Microsoft: Wir geben der EU, was sie will

Software-Unternehmen will bei der Untersuchung von Windows 2000 helfen

Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) gibt sich kooperationsbereit: Nachdem gestern der Wettbewerbskommissar der Europäischen Union, Mario Monti, eine Untersuchung des Betriebssystems Windows 2000 angekündigt hatte, will das Software-Unternehmen der Union alle gewünschten Informationen zur Verfügung stellen.

„Wir haben die Anfragen erhalten. Sie möchten gerne, dass wir ihnen bis Anfang März die benötigten Informationen zur Verfügung stellen, und wir wollen das auf jeden Fall tun“, erklärte der Microsoft-Manager John Frank. Zu den Vorwürfen, sein Unternehmen wolle mit Windows 2000 die Konkurrenten noch weiter aus dem Markt drängen, erklärte Frank: „Wir haben eine große Bandbreite von technischen Infos über Windows 2000 mit Software-Entwicklern, Kunden und auch Wettbewerbern geteilt.“

Monti hatte gestern gesagt, einige Elemente des NT-Nachfolgers könnten gegen das Kartellrecht der Europäischen Union verstoßen. „Ich habe grünes Licht für die Untersuchung von Windows 2000 gegeben“, so der Wettbewerbskommissar. Ihm seien Berichte vorgelegt worden, nach denen Microsoft sein neues Betriebssystem mit anderen Produkten des eigenen Unternehmens gebündelt habe. „Sie sollen das derart gemacht haben, dass nur Microsoft-Produkte untereinander vollkommen kompatibel sind“, so Monti.

Dadurch hätten die Konkurrenten des Software-Riesen einen enormen Wettbewerbsnachteil, erklärte der Politiker. „Die Kunden würden dadurch wiederum gezwungen, Windows 2000 zu kaufen.“ Monti führte weiter aus: „Wer auch immer die Dominanz im Servermarkt erringt, hat dadurch auch eine führende Stellung im E-Commerce.“

Auf die Frage, ob Microsoft seinen europäischen Launch von Windows 2000 verschieben sollte, antwortete Monti, dass das Unternehmen darüber selbst entscheiden müsse. Es sei noch „viel zu früh“, um über eventuelle Sanktionen gegen Microsoft zu spekulieren.

Das US-Justizministerium und die Generalstaatsanwälte von ursprünglich 20 US-Bundesstaaten (jetzt: 19) hatten Microsoft im Mai 1998 wegen Verstößen gegen das amerikanische Wettbewerbsrecht verklagt. Auslöser war die Zwangskopplung von Browser und Betriebssystem, die das Unternehmen PC-Herstellern abverlangte. Der zuständige Richter Thomas Jackson hat das Unternehmen Ende vergangenen Jahres in seinen „Findings of Facts“ als schuldig im Sinne der Anklage bezeichnet. Allerdings ist dieser Prozess noch nicht am Ende.

Zum Kartellrechtsverfahren gegen Microsoft hat ZDNet ein Diskussionsforum eingerichtet, in dem Befürworter und Gegner des Prozesses debattieren können.

Über technische Details von Windows 2000 und den aktuellen Stand der Entwicklung konkurrierender Betriebssysteme informiert ein umfangreiches ZDNet-Special.

Kontakt:
Microsoft, Tel.: 089/31760

Themenseiten: Business

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Microsoft: Wir geben der EU, was sie will

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *