ZDNet-Interview mit Boo.com

Deutschland-Chef Christoph Wilanek: "Es sind viele Tränen geflossen"

Mit Boo.com hat das erste große E-Commerce-Unternehmen Konkurs angemeldet. ZDNet sprach mit dem Deutschland-Chef des Online-Modehauses, Christoph Wilanek, über die Gründe des Bankrotts.

ZDNet: Mittwoch Nacht wurde der Konkurs ihres Unternehmens bekannt. Wann wurden Sie selbst erstmals darüber informiert?

Wilanek: Ich habe am Mittwoch Abend um 23.38 Uhr in München erfahren, dass mein Mutterunternehmen zahlungsunfähig ist und ich sowie meine 20 Mitarbeiter kein Gehalt mehr bekommen werden.

ZDNet: Wie hat ihre Belegschaft auf die Hiobsbotschaft reagiert?

Wilanek: Wir hatten am Tag danach ein sehr langes Gespräch. Es sind viele Tränen geflossen, die Leute waren frustriert. Vor allem deshalb, weil wir über ein Jahr ein super Team hatten und einen Traum gelebt haben.

ZDNet: Warum ist der Traum geplatzt?

Wilanek: Die Geschwindigkeit war immer unser Problem, daran sind wir kaputt gegangen. Was wir eindeutig nicht hinbekommen haben, ist eine Plattform, die funktioniert. Ein Online-Shop, der ein modernes Design hat und noch dazu flott ist.

ZDNet: Die Geschwindigkeit der Site war aber offensichtlich nicht das einzige Problem. Forrester hat in einer ersten Analyse herausgefunden, dass die mangelnde Kundenorientierung und überhöhte Werbeausgaben von über 25 Millionen Euro ihrem Unternehmen das Ende bereitet haben.

Wilanek: Das mag für unsere englischen Kollegen stimmen, für den deutschen Markt aber überhaupt nicht. Wir haben hierzulande drei Millionen Mark in Online-Werbung und eine Million in Print-Anzeigen gesteckt. Auch was Kosten und Erträge angeht, können wir uns mit anderen börsennotierten E-Commerce-Firmen messen. Wir hatten in Deutschland einen gemächlichen Start, konnten aber in den letzten Monaten gewaltig aufholen. Im März hatte der deutsche Zweig von Boo.com den stärksten Umsatz generiert.

ZDNet: Bleibt der Vorwurf der mangelnden Kundenorientierung.

Wilanek: Die kann ich nicht ausmachen. Wir haben seit Bekanntwerden des Bankrotts Tausende von aufmunternden Kundenmails bekommen. Diese bisher akquirierten knapp 10.000 Kunden haben sich mit unserem Service sehr zufrieden gezeigt.

ZDNet: 20 Mitarbeiter stehen jetzt vor dem beruflichen Aus. Gibt es für die betroffenen Arbeitnehmer eine Lösung?

Wilanek: In den letzten Tagen haben sich drei bis vier Unternehmen gemeldet, die unser Team komplett übernehmen wollen. Auch ich habe schon diverse Telefongespräche geführt und bin mir sicher, dass wir alle gut unterkommen.

Kontakt:
Boo.com Deutschland, Tel.: 089/54342100

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