In seiner neuesten Version liefert das Betriebssystem Microsoft Pocket PC für PDAs endlich Lösungen für einige seiner häufigsten Probleme, und es werden zudem einige neue Funktionen geboten. Pocket PC 2002 wird seit Oktober 2001 auf dem HP Jornada 565 ausgeliefert. Darüber hinaus wird das System auf zahlreichen weiteren neuen PDAs eingesetzt werden. Obwohl die neue Version mit Softwareprogrammen vollgepackt ist, handelt es sich letzten Endes dennoch nur um ein weiterentwickeltes Upgrade, dem noch immer einige Anwendungen fehlen.

Wir haben eine fast endgültige Version des Betriebssystems auf einem Compaq iPaq H3670 getestet – dabei fehlten uns nur die Compaq-Treiber. Wir können noch keine umfassenden Aussagen bezüglich Performance oder Ausfallsicherheit des Systems liefern, da wir den iPaq-Upgrade-Prozess nicht ausprobiert haben. Und ohne die korrekten Treiber für den H3670 nutzt das Betriebssystem nur die Hälfte des im Gerät verfügbaren 64 MB RAM-Speicher. Nur iPaqs unterstützen dieses Upgrade, da sie die Flash ROM-Technologie verwenden, über ausreichenden Speicherplatz verfügen und mit ARM-basierte Prozessoren laufen. Wer zwischen dem 6. September 2001 und dem 30. Dezember 2001 einen iPaq kauft, erhält ein kostenloses Upgrade von Compaq; danach sind dafür 30 Dollar plus Versandkosten fällig.

Die auffälligste Veränderung: Das neue Betriebssystem sieht aus wie Windows XP. Das bedeutet neue Symbole, über dem aktuellen Bildschirm angezeigte Meldungen und eine frei definierbare Heute-Anzeige (die Pocket PC-Version des neuen Windows-Desktops). Benutzern mit Pocket PC-Erfahrung wird sofort das neue „X in der rechten oberen Ecke des Bildschirms auffallen, mit dem geöffnete Anwendungen verkleinert statt geschlossen werden können. Auf diese Weise wird das Navigieren in der Benutzeroberfläche gegenüber früheren Versionen vereinfacht, was sich jedoch nicht negativ auf Performance oder Speicherplatz-Zuweisung auswirkt, denn das Betriebssystem überwacht die Nutzung des RAM-Speichers und schließt gegebenenfalls nicht verwendete Anwendungen. Die Speicherplatz-Verwaltung scheint in der 2002-Version besser als bei deren Vorgängern zu funktionieren, dennoch sind Anwendungen wie PocketSTM nach wie vor recht nützlich, wenn Ihr PDA zu langsam hochfährt.

Während beispielsweise Pocket Word und Excel im Betriebssystem enthalten sind, fehlt PowerPoint noch immer. Außerdem sind einige weitere nützliche Anwendungen enthalten. So z.B. der integrierte MSN Messenger, der genau der Desktop-Version entspricht. Über ein kleines Menü kann man eine von 10 benutzerdefinierbaren Nachrichten auswählen, die dann durch einfaches Antippen versendet wird. Für längere Texte können die integrierte Software Transcriber oder eine andere auf die Graffiti-Technologie von Palm OS ausgelegte Handschrifterkennung verwendet werden. Die alte Handschrifterkennung und die Tastaturanwendung bleiben ebenfalls erhalten. Außerdem ist der Windows Media Player 8 verfügbar, der jetzt auch Video-Streaming unterstützt.

Wer viel unterwegs ist, wird besonders den neuen Terminal-Client zu schätzen wissen, über den auf Windows NT und andere Server zugegriffen werden kann. Das Betriebssystem unterstützt außerdem den VPN-Zugang zu Intranet-Systemen. Dies braucht IT-Verantwortliche in Unternehmen jedoch nicht zu beunruhigen: Das Betriebssystem unterstützt die Passwortsicherheit von Windows 2000 sowie dessen Smart Password-Funktion, so dass vertrauliche Daten auch wirklich vertraulich bleiben, selbst bei Verlust des Handheld-Geräts. Microsoft weist zwar auf die vereinfachte Konfiguration der Verbindungseinstellungen hin, dennoch führt der direkteste Weg ins Internet noch immer über das Anschließen des PDA an sein Cradle. Der PC fungiert dann als Gateway, so dass man über den Bildschirm des PDAs im Internet navigieren oder auf Ordner in einem Netzwerk zugreifen kann.

Das Betriebssystem ist nun auch besser als Organizer geeignet, vor allem bei Verwendung von Outlook auf einem Windows PC (der Mac wird nach wie vor nicht unterstützt). So können beispielsweise endlich verschiedene Outlook-Unterordner synchronisiert werden. Außerdem gefiel uns der Spell Checker des Mailprogramms sowie die Fähigkeit zur Aufnahme von Voice-Mails. Man kann seine Kontakte nach Unternehmen sortieren und die Teilnehmer von mit Outlook organisierten Meetings anzeigen. Alles in allem schlägt Pocket PC die Palm-Systeme hinsichtlich der nahtlosen Integration von Outlook um Längen.

Der Pocket Internet Explorer zeigt noch immer nicht Frames und Pop-Up-Fenster korrekt an, so dass auf Web-Clients für Microsoft Exchange nicht zugegriffen werden kann. Außerdem geht die Formatierung von Dokumenten bei der Übertragung von Pocket Word auf dessen Desktop-Version teilweise verloren. Kurioserweise funktioniert Documents To Go 4.0 auf dem Palm besser.

Da die Funktionen von Pocket PC 2002 nicht in 16 MB Speicherplatz untergebracht werden können, hält Microsoft seine PDA-Partner zur Verwendung von 32 MB Flash ROM für deren neue Geräte an. Das Upgrade für iPaqs mit nur 16 MB ROM verteilt Anwendungen auf die ROM- und RAM-Speicher. Microsoft verlangt außerdem nach ARM-basierte Prozessoren, wie z.B. den in den aktuellen iPaqs enthaltenen StrongARM von Intel. Während Software-Entwickler diese Änderungen begrüßen, werden es Besitzer von HP und Casio Pocket-PCs der ersten Generation schwer haben, zukünftig Software für ihre auf SH3- und MIPS-Prozessoren ausgeführten PDAs zu finden.

Fest steht, dass Pocket PC 2002 eher eine Weiterentwicklung als eine grundlegende Veränderung darstellt. Wer jedoch gerade auf der Suche nach einem PDA mit Pocket PC ist, sollte auf jeden Fall die Einführung der neuen Geräte abwarten, statt ein älteres Modell zu kaufen.

Fazit

Microsofts Update seines Betriebssystems für Pocket PCs bietet eine Handvoll neuer Funktionen und eine Menge kleinerer Verbesserungen. Da es keine bahnbrechende Weiterentwicklung darstellt, sollte man mit dem Kauf seines PDA warten, bis Geräte mit Pocket PC 2002 auf den Markt kommen.

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