knapp, Kostendämpfung heißt die Devise.

In Deutschland wollen mehrere Unternehmen zumindest in der Anfangsphase ihre Netze gemeinsam nutzen, um nicht sofort komplette Netze bezahlen zu müssen. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Regtp) wird sich voraussichtlich Anfang Juni zu den Plänen äußern. Die Chancen stehen nicht schlecht. Neben dem Wirtschaftsministerium hat auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bereits Entgegenkommen signalisiert.

Forderungen nach direkten finanziellen Hilfen durch die europäischen Regierungen, wie sie etwa Ericsson-Chef Kurt Hellström jüngst ins Gespräch gebracht hatte, stoßen im Berliner Finanzministerium jedoch auf taube Ohren: Die Preise für die Lizenzen in Deutschland seien „in einer freien Auktion vom Markt selber bestimmt“ worden, heißt es dort. „Wir gehen davon aus, dass sich diese Investitionen in den Unternehmen irgendwann amortisieren werden.“

Aktuelles und Grundlegendes zum Universal Mobile Telecommunication System bietet ein News-Report zum Thema UMTS.

Kontakt: Deutsche Telekom, Tel.: 0800/3301000,
Ericsson Hotline, Tel.: 01805/5342020 (günstigsten Tarif anzeigen),
Motorola Deutschland, Tel.: 06128/700 (günstigsten Tarif anzeigen),
Sony, Tel.: 0221/59660 (günstigsten Tarif anzeigen)

Themenseiten: Telekommunikation

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu TK-Branche vor dreijähriger Durststrecke

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *