Vodafone: 240 Euro für die Mannesmann-Aktie

Britischer Konzern macht mit seinen feindlichen Übernahmeplänen ernst

Vodafone hat die Katze aus dem Sack gelassen: Für jede Mannesmann-Aktie bietet der britische Konzern 53,7 Vodafone-Air-Touch-Aktien. Gemessen am gestrigen Schlußkurs wird jeder Anteil des Düsseldorfer Unternehmens damit mit 240 Euro bewertet. Das Papier notierte heute im frühen Handel bei rund 200 Euro. In der Summe würde der britische Konzern damit 124 Milliarden Euro für Mannesmann ausgeben.

„Wir sind vergangenen Sonntag mit freundlicher Absicht an Mannesmann herangetreten. Unser Vorschlag wurde zurückgewiesen und wir haben nun einen Brief von Herrn Esser erhalten, in dem er deutlich macht, daß er an konstruktiven Verhandlungen kein Interesse hat“, erklärte der Vodafone-Chef Chris Gent.

Das britische Unternehmen gibt an, noch gestern von Mannesmann einen Brief erhalten zu haben, in dem es aufgefordert wurde, seine Vorschläge zurückzuziehen. Vodafone vertritt jedoch weiterhin die Auffassung, daß „die
Logik des Zusammenschlusses mit Mannesmann überzeugt und den Interessen der Aktionäre beider Unternehmen in bester Weise gerecht wird“, teilte der Konzern mit.

Nachdem sich Mannesmann gegen jegliche Übernahmeversuche gewehrt habe, wolle man sich nun direkt an die Aktionäre des Unternehmens richten.

Wenn diese das Angebot akzeptierten, würden sie damit an 47,2 Prozent der kombinierten Gruppe beteiligt sein. Vodafone erklärte, daß durch den Zusammenschluß der beiden Telekommunikationsunternehmen mit weltweit über 42 Millionen Kunden der global führende internationale Mobilfunkbetreiber entstehen würde.

Das Angebot wird heute dem Aufsichtsrat von Mannesmann vorgelegt. Sollten sich die Aktionäre für das Angebot entscheiden, so wäre dies die erste feindliche Übernahme eines deutschen Konzerns überhaupt.

Vodafone teilte mit, durch den Zusammenschluß der beiden Unternehmen werde es zu keinem Personalabbau kommen. Die Belegschaft könne vielmehr von den verbesserten Wachstumsperspektiven profitieren. Analysten gehen jedoch davon aus, daß der Mannesmann-Konzern zerschlagen werden könnte. Für Vodafone sei vor allem der Mobilfunkbereich (D2) interessant, andere Unternehmenssparten wie die Festnetztelefonie (Arcor, Otelo) oder der Stahlbereich könnten abgetrennt werden, heißt es. Vodafone kündigte an, im Falle einer Übernahme Mannesmann Arcor gesondert an die Börse bringen zu wollen.

Mannesmann-Chef Klaus Esser hatte am vergangenen Sonntag ein Angebot des britischen Konzerns abgelehnt (ZDNet berichtete). Damals sollten noch rund 205 Euro für die Mannesmann-Aktie bezahlt werden. Mannesmann hatte das Angebot als „völlig unangemessen“ betrachtet und es „grundsätzlich abgelehnt“. Der Konzern ist der Auffassung, daß sein eigenes Wachstum dem von Vodafone überlegen sei. „Wir können unseren Aktionären nicht empfehlen, das ihnen gehörende Wachstumspotential aufzugeben“, hatte Esser gesagt.

Kontakt:
Mannesmann, Tel.: 0211/8200

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