IT-Profis bleiben lieber in Osteuropa

Konferenz suchte nach Wegen für die Zusammenarbeit zwischen Ost und West

München – Wege der Zusammenarbeit wurden am Donnerstag auf der Konferenz „Technologie-Partner Osteuropa“ diskutiert, die im Rahmen der Systems (6. nis 10. November) stattfand. Das Ergebnis: Kooperationen sind möglich und sinnvoll, brauchen aber Zeit, um das Vertrauen der Partner untereinander aufzubauen.

Im Rahmen der Greencard-Debatte in Deutschland haben die Unternehmen ihren Fokus auch nach Osteuropa gerichtet. Doch obwohl Bürger der ehemaligen GUS-Staaten die zweitstärkste Gruppe bei den Greencard-Besitzern ausmachen, kommen die IT-Spezialisten nicht so zahlreich wie die Firmen sich das erhofft haben. Alexander Manoschkin vom Ministerium für Information und Telekommunikation der Russischen Föderation erklärte, seine Behörde sei daran interessiert, die Spitzenkräfte im Land zu halten und sehe die Initiative der Bundesregierung skeptisch. Auch der Präsident des Rumänischen Verbandes für Elektronik und Software-Industrie, Alexandru Bocea, machte deutlich, dass von seinem Verband keinerlei Hilfe beim Abwerben von Fachkräften zu erwarten sei.

Die Interessen der Verbände sind aber nicht das einzige Hindernis beim Sprung von IT-Spezialisten in den Westen: „Anfang der 90er Jahre gab es eine regelrechte Auswanderungswelle von Programmierern und Spezialisten in den Westen. Ich will nicht sagen, dass manche US-Universitäten russisch sprechen, doch das war wirklich massiv. Jetzt aber sehen die Leute wieder eine Perspektive im eigenen Land“, bestätigte Mathias Weber vom Bitkom. Die Fachkräften wollten ihre Heimat aus den verschiedensten Gründen gar nicht verlassen.

Somit wären Partnerschaften zwischen ost- und westeuropäischen Unternehmen ein logischer nächster Schritt. Doch daran haben bisher nur wenige deutsche Firmen Interesse. „Die großen Firmen haben ihre Kontakte und der Mittelstand hat diese Entwicklung ein wenig verschlafen“, so Weber. „Das Problem ist, dass Amerikaner, Briten und teilweise auch Skandinavier in Osteuropa bereits sehr aktiv sind.“

Ministerialrat Klaus Olms vom Wirtschaftsministerium bestätigte diese Beobachtung: „Wir haben vom Ministerium aus Treffen mit hochrangigen Entscheidungsträgern der osteuropäischen Regulierungsbehörden organisiert, doch das Interesse der deutschen Unternehmen war enttäuschend. Wir dachten, es sei interessant für die Firmen, wie die Marktsituation ist, sowie Anregungen für anstehende Entscheidungen geben zu können, aber das Interesse war sehr gering.“

Viola Winkler, Unternehmerin aus Dresden und Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes „Brücke Osteuropa“ konnte kein Patentrezept für funktionierende Partnerschaften zwischen Ost und West liefern. „Wichtig ist vor allem der persönliche Kontakt und Geduld, um Vertrauen zwischen den Partnern aufzubauen. Das braucht einfach Zeit.“

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