Teldafax: Seit zwölf Uhr ist die Leitung tot

Telekom und Großaktionär World Access hatten bis zuletzt verhandelt

Die Deutsche Telekom (Börse Frankfurt: DTE) macht Ernst beim Eintreiben ihrer Schulden und dem Kampf gegen unliebsame Wettbewerber: Sie schaltete am Donnerstag wie angekündigt punkt zwölf Uhr den insolventen Konkurrenten Teldafax AG (Börse Frankfurt: TFX) ab. Ein Sprecher des Bonner Ex-Monopolisten begründete diesen Schritt mit dem Scheitern von Verhandlungen über die Schuldentilgung. Die Verbindlichkeiten von Teldafax bei der Telekom belaufen sich demnach auf rund 90 Millionen Mark (46 Millionen Euro). Der Marburger Wettbewerber bezeichnete das Vorgehen der Deutschen Telekom als „zentralen Schlag“ für Teldafax. Ein Unternehmenssprecher empfahl den Kunden vorerst das Telefonieren über „alle alternativen Wettbewerber außer der Telekom“.

Nach der Abschaltung der Leitungen hörten Kunden, die mit der Teldafax-Vorwahl 01030 telefonieren wollten, nur noch ein Besetztzeichen oder einen Ansagetest: „Der von ihnen ausgewählte Verbindungsnetzbetreiber bietet seinen Dienst in ihrer Region nicht an.“ Fest auf 01030 festgelegte Kunden (Pre-Select) konnten nur noch ihr Telefon benutzen, wenn sie die fünfstellige Vorwahl eines anderen Anbieters vor der eigentlichen Rufnummer wählten.

Der Teldafax-Großaktionär World Access aus Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) hatte nach eigenen Angaben bis zum frühen Morgen mit der Telekom über einen Schuldenrückzahlungsplan verhandelt. Unmittelbar vor dem von der Telekom angekündigten Abschalttermin verkündete das Unternehmen, der Vorstand habe ein Krisenpaket für Teldafax geschnürt. Danach sollte die Firma noch am Donnerstag Zahlungen an die Deutsche Telekom leisten, um die derzeitige Nutzung zu decken.

Voraussetzung für diesen Plan sei jedoch die Zustimmung der wichtigsten Geldgeber von World-Access. Zudem dürften die Teldafax-Verbindungen nicht abgeschaltet werden, forderte das ebenfalls vom Konkurs bedrohte US-Unternehmen kurz vor zwölf Uhr. Punkt zwölf Uhr wurden die Leitungen dann von der Telekom gekappt. In den vergangenen Tagen hatte die Telekom wegen ausstehender Zahlungen bereits erste Service-Nummern von Teldafax abgeschaltet (ZDNet berichtete). So waren die Einwahlen 0180 und 0190 über Teldafax nicht mehr erreichbar, ebenso wenig möglich waren Ferngespräche und Auslandstelefonate.

Teldafax hatte am Montag Insolvenz beantragt. Der Insolvenzverwalter verhandelte nach Angaben des Unternehmenssprechers weiter mit möglichen Investoren. Die rund 260 Mitarbeiter in der Firmenzentrale sollten zunächst weder gekündigt noch beurlaubt werden.

Unterdessen hat der Münchner Call-by-Call-Anbieter Callino eine Preissteigerung angekündigt, die ab kommenden Montag gelten soll. Das Unternehmen hatte erst am vergangenen Freitag ein Insolvenzverfahren beantragt. Am Donnerstag prüfte nach Angaben eines Unternehmenssprechers eine vorläufige Insolvenzverwalterin weiterhin, ob es ein Insolvenzverfahren oder gar einen Konkurs geben wird. Zeitgleich liefen den Angaben zufolge mit Hochdruck Verhandlungen mit potentiellen Investoren über den Einstieg und damit den Weiterbetrieb.

Kontakt:
Teldafax, Tel.: 0800/0103000

Callino, Tel.: 01802/2255466 (günstigsten Tarif anzeigen)

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