Vorsicht bei „Geld fürs Surfen“

Anmeldung schon lange möglich, Auszahlung noch lange nicht

Sie schießen seit Wochen wie Pilze aus dem Boden und versprechen das große Geld: Immer mehr Dienste bieten an, Internet-Surfer für die im Web verbrachte Zeit zu bezahlen. Je nach Anbieter sollen pro Stunde 60 Pfennig bis 1,80 Mark an den Nutzer gehen.

Finanziert werden soll das Angebot durch Werbebanner, die in einem eigenen Fenster eingeblendet werden. Bei den meisten Diensten muß der Kunde bei der Registrierung jedoch nicht nur Name und Anschrift angeben, sondern dem Betreiber auch weitere sensible Daten überlassen. So wird beispielsweise nach der Höhe des eigenen Einkommens und den persönlichen Vorlieben gefragt.

Auf diese Weise soll der Surfer maßgeschneiderte Banner präsentiert bekommen – argumentieren die Betreiber. Bis jetzt sammeln diese jedoch nur fleißig Kundendaten. Keiner der bekannten Dienste hat die Bezahlung bis dato gestartet. Surfer sollten deshalb vorsichtig mit der Weitergabe von persönlichen Daten sein, warnt der Jurist Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale Berlin: „Adressen mit Zusatzinformationen sind in letzter Zeit zu einer deftigen Handelsware geworden“, gibt er gegenüber ZDNet zu bedenken.

Überhaupt seien die neuen Dienste mit Vorsicht zu genießen: „Niemand hat etwas zu verschenken, gerade im Internet tummeln sich viele schwarze Schafe“, warnt er. Besondere Vorsicht sei geboten, wenn der Dienst seinen Sitz nicht in Deutschland hat: „Die Betreiber werden sich schon etwas dabei gedacht haben, wenn sie vom Ausland aus operieren.“

Zu denken geben sollte dem mündigen Verbraucher auch das Werbesystem, das allen Diensten dieser Art gemeinsam ist: Jeder angemeldete Benutzer könne weitere Kunden werben und wird für deren Surfstunden zusätzlich bezahlt. Dabei bewegt sich die Bezahlung je nach Dienst und „Ebene“ zwischen drei und 20 Pfennig pro Stunde.

„Das klingt schon arg nach Schneeballsystem und ist unter Umständen sogar strafbar“, erklärt Ruschinzik. „Progressive Kundenwerbung“ verfolge der Gesetzgeber mit bis zu zwei Jahren Haft, es müsse jedoch einzeln geprüft werden, ob dies im Fall der neuen Dienste auch vorliege.

Generell rät der Jurist, bei der Registrierung auch das Kleingedruckte genau zu beachten. Das Internet sei zwar ein anonymes Medium, aber kein rechtsfreier Raum.

Weiterhin spannend bleibt die Frage, wann einer der zahlreichen Dienste (Savebysurf, Adone, Fairad, Prosite und andere) nicht nur die Software zum Einblenden der Werbefenster anbietet, sondern auch mit der Auszahlung beginnt. Die meisten geben an, „in den nächsten Wochen“ oder „am 1. Januar 2000“ starten zu wollen und versprechen, die Daten nicht an Dritte weiterzugeben.

Themenseiten: Business

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Vorsicht bei „Geld fürs Surfen“

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *