Sun veröffentlicht Real-Time-Java-Spezifikation

Kampf um Embedded Java tobt unbemerkt von der Öffentlichkeit

Sun Microsystems (Börse Frankfurt: SSY) hat für 300 eingetragene Teilnehmer eine Real-Time-Java-Spezifikation ins Netz gestellt. Bereits Anfang der Woche habe man zudem einen abgespeckten Entwurf dem J Consortium vorgelegt, das nun 30 Tage zur Begutachtung hat. Das erklärte das Unternehmen auf der dieswöchigen Embedded Systems Conference in San Jose, Kalifornien.

Weiter stellte Sun in Aussicht, zum Ende des Jahres eine öffentliche Fassung der Spezifikation ins Netz zu stellen. Mitte 2000 soll die Spezifikation dann verabschiedet werden können, hofft der Chef der Specification-Abteilung von Sun, Greg Bollella.

Das J-Consortium (www.J-Consortium.org) wird von Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) und Hewlett-Packard (HP; Börse Frankfurt: HWP) angeführt und will einen alternativen Standard zu Java von Sun etablieren. Zur Gründung des Konsortiums im Mai dieses Jahres hatte der Chef des Konsortiumsmitglieds Transvirtual, Tim Wilkinson, erklärt: „Wir wollen nicht, daß Java von einer einzigen Firma kontrolliert wird, und daß auch andere Unternehmen ein Mitspracherecht haben“.

Das J-Consortium ist wiederum ein Teil der Real-Time Java Working Group (www.j-consortium.org/…), die HP und Microsoft im vergangenen Jahr gegründet hatten. Die Working Group war im Januar bei dem Versuch, das Standardisierungsgremium National Committee for Information Technology Standardization (NCITS; www.ncits.org) von ihrem Vorschlag zum Real Time Java für Embedded-Produkte zu überzeugen, abgeblitzt.

NCITS, ehemals unter dem Namen X3 bekannt und damals Überwachungsbehörde für die Spezifikationen der Programmiersprachen C, C++ und Fortran, wollte weder den beiden Unternehmen mehr Kontrolle über den Einsatz von Java in industriellen und anderen Embdedded-Umgebungen zubilligen, noch sie bei weiteren Entwicklungen unterstützen.

Begonnen hatte der Streit um Embedded Java auf der Embedded Systems Conference in San Jose, Kalifornien. Dort hatten im November 1998 HP und 25 weitere Hersteller die Real-Time Java Working Group ins Leben gerufen. Sie wird von Sun als „Splittergruppe“ bezeichnet. Beide Unternehmen streiten seitdem verbissen über die Spezifikationen zum Real-Time Java für Embedded-Produkte.

Mit entsprechenden Erweiterungen könnte Java auch in Real-Time-Systemen eingesetzt werden, wie sie etwa beim Navigieren eines Flugzeuges vom Tower aus eingesetzt werden. Java und das Java Development Kit lassen solche präzisen Manöver beim derzeitigen Stand der Technik nicht zu. Schuld daran ist laut HP der Java-Entwickler Sun, das zuviel Kontrolle über die Programmiersprache ausüben würde.

Im Frühjahr 1998 hatte HP eine eigene Embedded-Java-Virtual-Machine auf den Markt gebracht, die umgehend von Microsoft, Integrated Systems, Lynx Real-Time Systems, Microware and QNX in Lizenz genommen wurde. Wie im von Sun initiierten sogenannten Java-Prozeß mit Microsoft bekannt wurde, hatte die Firma von Bill Gates bei der Entwicklung der abweichenden Java-Version maßgeblich die Hände im Spiel.

Kontakt: Microsoft, Tel.: 089/31760; Sun Microsystems, Tel.: 089/460080; Transvirtual, Tel.: 001-510-482-3022

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