MS-Prozeß: „Wir haben niemanden sabotiert“

Engstrom ist der erste MS-Manager, der punkten kann

Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) würde heute im Kartellrechtsprozeß besser dastehen, hätte das Unternehmen mehr Zeugen wie Eric Engstrom aufgefahren. Der ehemalige Chef der Multimedia-Abteilung bei Microsoft konnte alle Fragen von Ankläger Phillip Malones parieren und damit als erster von zehn Zeugen Punkte für Microsoft sammeln.

„Wenn wir zwölf Erics hätten und sie immer anstelle von David Boies antreten hätten lassen, sähe es heute um einiges besser aus“, scherzte gestern Abend ein hoher Microsoft-Manager in die Mikros der Reporter.

Engstrom stand 1997 der Windows Multimedia Division vor und war maßgeblich an den Verhandlungen mit Apple und Real Networks beteiligt. Die Anklage wollte beweisen, daß Microsoft die Multimedia-Anwendung „Quicktime“ von Apple und die Streaming-Technologie „Real Player“ von Real Networks sabotiert und diskreditiert hat.

Engstrom erklärte Richter Thomas Jackson: „Ich habe nicht lange mit ihnen (Apple) diskutiert, sondern ihnen gesagt, daß wir, wenn wir in den Markt (für Multimedia-Abspielgeräte) eintreten, sowieso gewinnen werden. Wir haben ihnen aber niemals das Angebot unterbreitet, nicht gegen sie zu konkurrieren, wenn sie unser Run-time benutzen würden.“

Aufgebracht fuhr er fort: „Es ist kaum zu glauben, daß Dr. Tevanian hier hereinkommt und uns Sabotage unterstellt. Microsoft würde sowas nie tun, das kann ich Ihnen versichern.“

Der Chef der Software-Entwicklungsabteilung bei Apple, Avadis Tevanian, hatte im November vergangenen Jahres vor Gericht ausgesagt, daß Microsoft versucht habe, Apple aus dem „Playback“-Markt zu drängen. Anstelle von Quicktime wollte die Gates-Company ihre Produkte DirectX, Windows Media Player und Netshow durchsetzen. Zu diesem Zweck habe das Unternehmen den Internet Explorer 4.0 so programmiert, daß er in Verbindung mit Apples Quicktime nicht einwandfrei funktioniert.

Engstrom sagte weiter aus, daß die Probleme erst gar nicht aufgetreten wären, wenn Apple sich nur ein wenig bemüht hätte, Quicktime auf Microsofts ActiveX abzustimmen. Eine E-Mail von Microsoft-Boß Bill Gates, in der er empfiehlt, „ein bißchen vom (Apple-)Code zu klauen und den Sieg zu erklären“, bezeichnete er als unwichtig.

Kontakt: Microsoft, Tel.: 089/31760

Themenseiten: Business

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu MS-Prozeß: „Wir haben niemanden sabotiert“

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *