Internet soll bei Angstzuständen helfen

Rund 300 traumatisierte Patienten haben innerhalb eines halben Jahres über eine Site eine virtuelle Therapie gemacht

Die Erinnerung an das Schreckliche lässt sie nicht los: Von schweißgebadeten Nächten und lähmenden Ängsten wissen Überfall-Opfer oder Augenzeugen von Katastrophen zu berichten. Doch wer niemand hat, dem er sich anvertrauen kann, leidet noch mehr, sagt der niederländische Psychologe Alfred Lange.

Ein Helfer in der Not soll nun auch das Internet sein. Die Erinnerungen mit Hilfe des Internets zu verarbeiten, ist für Trauma-Opfer in den Niederlanden schon jetzt möglich. Und bald soll das Web auch für leicht depressive oder essgestörte Menschen ein Zufluchtsort werden.

Vom Beispiel des Nachbarlandes müssen auch die deutschen Psychiater lernen, sagt Professor Ulrich Hegerl, Professor an der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Internet und Psychiatrie“ sei hierzulande ein viel zu sehr vernachlässigtes Thema.

Gut 300 traumatisierte Patienten haben laut Lange im vergangenen halben Jahr über die Internet-Seite eine Therapie gemacht. Die holländische Homepage wird derzeit überarbeitet und soll laut dem Amsterdamer Professor „im September“ auch auf Deutsch zur Verfügung stehen. Interessierte Trauma-Patienten müssen dort zunächst einen Fragebogen ausfüllen, mit dem getestet wird, ob sie für die Therapie geeignet sind. Falls ja, sollen sie sich dann unter Online-Anleitung von Therapeuten über mehrere Wochen mit zehn selbstverfassten Texten ihr Trauma von der Seele schreiben.

Nach einer Pilot-Studie der Uni Amsterdam funktioniert das vorzüglich: „Unsere Effekte sind zwei bis drei Mal so groß wie im direkten Kontakt, 80 Prozent der Nutzer gehen symptomfrei aus der Therapie“, berichtet Lange. Wieweit dieses oder ähnliche Konzepte auch in Deutschland einsetzbar sind, ist nach den Worten Hegerls offen. Einer klassischen Online-Therapie ohne persönlichen Kontakt zum Psychiater stehen rechtliche Grenzen entgegen. Allerdings könne der Berufsverband in einem offensichtlich sinnvollen und wissenschaftlich abgesicherten Fall wie dem niederländischen mit einer möglichen Änderung seiner Richtlinien den Weg frei machen, so der Psychologe am Rande des ersten Internationalen Symposiums zum Thema in München.

Kontakt:
LMU Psychatrische Klinik, Tel.: 089/51603321 (günstigsten Tarif anzeigen)

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