Fast so gut wie echt

Virtuelle Maschinen haben sich als Mittel zur Windows-Emulation auf Mac OS oder Linux einen Namen gemacht. Sie werden bei Tests, der Entwicklung von Software, Server-Virtualisierung, Legacy-Anwendungen und vielem mehr eingesetzt.


12. August 2003

Für wen ist dann eigentlich die Software für virtuelle Maschinen (VM) gedacht? Da gibt es beispielsweise den Softwareentwickler, der im Anfangsstadium der Entwicklung den Code unter ein paar Basis-Betriebssystemen, z.B. Windows 98 SE, ME, 2000 und XP, testen möchte. Natürlich kann er versuchen, mehrere PCs mit mehrfachen Bootoptionen einzurichten. Es ist jedoch ein wenig mühselig, jedes Mal, wenn wieder ein Teil des Codes getestet werden soll, auf das Hochfahren des Systems und den Start des neuen Betriebssystems warten zu müssen. Mit dem Ausführen mehrerer virtueller Maschinen auf einem einzigen Host-Rechner kann er sich per Mausklick schnell und einfach zwischen den verschiedenen Betriebssystemen bewegen.

Auch für den Nicht-Entwickler kann diese Software interessant sein, und zwar dann, wenn er Anwendungen und Tools benutzen möchte, die nur für bestimmte Betriebssysteme erhältlich sind. So laufen manche etwa unter Windows, andere jedoch sind nur für Linux erhältlich. Oder er stellt nach dem Upgrade auf Windows 2000 oder XP fest, dass wichtige Businessanwendungen nur unter Windows 95 oder gar DOS laufen.

Mit einem der folgenden Programmpakete – Connectix Virtual PC bzw. VMware Workstation – ist es möglich, einen Host-Rechner entweder mit Windows oder Linux laufen zu lassen, wobei das andere, nicht so oft genutzte Betriebssystem als virtuelle Maschine in einem separaten Fenster läuft.

Und das Gute daran ist, dass beide VM-Produkte überraschend schnell und im Allgemeinen stabil sind. In der Tat scheinen beide Anbieter das Problem mit einer grundlegend identischen Technik angegangen zu sein. Die Übereinstimmungen bei den Features und Funktionen überwiegen deren Unterschiede bei weitem.

Der Host-Rechner im Test war ein Dell Optiplex GX240 mit einem 1,7 GHz Pentium 4-Prozessor, 512 MB DDR-Speicher und einer ATI Rage 128 Ultra Grafikkarte mit 32 MB, auf dem Windows XP Professional lief.

Pro und Contra

Interessant war zu sehen, dass trotz aller Gemeinsamkeiten jedes dieser Programme seine eigenen, ziemlich gewichtigen Vor- und Nachteile hatte. Im Großen und Ganzen war VMware in den Benchmarks mit Windows 2000 auf der virtuellen Maschine am schnellsten, doch der Leistungsvorsprung war im Allgemeinen nicht allzu groß. Was die Datenträgerleistung anbelangt, war Virtual PC tatsächlich schneller; VMware hatte jedoch bei Grafik- und Businessanwendungen die Nase vorn. In beiden Fällen wurden die Vordergrund-VMs für maximale Leistung konfiguriert, doch ist der VMware-Code offensichtlich entweder etwas leistungsfähiger oder er weist der VM mehr CPU-Zeit zu als Virtual PC.

Auf der anderen Seite war Virtual PC von beiden die stabilere Anwendung. Jede Anwendung lief bereits beim ersten Mal, ohne dass irgendwelches Tweaken oder ein Neustart erforderlich war. VMware dagegen verweigerte beharrlich die Installation von Winbench99 V2.0. Die einzige Möglichkeit war, erst den Vorgänger V1.2 und dann das Upgrade zu installieren. Außerdem war die Konfiguration der Audio- und COM-Ports in VMware problematisch, wogegen die Audio- und COM-Ports von Virtual PC von Anfang an startbereit waren. Das Einzige, was Virtual PC vermissen ließ, war die Bereitstellung von USB-Ports ab Werk. Ein weiterer Vorteil von Virtual PC gegenüber VMware ist die konsistente Emulation bekannter Hardware-Standards. So handelt es sich bei der Grafik-Emulation zum Beispiel um die S3 Trio 32/64 und beim Audio um die Sound Blaster 16 bzw. AWE 32. Damit dürfte es wesentlich einfacher sein, anbieterseitig nicht unterstützte Betriebssysteme zu installieren. Statt nach etwas zu suchen, das beispielsweise mit VMwares eigenem Grafiktreiber läuft, wählt man einfach einen bekannten Treiber aus.

xxx

Fazit
Letztlich scheint Virtual PC die bessere Wahl zu sein: Es ist stabil, zuverlässig und mit Sicherheit keine lahme Ente – auch wenn es mit VMware nicht mithalten kann.


Virtual PC für Windows 
Die neue Version von Virtual PC läuft stabil, lässt sich einfach installieren und überzeugt mit einer komfortablen und simplen Konfiguration. Einzig die Geschwindigkeit lässt noch zu wünschen übrig. 
 Zum Test


VMware 
Das Emulationsprogramm läuft stabil, aber leider nicht auf OS/2 oder Mac. Dafür ist es schneller als der Konkurrent Virtual PC. Der Preis ist im Rahmen, jedoch sehr hoch. 
 Zum Test

Themenseiten: Business-Software, Software

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